Draußen aus dem Schatten
Der vom Raum erhellten Tür
Löst sich wie ein Schemen
Die schwarz verhüllte Frau
Schon halb im Licht
Noch halb im Dunkeln
Zieht aus letztem Glimmen
Der Rauch erst weiß
Zum Schein hin schwarz
Ihm folgt die Nachtgestalt
Wie der Schatten ihrer selbst
Löst sich drinnen auf im Licht
Frau
Loreley
Hallo du Schöne
Sitzt du draußen
Vor der Cocktailbar
Wo Männer dich
In ihren Autos
Umkurven wie jene
Einst auf Schiffen
Nur schön sein
Musst du dort
Und sie locken
Nicht ins Verderben
Nur zur Bar
©Martin Bensen
Die rückwärtige Frau
Rückwärtig
Sitzt sie stolz
Weg von Leuten
Weiß sie wohl
Dass alle Blicke
Auf ihr ruhen
Sie sind ihr
Gegenwärtig
Widerhall
Er musste sich zwingen wegzusehen, doch er konnte seinen Blick einfach nicht von ihr wenden. Sie sah ihr so ähnlich, jener Frau, die er sich immer erträumt hatte, die er geträumt hatte, fast war es, als würde ein Traum wahr, mehr noch: als hätte er diese Frau selbst erschaffen. Nur, warum erwiderte sie seine Blicke nicht, spürte sie denn nicht dieses Band zwischen ihnen – ein Band, das vielleicht schon immer da war? Weiterlesen
Ein neues Leben
Eine Wiener Geschichte
Die graue Wolkendecke war aufgerissen und so plötzlich wie der Regen herausgeprasselt war, stachen jetzt die Strahlen der Sonne hindurch, tauchten die frisch gewaschenen Straßen und Gebäude in gleißendes Licht. Glitzernde Tropfen bedeckten wie Millionen Brillianten Pflanzen, Autos und Fassaden. Gerade in solchen Momenten liebte ich mein Wien. Schnell zahlte ich die Rechnung und verließ das Café, in das ich mich kurzerhand geflüchtet hatte. Ich saugte den regenfeuchten Duft tief ein, schnupperte dem auslaufenden Sommer hinterher und augenblicklich überwältigten mich Glücksgefühle. Wie schön das Leben doch war. Aber war es das wirklich? Weiterlesen
Die Frau am Meer
Eigentlich hatte ich genug von Sand, Strand und Sonne. Die Ostsee war Anfang Juni noch zu kalt zum Baden. Morgen würde ich in aller Frühe abreisen. Mein Kurzurlaub, vier Nächte in einem Waldschlösschen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, er war mir nun doch ausreichend lang erschienen. Drei Tage war ich stramm auf Deichen und durch Wälder geradelt, hatte mich hier und da an den Strand begeben, das Meeresrauschen und den warmen Westwind genossen, war jeden Abend treuer Gast im freundlichen Schlösschen und nach einem Zwei-Gänge-Menü und drei großen Störtebekern vom Fass alsbald auf meinem Zimmer und wenig später im Reich der Träume.
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Sei schön
Die Frau mit dem sinnlichen Mund
Sie weiß darum
Aber sie ist ganz offensichtlich
Nicht stolz darauf
Hat ihre großen vollen Lippen
Wohl immer gehasst
Warum sonst zieht sie diese Grimassen?
Ihre Mimik ist ständig in Arbeit
Kommt nie zum Stillstand
Denn der mündet womöglich
In einen magischen Moment
Den es offenbar zu verhindern gilt
Weil vielleicht schon mal ein Betrachter
Ein fremder Gesprächspartner
Ihren Ausdruck missverstand
Wenn sie spricht
Küssen ihre Lippen die Luft
Wenn sie schweigt
Schließt sie ihren Mund wie in Panik
Presst die Lippen aufeinander
Lässt sie wieder locker
Beobachtet wachsam ihre Umgebung
Weicht aber jedem Blick aus
Dann schaut sie nach unten
Zieht die Mundwinkel hoch
Macht so kokett ein Duckface
Weiß sie das nicht?
Als sich ein Spatz vor ihr niederlässt
Muss sie lachen
Da löst sich ihre Spannung
Und sie ist für einen magischen Moment
Ohne Absicht ganz sie selbst
Bleib so
Schöne Frau
Möchte ich ihr zurufen
Sei mutig
Sei schön!