Alle Farben in Masuren

Als Kind war Polen für mich grau
Schwarz wie Kohle, Pech und Ruß
Pommerland war abgebrannt
Im Lied klang es wie Bombenland

Schwarz sind nur Gewitterwolken
Von Russland auf Masuren zu
Bunt sind schon die Plattenbauten
Viel bunter noch ist die Natur

Bernsteinbraune, -gelbe Felder
Saftiggrüne Wälder, Wiesen
Weiß und rot betupft, blaue Seen
Himmel! Alle Farben auf dem Grab

©Martin Bensen

Schützenfest

Durch den friedvollen frühen Morgen
Zieht ein Trupp aus der Vergangenheit
Defiliert mit Pauken und Trompeten
Vor müden katergrauen Untertanen

Ein neuer Schützenkönig muss erstehn
Doch ehe Kugeln aus der Flinte hoch
Fliegen Feuerzungen vom Firmament
Dass beseelter geht das Vogelschießen

Horrido Gut Schuss Alle ins Kill
Zigarren-, Bier- und Grasgeruch
Jubel auf des letzten Fetzen Fall
Wir haben einen neuen …

©Martin Bensen

Sonntagsluft

Erinnerst du dich an diese Luft
Die nur sonntags am Morgen
So frisch ins Zimmer zog
Durch jede Ritze der Jalousien

Anders als an andern Tagen
Wenn sie mit Rauch aus Koks
Aus Schwefel, Öl und Sprit
Selbst ein schwerer Vorhang war

Auch am Sonntag mischte sich bald
Dunst von Weihrauch derb hinein
Von Pomade, Bier und Zigaretten
Dann der Duft von Sonntagsbraten

©Martin Bensen

Erwachen

Der Gedanke vor dem kurzen Schlaf
In was für einer Welt erwachen wir?
In was für einen Tag fällt die Nacht?
Kommt noch ein Tag – welche Welt?

Der Gedanke nach dem wirren Traum
Nichts ist von selbst was so gewohnt
Frühling erwacht inmitten von Tod
Die frühen Vögel künden – von was?

©Martin Bensen

Abendspaziergang

Im letzten Licht des Februartages
Tiriliert es noch in kahlen Bäumen
Bis sich Winterkälte wieder senkt
Sich alles duckt vor der Dunkelheit

Im Tal ein Lichtern der Heimkehr
Ein stetes Rauschen gegen Berge
Fenster spiegeln blaue Stunde
Glaspastell verbrennt im Licht

Friedlich leuchtet es aus Häusern
Fassaden wahren schönen Schein
Bald ruht die Welt im Kleinen
Im Großen ist sie immer wach

©Martin Bensen

Laken

Weiße Laken wehen im Wind
Wolkenfahnen, Himmelsblau
Das Fenster hat drei Ecken
Das Dach ist spitz vom Hospiz

Sein Laken bauscht sich nicht
Noch liegt er schwer darauf
Doch als die Nacht sich senkt
Weht sein Laken mit ihm fort

©Martin Bensen