Wahre Stärke

Mit überkreuzten Händen greift er sein rotes Polohemd unten am Saum und zieht es mit einer eleganten Bewegung über den Kopf aus. Ein Traum von einem Mann steht da, ein paar Meter von meiner Liege entfernt. Sein Oberkörper hatte schon unter dem Shirt einiges versprochen, doch erst jetzt entfaltet sich seine ganze Pracht, gleichmäßig gebräunt glänzt er in der Sonne. Keine Frage, dieser Mann ist der unbestrittene Blickfang auf dem Pooldeck unseres Kreuzfahrtschiffes.
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Von der Wolke, die eine Sonne sein wollte

Immer weniger feine Tröpfchen kamen vom Meer zu ihr hoch. Dafür war der Wind gnädig, trieb die kleine Wolke nicht mehr weiter auf die großen Geschwister zu, die im Osten träge umeinander schwebten, sich zur Abendbewölkung formierten. Im Westen ließ die Kraft der Sonne nach.

Ein Strahl fiel jetzt auf die kleine Wolke, ließ sie golden aufleuchten. „He, Schwesterchen, du siehst ja fein aus.“, kam es vielstimmig aus dem grauen Wolkenhaufen. „Willst wohl was Besseres sein? Auch wenn du gerade so scheinst, du wirst niemals eine Sonne sein!“ Das Gelächter störte die kleine Wolke nicht, sie fühlte sich leicht und schön. Ob die Menschen dort unten sie jetzt wohl sahen? Vielleicht waren sie ja überrascht von der zweiten Sonne am Himmel. Und womöglich machte jetzt jemand ein Foto von ihr – hielt ihren schönsten Moment für die Ewigkeit fest.

Das Gelächter war verstummt, drüben gab die Sonne noch einmal alles, wechselte von Gold ins Rötliche. Die kleine Wolke glühte jetzt wie Feuer. Lustvoll spreizte sie ihre Bläschen nach außen, voller Übermut plusterte sie sich zu einem Ball auf. Die Sonne grinste. Und dann geschah das Unvermeidliche: Die rotglühende Kugel explodierte – nach allen Seiten hin stoben die Wassertröpfchen auseinander, um im nächsten Moment als feiner, glitzernder Regen zurück ins Meer zu rieseln. Die Sonne aber zeigte ihr schönstes Lächeln, zwinkerte den Abendwolken freundlich zu und verneigte sich vor der Nacht.

Martinique, Januar 2018

©Martin Bensen

In my life

„All these places have their moments
With lovers and friends
I still can recall
Some are dead and some are living
In my life
I’ve loved them all“

(Lennon/McCartney, 1965)

An jenem Tisch dort saßen wir
Hielten für einen Glücksmoment
Den Zauber des Augenblicks
Fest

Als gerade dort an diesem Platz
Sich dein Blick in meinen senkte
Ich ohne Halt in deine Augen
Fiel

Auch wenn dieser Tisch noch steht
Lebt von unserem Augenblick
Kaum mehr als ein Lidschlag
Fort

©Martin Bensen