Das Leben endet beim Discounter

Bleiche Gestalten im Novembergrau
Freudlose Gesichter im Neonlicht
Der fahle Morgen gehört ihnen
Den Nutzlosen und Aussortierten
Manche wollen nur etwas Wärme
Andere kaufen gerade das Nötigste
Was sie zum Leben noch brauchen
Das so trostlos wie die Ladenregale
So unüberlebenswichtig
So sterbenslangweilig ist

©Martin Bensen

Alt werden

Ob ich eine Krankenfahrt gebucht habe, will der Taxifahrer wissen, sieht dann, wie ich zu meinem Auto gehe, dreht sich wieder zum Eingang des Dialysezentrums, das gleich neben dem Supermarkt liegt.

Ich verneine noch blöd, stutze, sehe mich plötzlich mit den Augen des Fahrers, wie ich weißhaariger Mittfünfziger nach vorne gebeugt, weil auf mein ihm verborgenes Handy blickend, mehr schlurfe als gehe.

So hielt er, der deutlich Ältere, mich wohl für älter als ich bin, vielleicht für verwirrt, nicht mehr auf Ballhöhe, für einen seiner üblichen Fahrgäste, meist hochbetagt, hinfällig, auf Hilfe angewiesen.

Alt bist du – du bist alt, mit diesem Mantra fahre ich heim, sehe unterwegs einen kurzatmigen Alten an der Hauswand lehnen, einen spindeldürren Grauschopf humpelnd joggen.

An der roten Ampel sitzt im Auto neben mir ein Fahrer mit lichtem Haar, der mit leerem Blick nach vorne starrt, vielleicht wie ich sinniert, was war, und schließlich lustlos weiterfährt.

©Martin Bensen

Alte Liebe (II)

Im Schatten ist es noch recht kühl. Das Meer ist über Nacht zur Ruhe gekommen, nur im letzten Auslauf wirft es noch kleine Wellen an Land. Obwohl ich Urlaub habe, bin ich früh wach, habe ich mich mit einer Liege und einem Buch an den Strand begeben. So früh am Morgen sind nur Bedienstete der benachbarten Ferienanlage und – ich muss es leider gestehen – ältere Menschen unterwegs, barfüßig am Meer entlang watschelnd, hier und da sich nach irgendeinem Treibgut bückend. Genau besehen sind es ausschließlich Männer, die meisten braun gebrannt und mit imposanten Wölbungen über ihrer Männlichkeit, die an diesem Strandabschnitt zum Glück in mehr oder weniger knapp bemessenen Badehosen verbleibt.

Dann traue ich meinen Augen nicht:
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Alte Liebe

Düsseldorf Hauptbahnhof. Es ist später Nachmittag und der größte Teil der Reise liegt bereits hinter mir. Inzwischen habe ich den Großraumwagen des IC ganz für mich allein, die meisten Reisenden sind in Köln ausgestiegen. Eigentlich hätte es längst weitergehen sollen, aber der Zug steht immer noch. Zum Glück, denn sonst hätte es das ältere Paar nicht mehr geschafft – und ich hätte diese Geschichte nicht zu erzählen. Eine wahre Geschichte.
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