Life is a one way ticket

Zugfahren ist immer noch die lässigste Art zu reisen. Ohne etwas tun zu müssen auf einem vorgegebenen Weg durch die Gegend gleiten, mal schneller, mal langsamer, an fremden Orten halten, Menschen kommen und gehen sehen, sie begrüßen, mit ihnen ins Gespräch kommen und wieder von ihnen Abschied nehmen – während Landschaft vorüberzieht und Zeit vergeht. Eine Zugreise ist wie das Leben. Oder doch nicht? Einmal begab es sich, dass mir das Gefühl dieses einen Weges, ja sogar meines Lebens selbst, verloren ging. Ausgerechnet auf einer Zugreise.
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Wenn du gehst

Wie oft wird es mich an diesen Platz ziehen, genau dahin, wo wir gerade sind? Jetzt hältst du mich noch, streichst mit deinem Daumen zärtlich, fast unmerklich über meine Hand im Sand. Obwohl ich den Blick abgewendet habe, spüre ich deinen weiter auf mir ruhen. Das letzte Mal, als ich dich angesehen habe, war die Farbe deiner Augen genau die des Sees, an dem wir gerade sitzen – sie sind eins geworden. Jetzt schaue ich auf das Wasser, versuche mich einzuschwören auf die Zeit ohne dich, mir einzureden, dass die tanzenden Lichtreflexe auf der blau-grünen Oberfläche deine zauberhaften, mal träumenden, mal lustvollen Augen sein werden. Dass die Ufergrashalme, die meine entblößten Waden umschmeicheln, deine zärtlichen Finger seien, die mich heute ein letztes Mal und dann auf diese Weise immer streicheln werden. Dein Haar, das wie ein anmutig wogendes Kornfeld die milden Sonnenstrahlen auffängt, es wird auch dann noch nach Sommer riechen, wenn du fort bist, wenn nur noch das fruchtbare Hinterland seine feinen Düfte bis hierher schickt, die ich dann wohl unersättlich tief in mich einsaugen werde, so wie jetzt ein letztes Mal den unverwechselbaren, betörenden Geruch deiner Haut. Deine Lippen, die meine noch einmal berühren, ganz behutsam, nichts mehr fordern, sich langsam lösen, den Abschied besiegeln, es werden nur noch meine sein, die den Hauch des Windes spüren, seine sanfte Brise schmecken, als wäre es dein Atem, der sich immer noch mit meinem vereint. Jetzt spüre ich das Gras an meinen Beinen, den Sand auf meiner Hand, den Duft von Heu in meiner Nase, den warmen Sommerwind auf meiner Haut, auf meinen Lippen den letzten Kuss, sehe das Blau des Sees – in meinen Augen verschwimmen. Jetzt bist du weg.

©Martin Bensen

Begegnung

Wieder steht er da, der weiße Hyundai mit der blonden Frau hinter dem Steuer. Wie immer bin ich etwas früher dran, habe mein Auto schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite geparkt. Wie die Abende zuvor schaut sie zu mir rüber, schaue ich sie an, wendet sie sich wieder ab, wende ich mich ab, schaue ich wieder hin, während sie auch schon wieder her schaut. Ist das ein Flirt?
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Abschied

Ihr seid die Unbändigen
Die Hochfliegenden
Die nach Süden reisen

Ihr seid die Unverzagten
Die Ausschwärmenden
Die einfach von hier abhauen

Ihr seid die Unruhigen
Die Getriebenen
Die der Kälte entfliehen

Ihr seid die Untrüglichen
Die Himmelszeichen
Die den Sommer beenden

©Martin Bensen