Fliederlied

Im Blütenmeer will ich baden
Dabei am Flieder emporschauen
Weißer Riese vor klarem Blau
Ein Plüschmors labt sich süß
Alleinbeteiligt, kleiner Brummgesell
Irgendwie auch ein Rabauke
Ein Flower Power People Pleaser
Und dann der Gedanke
Befruchtung heißt Vergängnis
Blüten verwehen, Früchte kommen
Das Geplänkel der Jahreszeiten
Dieser ganze Kladderadatsch
Kuddelmuddel Hummeldummel
So singe ich mein Fliederlied
Gegen die Naturvergessenheit

©Martin Bensen

Eine lustige Übung im sehr ersprießlichen Schreibseminar unter der Leitung von Kea Schwarzfeld im Bildungshaus Zeppelin & Steinberg in Goslar. Aus der von den Teilnehmenden bestückten Wörterkiste binnen 15 Minuten einen Text schreiben. Ich habe mich für ein Gedicht entschieden (verwendete Wörter kursiv).

Honigbrust (Frühling)

Es fiel der Kirsche über Nacht
Bei sternenkaltem Himmel ein
Ob sie wohl früher als gedacht
Sich schmücken kann ganz fein

So treibt sie nach dem Morgenrot
Aus allen Knospen Blütenweiß
Und strahlt mit ihrem Aufgebot
Dem Frühlingsanfang zum Geheiß

Verzieh dich endlich graue Zeit
Sieh doch wie der Duft die Lust
Die Geilheit aus dem Eis befreit
Das Schwärmen um die Honigbrust

©Martin Bensen

Zur Unzeit

Armer Frühlingsvogel
Du kommst zu früh
Nicht weil es noch kalt
Noch wenig gastlich ist
Nicht weil Blüten zwar
Doch Grün nicht sprießt

Armer Frühlingsvogel
Du kommst zu früh
Weil wir andere Sorgen
Haben als dich und ob
Von dir genügend seien
Ob du singst oder nicht

©Martin Bensen

Frühling

Merkst du wie dein Herz sich öffnet wenn
Deine Füße durch saftige Wiesen schmatzen
Deine Augen gierig alle Farben verschlingen
Deine Nase bebend Frühling saugt

Spürst du was in dir passiert wenn
Pflanzen lustvoll ihre Knospen öffnen
In alle Wesen kraftvoll Saft einschießt
Die Welt wie von Sinnen sinnlich wird

©Martin Bensen

Mai-Frau im Juni

Als wir endlich zueinander fanden
Zuckten Blitze grell vom Himmel
Setzten dein rotes Haar in Flammen
Entzündeten unsere Lippen im Kuss

Als wir uns gänzlich einander hingaben
Unsere Körper ineinander verschlungen
Rollten Donnerschläge um uns herum
Prasselte Regen schwer auf unser Dach

Als ich dich später immer noch spürte
Süßer Sommerhauch auf heißer Haut
Fuhr ich allein über dampfende Straßen
Liebestrunken in einen blauen Morgen

Ein neues Leben

17. Juni 1980

©Martin Bensen