Beim Chinesen lasse ich mir Stäbchen geben. Ich möchte, wenn ich Fernöstliches esse, es eben auch auf fernöstliche Art essen. Ich finde, es schmeckt besser. Ich bevorzuge Stäbchen aus Holz. Die aus Kunststoff sind mir zu steril, zu nah an Plastikbesteck. Auch wenn solche Stäbchen hygienischer sein mögen und wiederverwendet werden. Weiterlesen
Autor: seitenreiterblog
Im Café
Dort sitzen sie sich gegenüber
Die eine redet viel mit Gesten
Auf die mit großen Augen ein
Es scheint Gewichtiges zu sein
Ein Monolog ist es wohl mehr
In dem die vielen Worte nicht
Um Verständnis buhlen müssen
Es scheint was Fesselndes zu sein
Niemand kann die Beiden stören
Selbst jener Ohrenzeuge nicht
Der herzhaft drüber lachen muss
Dass es um einen Stellplatz geht
Andockmanöver
Gut, dass er drüben nicht wohnen muss. Dieser Verhau von einem Balkon! Als wäre er eine Müllhalde. Nur leider muss er täglich draufgucken, kommt kaum daran vorbei, weil die Häuser so dicht stehen, gerade mal eine schmale Schneise lassen für einen seitlichen Blick auf etwas Grün, den alten Baum, der schon im August braun wird. Er gehört zum nahen Park, den er das letzte Mal vor einem Jahr besucht hatte – damals schon kurzatmig und in Begleitung eines Betreuers. Weiterlesen
Beton streicheln
Maschinen ruhen endlich
Muskelkraft ist jetzt gefragt
Männer in Orange und Gelb
Mit Glättekelle Reibebrett
Beton ist frisch gegossen
Da knien sie sich jetzt hin
Wie an einen langen Tisch
Den neuen Fahrbahnrand
Wo sonst nur rohe Kräfte
Geschrei und Baulärm sind
Ziehen Männerhände sanft
Fast zärtlich über den Beton
Traumgesichte (V): Atemwolken
Sie verteilen Pizzaschachteln, tauschen sie ein paarmal hin und her. Ich kriege keine. Ich weiß ja, dass mir Weißmehl nicht gut tut, aber wenigestens fragen hätten sie mich können. Wann haben sie sich abgesprochen? Das sollen Freunde sein? Sind das überhaupt meine Freunde? Ich erkenne ihre Gesichter nicht. Weiterlesen
Kein Herbst
In Haufen welken Laubs
Sein Spiel ins Abendrot
Der erst noch kommen soll
Wenn das Urteil fällt
Er oder sie fällt ein Urteil
Das Urteil selbst fällt nicht
Fällt niemals nur aus sich
Fällt womöglich milde aus
Doch auch das nicht von allein
Und mag es eines zum Tode sein
Ist es mindestens ein Mensch
Der entscheidet und verkündet
Und immer auch ein Henker
Der es dann vollstrecken muss
Willentlich ist der Prozess
Und selbst auf dem Schafott
Fällt wohl nichts von ganz allein
Das Fallbeil etwa ebensowenig
Wie die Falltür unterm Galgen
Influencerin
Die Ampel ist grün
Doch die Frau wartet
Hält ihr Handy hoch
Posiert und strahlt
Lässt es wieder sinken
Wie ihre Mundwinkel
Die Ampel ist rot
Bild um Bild
Jahr um Jahr
Haar um Haar
Falte um Falte
Was bleibt von ihr
Von all den Likes
Den kleinen Leben
Alltagssplitter: Nur einen Tag
Auf einer Literaturseite wische ich den Artikel Satz für Satz nach oben weg. Geübtes Smartphone-Handling, Routine. Der Artikel ist langweilig, fast verlasse ich die Seite, da erscheinen am unteren Bildrand diese drei magischen Worte: „Nur einen Tag…“ Ein Buchtitel? Klingt interessant. Weiterlesen
Un
Es begann mit diesem
Unsagbar unerhörten
Un… Un… Un…
Duft
Der alles was er schuf
Unsäglich unrettbar
Un! Un! Un!
Wieder enden ließ
Am Ziel
Ein letztes Aufbäumen tief in seinem Inneren, ein letzter Funke von Widerwillen, dann ist alles gut. Jetzt wird Frieden sein. Eine gnädige Schläfrigkeit übermannt ihn, lässt ihn endgültig vergessen, dass er unter Drogen steht. Sie stellen seinen Körper ruhig, seit Tagen schon. Oder sind es Wochen? Er hat kein Empfinden mehr für Zeit oder für den Ort, an dem er ist, noch erinnert er sich daran, wie er hierher gekommen ist. Wenn er überhaupt noch einmal erwachte, würde er vielleicht nicht mehr wissen, wer er ist. Weiterlesen
Regen
So sehnsuchtsvoll erhofft
So bald auch schon verflucht
Erst stillt er unseren Durst
Dann weicht er alles auf
Trommelt weiter ohne Rast
Auf Dächer Haut und Nerven
Macht die meisten flügellahm
Doch manchen auch zum Täter