Hätte ich nicht dieses Licht
In das ich diese Zeilen
Wie filigrane Schatten
Wie Fliegenbeinchen setze
Es wäre dunkel um mich
Würde ich nicht diese Worte
Auf den Tasten tippen
Sie mal vorwärts treiben
Mal mutlos wieder löschen
Es wäre still um mich
Wäre ich nur endlich ruhig
So hörte ich die Grillen zirpen
Und sähe in der Ferne Licht
Spürte wie die Welt zur Nacht
Wie ich sich schlafen legt
©Martin Bensen
Monat: Juli 2019
Schwindzeit
Viel zu spät hatte er erkannt, was mit ihm passierte. Doch selbst wenn er früher Gewissheit gehabt hätte, so wäre er doch nicht imstande gewesen, die Entwicklung aufzuhalten. Die Zeit half ihm nicht, denn die Schwindzeit war schneller. Aber warum passierte das ausgerechnet ihm? Einem, den die Menschheit nicht brauchte…
Weiterlesen
Party-Aal
Nein kein Partylöwe
Bist du
Ein leiser Gast
Bist du
Ein feiner Mensch
Bist du
Auf jedem Fest
Bist du
Stets im Hintergrund
Bist du
Ein stiller Zuhörer
Bist du
Ein Vertrauter
Bist du
Ein lieber Gast
Bist du
Ein wahrer Party-Aal
©Martin Bensen
Welten
Es stimmt schon
Wir sind alle
Miteinander
In dieser
Einen Welt
Unterwegs
Es stimmt auch
Wir sind jeder
Für uns
In unserer
Eigenen Welt
Unterwegs
©Martin Bensen
Traumgesichte (IV): Fliege
Als Giselher Brumma eines Abends in unruhigen Schlaf fiel, fand er sich im Traum zu einer abscheulichen Fliege verwandelt. Dergestalt erhob er sich aus schweißnassen Laken, schwebte leicht empor und sah sein Zimmer wie eine neue Welt aus Licht und Farben. Da drüben war es hell, er flog dorthin, spürte wohlige Wärme. Noch vor wenigen Minuten hätte er es besser gewusst, jetzt ließ ihn sein Instinkt ganz nah an das Licht fliegen. Er landete auf dem oberen Rand der Lampe. Hier war es angenehm. Warme Luft stieg auf von dort unten, wo es noch heller war, noch schöner schien. Also lugte er vorsichtig über den Rand, spürte die verlockende Intensität von Licht und Wärme. Es kribbelte wohlig in den Beinchen, die Flügelchen summten vor Lust, so stieß er sich ab, schwebte kurz in der Luft und ließ sich nach unten sacken. Uuh, jetzt wurde es aber heiß. Viel zu heiß! Er wollte wieder hoch, doch es war zu spät, die Flügel reagierten nicht mehr, wie er wollte. So plumpste er unversehens hinein, schrammte an dem gleißenden, heißen Licht vorbei und landete weich auf einem riesigen Haufen vertrockeneter Insektenkadaver. Verzweifelt brummten seine Flügel, hektisch versuchte er nach oben zu gelangen, rasselte hier gegen Glas und dort gegen Glut. Es gab kein Zurück mehr. Kraftlos sank er wieder auf den Chitinhaufen längst verendeter Leidensgenossen. Seine Flügel waren geschmolzen, nichts brummte mehr, er war gefangen. Die Hitze wurde ihm jetzt unerträglich. Mit letzter Kraft stieg er über die Gerippe, durstig, fiebernd, gelangte an das Glas, versuchte daran hochzukrabbeln, doch es war zu heiß, seine Füßchen verbrannten, er fiel hinunter, lag jetzt auf dem Rücken, weich gebettet auf den Leichenhüllen, sah ein letztes Mal zum Licht und wurde eins mit den Toten.
Giselher Brumma wachte nicht mehr auf. Man fand ihn Tage später völlig ausgetrocknet und mit Brandmalen an Rücken, Füßen und Händen im Bett. Sein starrer Blick war auf die Hängelampe über seinem Nachttisch gerichtet, deren Licht noch brannte. Im unteren Teil der tropfenförmigen Glashülle hatten sich Insektenreste aus mindestens zehn Jahren angesammelt.
©Martin Bensen
Loreley
Hallo du Schöne
Sitzt du draußen
Vor der Cocktailbar
Wo Männer dich
In ihren Autos
Umkurven wie jene
Einst auf Schiffen
Nur schön sein
Musst du dort
Und sie locken
Nicht ins Verderben
Nur zur Bar
©Martin Bensen
Feedback
Um es gleich zu sagen:
Du warst richtig gut!
Richtig, richtig gut.
Gut, vielleicht nicht…
Okay, das jetzt nicht…
Jetzt, wo du es sagst…
Findest du das auch?
Stimmt, das hätte man…
Man hätte es besser…
Besser anders, genau…
Genau besehen nein…
Nein, das ist nicht gut…
Naja, aber schlecht…
Ach, das war falsch?
Ja, das ist scheiße!
Aha, na dann…
Mach du’s auch gut.
©Martin Bensen
Man sollte nicht die Ohren spitzen, wenn jemand telefoniert. Aber komisch war das Gehörte schon. Hab es zugegebenermaßen zugespitzt…