Der Duft nach Heu ist süß
Ein süßer Duft nach Sommer
Ein Duft nach süßen Zeiten
Auf Wiesen voller Leben
Der Duft nach Heu ist bitter
Ein bitterer Duft nach Verderben
Ein Duft nach bitteren Zeiten
Auf Feldern des Todes
©Martin Bensen
Snippets
Lyrik, Gedichte
Nichtmeinland
Nichtmeinland, du mürrisches
Wieder murrst du statt zu helfen
Aus dem Murr wächst die Wut
Nichtmeinland, du schändliches
Wieder lügst du statt zu klären
Aus der Lüge wächst der Hass
Nichtmeinland, du hässliches
Wieder hasst du statt zu denken
Aus dem Hass wächst nichts
Als Vernichtung
©Martin Bensen
Der frühe Wald
Der frühe Wald ist mein Freund
Er badet mich in frischem Grün
Umduftet mich, ein Allumblüh’n
So süß, so sanft, als ob ich träumt
Der frühe Wald, ein besserer Ort
Vertreibt das schale, düstere Sein
Wenig braucht’s, mich zu befrei’n
Leicht wie ein Falter flieg ich fort
Red fat
Die mit den roten Köpfen
Trinken Sekt, Bier, Wein
Essen Wurst und Fritten
Das macht den Braten
Auch nicht mehr fett
Den Braten nicht
Morgens nach dem Cannstatter Frühlingsfest im Zug nach Norden …
Wandel (Harz)
Ein Hohlweg von jungem Grün
Weiter bergan ein kahlerer Wald
Stämme schwarz von Nässe
Verkohlte Äste, Rußgerippe
Es hat gebrannt am Steinberg
Doch nicht alles starb im Sommer
Nebel verhüllt, was wieder lebt
Zaghaft zart aus Dunkelholz
Kaum Blätter, sammeln sie schon
Aus tiefen Wolken Regentropfen
Zu düster ist mir nun der Wald
Der Rückweg eine bange Flucht
Unten endlich Lichter, Abendstille
Hier reicht der Blick noch weit genug
Hinüber zu rasierten Hängen
Ein anderer Tod, ein anderer Harz
Und wieder der Wald anderntags
Sonne auf Haut, kaum versöhnlich
Wirst du jemals wieder, der du warst
Niemals, sagt der Wald, und du?
Sagt, was ist
Ob ich schnell
Ich liebe dich
Oder langsam
Ich liebe dich
Oder
Ich liebe dich
Oder
Ich liebe dich
Oder
Ich liebe dich
Ob ich leise
Ich liebe dich
Oder laut
Ich liebe dich
Sage, ist egal
Ich liebe dich
Sagt, was ist:
Ich liebe dich
Für dich, meine Liebe
Auf ewig
24. April 2026
Fliederlied
Im Blütenmeer will ich baden
Dabei am Flieder emporschauen
Weißer Riese vor klarem Blau
Ein Plüschmors labt sich süß
Alleinbeteiligt, kleiner Brummgesell
Irgendwie auch ein Rabauke
Ein Flower Power People Pleaser
Und dann der Gedanke
Befruchtung heißt Vergängnis
Blüten verwehen, Früchte kommen
Das Geplänkel der Jahreszeiten
Dieser ganze Kladderadatsch
Kuddelmuddel Hummeldummel
So singe ich mein Fliederlied
Gegen die Naturvergessenheit
Eine lustige Übung im sehr ersprießlichen Schreibseminar unter der Leitung von Kea Schwarzfeld im Bildungshaus Zeppelin & Steinberg in Goslar. Aus der von den Teilnehmenden bestückten Wörterkiste binnen 15 Minuten einen Text schreiben. Ich habe mich für ein Gedicht entschieden (verwendete Wörter kursiv).
Deine Spuren in uns
Aus der Vergängnis, dem Frostgefängnis
Bricht es wieder aus: neues, buntes Leben
Alle Farben dieser Welt, endlich helles Licht
Als wärs ein Bild von dir, mein Bruder
Und wenn der Wind durch Blattgrün rauscht
In mein Haar, so grau wie deins, mich tröstet
Der Gedanke, es hat dich bloß hinausgeweht
Luftig leicht, in eine andere, bunte Welt
Niemand hält den Wind, das Leben fest
Doch überall sind seine Spuren – deine!
So viele Bilder und Worte, die bleiben
Wie die Liebe – deine Spuren in uns
Für meinen Bruder Reiner (8.7.1963 – 2.4.2026)
Traum
Das Personal in meinen Träumen
Ist unfreundlich, nicht menschlich
Kein Wunder, es sind Träume
Sagst du dort, wo du sonst nie bist
Nicht bist wie du – nicht du bist
Wie all das geträumte Personal
Unfassbar, unnahbar, unwirklich
Anders als in jeder Erzählung
Vielleicht, weil jeder Traum
Auch den Träumenden erzählt
Schon Gedanke, stößt er mich
In die wache Welt
Herbstlaub
Ein Stückchen
Beim Altenheim kommt der Herbst früher.
»Das ist die Natur«, sagt der Gärtner. »Die jungen Bäume kriegen ihr Laub schneller, dafür verfärbt es sich früher wie bei den alten.«
»Als! Hm, aber ja«, sagt der Passant. »Sehr früh, würde ich sagen. Der September ist ja kaum rum. Zum Glück ist das bei uns Menschen anders.« Er deutet auf seine blonde Fönfrisur und auf das schüttere graue Haar des Gärtners.
Weiterlesen
Winziger Tod
Regen rauscht ein fernes Grummeln
Aus der nassen Sommernacht hat sich
Ein winziges Insekt ins Licht verirrt
Es setzt sich auf das R von Richter
Mein aufgeschlagenes Buch Seite 149
Kindeswohl von Ian McEwan
Ich wische sanft und doch zu fest
Hätte ich doch nur gepustet
So stirbt es, das kleine Insekt
Zerrieben auf dem R von Richter
Ich schließe das Buch, die Todesseite
Sterben ist immer absolut
An der Förde
An der Förde liegen Leichen
Einfach so am Strand herum
Wie sie starren und verbleichen
Wie sie vergehen, still und stumm
Da hilft kein Klagen und kein Klammern
An der Förde weht ein anderer Wind
Lass man gut sein und nicht jammern
An der Förde weht ein anderer Wind
An der Förde brechen Bäume
Aus dem Wald ins Bodenlose
Dem Hang entrutschte Träume
Ausgelaugte Ahnungslose
An der Förde thront der Wald
Über seinem bleichen Abgesang
Ein Raunen im Wind, warte nur bald
Ragt das, was noch krallt, ins Nichts
(Musikalische Umsetzung in der Art eines Schunkel-Seemannsliedes …)