Worte aus Murretanien

Ein nasskalter Samstagmorgen in einer schwäbischen Stadt. Menschen gehen an mir vorbei, und immer dann, wenn sie mich passieren, dringen ihre Worte an mein Ohr, rausgebrochen aus Konversationen wie Rohgestein. Ich will es nicht bearbeiten, werfe die Brocken hier hin. Schon diese wenigen Steinchen formen sich zu einem kleinen Mosaik – keine Größe steckt darin, sondern Alltag.

Mürrische Geschwätzfetzen an einem faden Samstagmorgen in einer schwäbischen Stadt, in der schon größere Geister wohnten:

… und er hat ja lange keine Frau gefunden, weil er …

… und wohnt in einem Gebiet, wo auch wirklich gute Leute sind …

… mr muaß halt etz amol gucka, dass d’Richtiga regieret …

… ich lass mich nicht täuschen …

… im Buch kann man alles machen …

… ich will ja gar nicht mehr alles wissen


Martin Bensen

Abschied

Und während mein Herz noch schmerzt über meinen Abschied, hält der Zug schon in der nächsten Stadt, sehe ich das junge Paar, sie lehnt den Kopf an seine Schulter, er hält sie, behutsam, nicht klammernd, eine Hand in ihrem Nacken, eine auf ihrem Rücken, sieht über ihren Kopf hinweg – ins Nichts. Eine Pietà des Abschiednehmens. Ein Bild durch alle Zeiten, an jedem Ort der Welt.

©Martin Bensen