Schritte

Der Herbst schleicht sich schon heran.
Quatsch, wo denn? Es ist erst Anfang Juli.
Ich rieche ihn. Die Blätter werden braun.
Das ist die Trockenheit, du Pessimist.
Umso schlimmer, da hat der Herbst leichtes Spiel.
Jetzt aber. Du willst in allem nur das Schlechte sehen.
Nicht ganz zu Unrecht, oder? Gibt es denn irgendetwas …
Positives? Jede Menge. Genieß doch einfach.
Tu ich doch. Aber ich sorge mich auch.
Dann genießt du nicht richtig.
Und du bis zu arglos.
Na und? Lebt sich besser so.
Wenn du meinst.
Meine ich. Den Moment nehmen und dann immer Schritt für Schritt.
Ich mache aber andere Schritte als du, größere!
Nicht in der Zeit, da gehen wir alle gleich schnell.
Aber ich empfinde es nicht so.
Schau, während wir so reden, sind wir weitergegangen. Und ich habe mein Eis genossen.
Schön für dich.
Und dein Bier?

Ist warm geworden.
Siehste.

©Martin Bensen

Brief

Meine Liebe,
Briefe sind keine Zeitkapseln
Sie retten nicht Vergangenes
Nur weil sie selbst überdauern
Wofür dann noch, für wen?
Manch ein Wort verblasst
Wie Papier einmal zerfällt
Manche stechen noch hervor
Doch nicht mehr ins Herz
Das Umweltpapier hält stand
Nur nicht die Tinte darauf
Das haben wir nicht gewusst
Geheimschrift des Vergessens
Verschwunden wie Gefühl
Nicht Liebe ist es noch
Als wenig wehe Wehmut
Nicht dein Geruch, dein Bild
Nur die Erinnerung daran
Leere folgt aus Großem
Das meine Seele einst erfüllte
Mehr als Worte sagen konnten
Jetzt bleiben nur die Worte
Leere Hüllen ohne Sinn
Am Anfang war kein Wort

Es bleibt auch nicht am Ende

In Liebe

Zeitlos

Mensch du bist getaktet
Das Ticken deiner Uhr
Zerhackt dir deine Zeit
Jetzt und jetzt und jetzt

Meer du kommst in Wellen
Nach ewigem Naturgesetz
Rhythmisch aber ohne Takt
Lässt du mich zeitlos sein

©Martin Bensen

Timeout

Warum kann ich ihn nicht festhalten
Diesen Moment in dem ich alles weiß
In dem mein Geist die Welt umreißt
Wenn ich mitten in meinem Alltag
Aus der Zeit
Falle

Fasse
Ich dann zu
Verliere ich den magischen Moment
An einen schalen Hauch von Leere
Die mein Alltag restlos wieder füllt
Mit Trägheit und Vergessenheit

©Martin Bensen

Schwindzeit

Viel zu spät hatte er erkannt, was mit ihm passierte. Doch selbst wenn er früher Gewissheit gehabt hätte, so wäre er doch nicht imstande gewesen, die Entwicklung aufzuhalten. Die Zeit half ihm nicht, denn die Schwindzeit war schneller. Aber warum passierte das ausgerechnet ihm? Einem, den die Menschheit nicht brauchte…
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In my life

„All these places have their moments
With lovers and friends
I still can recall
Some are dead and some are living
In my life
I’ve loved them all“

(Lennon/McCartney, 1965)

An jenem Tisch dort saßen wir
Hielten für einen Glücksmoment
Den Zauber des Augenblicks
Fest

Als gerade dort an diesem Platz
Sich dein Blick in meinen senkte
Ich ohne Halt in deine Augen
Fiel

Auch wenn dieser Tisch noch steht
Lebt von unserem Augenblick
Kaum mehr als ein Lidschlag
Fort

©Martin Bensen

Alleinzeit

Mit der Zeit
Wird aus der Zeit
Die Du allein sein willst
Nicht nur eine Zeit des Alleinseins
Sondern schleichend eine Zeit der Einsamkeit
So lässt die einmal gewollte Alleinzeit
Allein Dich und Deine Zeit
Schließlich allein Zeit
Dir Übrig

©Martin Bensen, 14. Juni 2017 / Dießen, Ammersee