An der Bushaltestelle stehen zwei junge Frauen schon Minuten in inniger Umarmung – eine Insel im Meer der Großstadt. Wenige Meter entfernt sitzt ein Bettler vor einem Laden und reckt den Kopf zu dem Paar. In seinen Augen kein Armutsblick mehr, nichts Mitleid Erregendes, etwas Waches, etwas wie Verlangen. Ist es das, was er braucht, was die beiden Frauen haben und noch bewahren über den Abschied hinaus?
Die eine, die bleibt, winkt dem Bus hinterher, wendet sich dem Laden zu. Gedankenverloren kramt sie in ihrer Manteltasche, findet etwas Kleingeld, wirft es dem Bettler in den Korb. Wie gebannt sieht er sie an, ihr Lächeln, das ihn verzaubert, ihre glitzernden Augen. Ist es das, was er will? Eine Träne, wertvoller als Gold, wenn auch nicht für ihn …
La-Le-Lug
Schau mein Kind es dämmert schon
Schließ die Augen, schlaf nur ein
Vom Kirchturm schlägt der Glockenton
Lass nur das Gute in dein Herz hinein
Nimm das letzte Licht des Tages
Mit in die Nacht, in deinen Traum
Welches Leid du noch ertragest
Dort hat nichts Böses einen Raum
La-Le-Lu hör nicht den Falschen zu
La-Le-Lu denk nach in aller Ruh
La-Le-Lu dann wirst erkennen du
La-Le-Lu, La-le-Lug, La-le-Trug
Nein, ich erzähl dir keine Märchen
Nicht, dass das Gute immer siegt
Nicht von Feen und von Zwergen
Nicht dass der Brave alles kriegt
Ich sing dir lieber dieses Lied
Von jenen, die noch Menschen sind
Dass Liebe macht den Unterschied
Dass auch du so wirst, mein Kind
La-Le-Lu hör nicht den Falschen zu
La-Le-Lu denk nach in aller Ruh
La-Le-Lu dann wirst erkennen du
La-Le-Lu, La-le-Lug, La-le-Trug
Schritte
Der Herbst schleicht sich schon heran.
Quatsch, wo denn? Es ist erst Anfang Juli.
Ich rieche ihn. Die Blätter werden braun.
Das ist die Trockenheit, du Pessimist.
Umso schlimmer, da hat der Herbst leichtes Spiel.
Jetzt aber. Du willst in allem nur das Schlechte sehen.
Nicht ganz zu Unrecht, oder? Gibt es denn irgendetwas …
Positives? Jede Menge. Genieß doch einfach.
Tu ich doch. Aber ich sorge mich auch.
Dann genießt du nicht richtig.
Und du bis zu arglos.
Na und? Lebt sich besser so.
Wenn du meinst.
Meine ich. Den Moment nehmen und dann immer Schritt für Schritt.
Ich mache aber andere Schritte als du, größere!
Nicht in der Zeit, da gehen wir alle gleich schnell.
Aber ich empfinde es nicht so.
Schau, während wir so reden, sind wir weitergegangen. Und ich habe mein Eis genossen.
Schön für dich.
Und dein Bier?
Ist warm geworden.
Siehste.
©Martin Bensen
Lost in Stuttgart-Ost
Heute mal etwas Leichteres, Lustiges – eine humorvolle Umsetzung des Frusts über den Baustellen-Overload in Stuttgart und die teils merkwürdige Absperrerei …
Dazu mein Clip auf Youtube – und mein Songtext hier:
Weiterlesen
Wald satt
Im Wald ist es früh schon wieder still
Vorbei das Singen, Flattern, Werben
Kaum dass die Tage länger waren
Legt sich Trägheit auf die Wipfel
Ich weiß ja, ihr seid dort irgendwo
Doch Schweigen macht einsam
Nur der Wind geht mich an, heiß
Hitze sickert ein ins Unterholz
Keine Kühlung also, kein frischer Trost
Gegen die Schwere in meinem Kopf
Sieh dich satt an dem Grün, sagst du
Satt sind wir, sag ich, das ist es ja
Zitronenfalter
Aus dem Blattgrün löst sich
Gaukelt leicht durch die Hitze
Ein Zitronenfalter
Fast spür ich seinen Flügelwind
Zitrusduft – eine schöne Illusion
Lebenswege
Nein, gerecht ist das Leben nicht. Suche also nicht nach einem Sinn oder auch nur nach Fairness. Das ist kein ehrlicher Wettkampf, kein Spiel – die Regeln kennt niemand. Doch alle, die leben – wer sonst? -, suchen trotzdem. Und wenn sie eine Ahnung bekommen, was für sie gilt, welcher Weg der ihre ist, biegt es plötzlich ab.
Worte aus Murretanien
Ein nasskalter Samstagmorgen in einer schwäbischen Stadt. Menschen gehen an mir vorbei, und immer dann, wenn sie mich passieren, dringen ihre Worte an mein Ohr, rausgebrochen aus Konversationen wie Rohgestein. Ich will es nicht bearbeiten, werfe die Brocken hier hin. Schon diese wenigen Steinchen formen sich zu einem kleinen Mosaik – keine Größe steckt darin, sondern Alltag.
Mürrische Geschwätzfetzen an einem faden Samstagmorgen in einer schwäbischen Stadt, in der schon größere Geister wohnten:
… und er hat ja lange keine Frau gefunden, weil er …
… und wohnt in einem Gebiet, wo auch wirklich gute Leute sind …
… mr muaß halt etz amol gucka, dass d’Richtiga regieret …
… ich lass mich nicht täuschen …
… im Buch kann man alles machen …
… ich will ja gar nicht mehr alles wissen
©Martin Bensen
Der Duft nach Heu
Der Duft nach Heu ist süß
Ein süßer Duft nach Sommer
Ein Duft nach süßen Zeiten
Auf Wiesen voller Leben
Der Duft nach Heu ist bitter
Ein bitterer Duft nach Verderben
Ein Duft nach bitteren Zeiten
Auf Feldern des Todes
©Martin Bensen
Nichtmeinland
Nichtmeinland, du mürrisches
Wieder murrst du statt zu helfen
Aus dem Murr wächst die Wut
Nichtmeinland, du schändliches
Wieder lügst du statt zu klären
Aus der Lüge wächst der Hass
Nichtmeinland, du hässliches
Wieder hasst du statt zu denken
Aus dem Hass wächst nichts
Als Vernichtung
©Martin Bensen
Der frühe Wald
Der frühe Wald ist mein Freund
Er badet mich in frischem Grün
Umduftet mich, ein Allumblüh’n
So süß, so sanft, als ob ich träumt
Der frühe Wald, ein besserer Ort
Vertreibt das schale, düstere Sein
Wenig braucht’s, mich zu befrei’n
Leicht wie ein Falter flieg ich fort
Showtime
Bevor Sie sich langweilen bei edlem Ambiente, feinstem Essen und guten Tropfen, sich dadurch nicht packen lassen, nicht durch die Show, die großartig wird, mit mir als Superstar, mit wem auch sonst, bevor das alles nicht mehr zieht und womöglich noch hässliche Fragen kommen, undankbares Pack, bevor die Party kippt, noch ehe sie beginnt, geht es endlich los, sorry, da muss ich grinsen, ich freu mich so – Showtime, Knall und Fall, wieder mal, zur besten Zeit, mit allem Drum und Dran, das Volk wird mich wieder lieben, denn ihr wollt es doch auch, das war schon immer so, ja, euch wird das Lachen noch vergehen, ein paar von euch weinen schon, ja weint nur, ihr armen Irren, ich bin unangreifbar, ich werde siegen, I’m bigger than all of you, oh my god, don’t stop, the show must go on.
Only fiction! What else in this theatre?