Schlaf noch schön

Dreh dich ruhig um und schlaf noch schön

Auch morgen geht die Sonne auf
Dreht sich die Welt in ihrem Lauf
Weckt der Wind verträumte Seen
Liebkosen Bienen Orchideen

Auch morgen gehen Lichter aus
Erdulden müde Pendler Staus
Und später von Computertischen
Gehen Brunnenvergifter Menschen fischen

Auch morgen ist auf diese Welt Verlass
Schürt der Wind des Wechsels großen Hass
Wünscht die Mehrheit sich es wäre bald
Erwacht die jetzt noch schläfrige Gewalt

Dreh dich ruhig um und schlaf noch schön

©Martin Bensen

Die Frau am Meer

Eigentlich hatte ich genug von Sand, Strand und Sonne. Die Ostsee war Anfang Juni noch zu kalt zum Baden. Morgen würde ich in aller Frühe abreisen. Mein Kurzurlaub, vier Nächte in einem Waldschlösschen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, er war mir nun doch ausreichend lang erschienen. Drei Tage war ich stramm auf Deichen und durch Wälder geradelt, hatte mich hier und da an den Strand begeben, das Meeresrauschen und den warmen Westwind genossen, war jeden Abend treuer Gast im freundlichen Schlösschen und nach einem Zwei-Gänge-Menü und drei großen Störtebekern vom Fass alsbald auf meinem Zimmer und wenig später im Reich der Träume.
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Sei schön

Die Frau mit dem sinnlichen Mund
Sie weiß darum
Aber sie ist ganz offensichtlich
Nicht stolz darauf
Hat ihre großen vollen Lippen
Wohl immer gehasst
Warum sonst zieht sie diese Grimassen?
Ihre Mimik ist ständig in Arbeit
Kommt nie zum Stillstand
Denn der mündet womöglich
In einen magischen Moment
Den es offenbar zu verhindern gilt
Weil vielleicht schon mal ein Betrachter
Ein fremder Gesprächspartner
Ihren Ausdruck missverstand
Wenn sie spricht
Küssen ihre Lippen die Luft
Wenn sie schweigt
Schließt sie ihren Mund wie in Panik
Presst die Lippen aufeinander
Lässt sie wieder locker
Beobachtet wachsam ihre Umgebung
Weicht aber jedem Blick aus
Dann schaut sie nach unten
Zieht die Mundwinkel hoch
Macht so kokett ein Duckface
Weiß sie das nicht?
Als sich ein Spatz vor ihr niederlässt
Muss sie lachen
Da löst sich ihre Spannung
Und sie ist für einen magischen Moment
Ohne Absicht ganz sie selbst
Bleib so
Schöne Frau
Möchte ich ihr zurufen
Sei mutig
Sei schön!

©Martin Bensen

Männer und Frauen

Männer thronen am Tisch, sondieren ihr Umfeld, bestellen erst einmal ein Bier, lehnen sich herrschaftlich zurück und fühlen sich pudelwohl.

Frauen sitzen daneben, blicken skeptisch um sich, bestellen erst einmal gar nichts, verschränken missmutig die Arme und wären lieber woanders.

Männer und Frauen um die Sechzig auf Radtour im Flachland, unterwegs führen später die Frauen, müssen die Männer Schwein und Bier verdauen.

©Martin Bensen

Kuss und Schluss

Ein Junge sitzt dort auf der Mauer
Lässt seine Beine lässig baumeln
Dazwischen steht ein keckes Mädchen
Zerrt seinen Kopf wild zu sich ran

Sie küsst ihn stürmisch hält ihn fest
Bedeckt Gesicht und Haar mit Küssen
Da verliebt sich dieser stolze Junge
In ihre herzhaft-süße Zärtlichkeit

Sie hält ihn noch ein Weilchen fest
Doch irgendwann erlahmt ihr Schwung
Und ehe er es recht begreift
Reißt sie sich los und ist davon

©Martin Bensen

Den langen Weg

Life is all we have to share
You know we must take care
Lovers in the wind
(…)
Love is all I have to give
It’s all I need to live
Lovers in the wind

Aus: „Lovers in the wind“ von Roger Hodgson

Du
Du lebst
Du lebst ganz glücklich so
Du bist schon gern mit dir
Du würdest aber lieber
Dein Leben teilen

Du
Du sehnst
Du sehnst Dich nach Liebe
Du hast viel Herz in Dir
Du würdest es vielleicht
Dem einen öffnen

Du
Du denkst
Du denkst du kannst nicht
Du weißt es nur noch nicht
Du nimmst eben einfach
Den langen Weg

(Zahlenmagie? Zündfolge des V-Motors, Sechszylinder: 1-2-5-6-4-3 – aus: Wikipedia)

©Martin Bensen

Ungewitter

Und wieder hüllst du meine Welt
In dein giftig grünes Dämmerlicht
Lässt hier und da ein Harmlosblau
Du verschlagen lauernde Gewalt

Und schon stichst du messerscharf
Blitzschnell aus dem Grau hervor
Lässt es krachen brennen sterben
Unbändig mit Triumphgebrüll

Und während du noch rauschhaft
Knurrend bald von dannen ziehst
Von Zerstörung, Leid und Tränen
Atmen die Verschonten heilfroh auf

©Martin Bensen