Meine Hand wird ruhiger, bleibt flach auf dem Tisch liegen. Ein fast unmerkliches Kribbeln in den Fingerspitzen, ein letzter leiser Impuls zu begreifen, was soeben passiert ist. Ihre Hand hat dicht neben meiner gelegen. Wir haben uns nicht berührt, nicht einmal heute. Und jetzt, da die Nähe so greifbar ist, verstummen wir, senken unsere Blicke, beben leise voneinander weg. Aus. Weiterlesen
Liebe
Liebe und Vergessen
Sie liebte ihn seit langem. Heimlich. Ohne sein Wissen. Lange Zeit hatte es nicht sein dürfen. Der Mann war verheiratet und außerdem war sie seine Haushälterin. Weiterlesen
Liebe meines Lebens
Wie lange habe ich Rebecca nicht gesehen? Jetzt sitzt sie tatsächlich vor mir. Wir haben uns den stillsten Winkel des Cafés ausgesucht. Frischer Kaffee dampft in unseren Tassen. Doch wir wollen uns nicht den Mund verbrennen. Um ehrlich zu sein: Wir können uns nicht satt sehen aneinander. Dabei müssen sich unsere Blicke noch aneinander gewöhnen, zögernd, fast schüchtern, suchen wir den lieben Menschen aus vergangenen Tagen. Zehn Jahre ist es her, dass Rebecca mich verlassen hat, uns verlassen hat. Jetzt, wo es mich zum Studieren in eine andere Stadt gezogen hat, das unverhoffte Wiedersehen. Ich weiß nicht, ob es Zufall war oder ob sie nach mir gesucht hat. Jedenfalls stand sie plötzlich vor mir, als ich mein Rad aufschließen wollte. Weiterlesen
Liebesdroge
In trüben Wintern bin ich süchtig nach Heu
Dann reiße ich die Tüte auf und rieche mir
Mit seinem Duft den einen Sommer zurück
Und das Licht der reinen Liebe in mein Herz
©Martin Bensen
Wildes Herz
Du isst
Geschmortes Wildherz
Mein Herz
War auch mal wild
©Martin Bensen
Parkbank-Reigen
Schauspiel in fünf Begegnungen
von ©Martin Bensen
„Die ganze Sache ist die, dass die Menschen glauben, es gebe Situationen, in denen man mit den Menschen ohne Liebe umgehen dürfe; solche Situationen gibt es aber nicht!“
Leo Tolstoi
Begegnung 1
Licht an
Eine einsame Parkbank an einem Sommermorgen, auf ihr liegt ein schlafender junger Mann – modische Frisur, kurzgeschnittener Bart, fleckiges weißes Hemd, Designerjeans, Sneakers – seine Knie sind angewinkelt, dazwischen seine Hände. Vor ihm steht eine leere Wodkaflasche auf dem Boden, überall verstreut liegen Zigarettenstummel. Ein älterer Mann mit silbergrauer Künstlerfrisur, in schwarzem Leinenanzug, schlurft ins Bild, betrachtet den Jungen eine Weile, setzt sich dann auf den schmalen Platz zu seinen Füßen. Er klemmt seine Hände zwischen seine Knie, reibt sie unruhig gegeneinander, beugt seinen Körper vor und schaut ins Leere. Eine ganze Weile. Die Vögel zwitschern, sonst ist noch alles ruhig.
Der Alte:
Ach ja…
Der Junge bewegt sich etwas, grunzt, atmet hörbar aus und versucht sich vergeblich umzudrehen.
Der Alte:
Das habe ich nie gemacht. Weiterlesen
Von der Kette
Die Leidenschaft
Die räuberische
Knurrt schon
In der Höhle
Die Liebe
Die anmutige
Lässt sie
Von der Kette
Nostalgia
Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich hatte mir dieses kleine Café im hintersten Winkel einer etwas entlegenen Gasse Barcelonas ausgesucht, um ungestört meine Eindrücke dieser großartigen Stadt und die Umstände meiner Flucht zu verarbeiten. Nicht im Traum hätte ich für möglich gehalten, ausgerechnet hier noch einmal meiner ersten Liebe zu begegnen. Dabei erschien sie mir gar nicht persönlich. Aber der Reihe nach. Weiterlesen
Dass wir noch da sind
Immer wieder sehen wir nach uns
Vergewissern uns unserer Liebe
Erfreuen uns am jeweils anderen
Daran dass wir noch da sind
Immer wieder trennen wir uns
Durchfliegen Turbulenzen des Lebens
Und reiben uns jedes Mal die Augen
Darüber dass wir heil gelandet sind
Ein Bad im Himmel
Das war’s. So geht also Sterben. Okay, der Schmerz war kacke, der Sog furchteinflößend, doch jetzt umhüllt mich warmes Licht. Wenn die Nahtod-Berichte stimmen, bin ich nurmehr Seele, dann muss das hier der Himmel sein. „Nicht ganz“, tönt es aus dem Licht. Weiterlesen
Kuss
Schon küsst die Sonne
Die Kronen der Pinien
Auf sanften Hügeln rot
Zum Meer hin reicht
Ihr Licht bald golden
Strahlt auf den Strand
Auf Deine roten Lippen
Auf unsern letzten Kuss
Das Karwendel-Geheimnis
Es war ihr Lächeln. Ein Lächeln, das nicht zu den traurigen Augen passte. Sie hatte ihn nur kurz angeblickt. Nein, eigentlich hatte er nur kurz aufgeblickt. Zu sehr war er damit beschäftigt gewesen, nicht auszurutschen. Gerade an der steilsten Stelle war der geschmolzende Schnee zu einer Eisbahn geworden. Nur mit Mühe und mit Hilfe des verwitterten Handlaufs schaffte er es. Weiterlesen