Im Turm

In meinem Turm habe ich eine Rundum-Sicht. Ich blicke vom höchsten Punkt in den Talkessel von Stuttgart, auf die gegenüberliegenden Höhen. Ich stelle mir vor, das da unten sei mein Königreich, die Niederungen des Lebens, über die ich herrsche, ich, der ich eigentlich immer noch nicht glauben kann, in einem solchen Anwesen wohnen zu dürfen – in einer eigenen Burg mit Turm, nur ich allein. Und meine Frau. Meine Frau, die damit hadert … Weiterlesen

Heimlicht

Ist vielleicht ganz gut sagt sie
Das Licht draußen anzulassen
Auch wenn Straßenlaternen
Von vorn bis hinten leuchten

Ist doch diese eine Lampe
An ihrer Hauswand etwas
Wie ein Heimlicht für alle
Die vielleicht umherirren

©Martin Bensen

Fenster

Vor meinem Fenster steht ein Baum
Gelbe Blätter zittern im Wind
Noch nicht bereit loszulassen
Mich in Ruhe zu lassen

Hinter meinem Fenster sitze ich
Kann den Blick nicht lösen
Von diesem Blattgewimmel
Das Blatt Papier ist leer

Gegen mein Fenster weht Schnee
Klebt daran und macht es blind
Meine Gedanken wimmeln
Aber finden nicht hinaus

©Martin Bensen

Kreta

Ode von 1987

Im Sonnen-Glanze liebst du das Meer um dich
Ruhst still im Spiel der Wellen mit Kiesperlen
In Felsenbuchten zwischen Spalten
Sammeln sich Schaumrosen an den Steinen

Wenn dann der Nordwind dir du Verbrennende
Durch Schluchten treibend tief in die Täler dringt
Berührt er Blüten doch an Dornen
Reißend verschlingen ihn lautlos Höhlen

©Martin Bensen

Allein steh ich

Allein steh ich an eurem Grab
Gedenke eurer, unserer Leben
Dessen, was nicht mehr kommt
Wenn überhaupt noch etwas

Es ist als frören wir uns ein
In Agonie und Einsamkeit
Und in stiller Angst erstarrt
Als wär’n wir jetzt schon tot

Doch so überdauern wir nicht
Sterben mehr als dass wir leben
Nur jene Welt liegt mir zu Füßen
Allein steh ich an meinem Grab

©Martin Bensen

Ono-Macht

Ein Kapitel aus meinem neuen Buchprojekt über Jugendjahre in einer westfälischen Kleinstadt – über Freundschaft, erste Liebe, Leidenschaft für Gitarren und Beatles und über das Erwachsenwerden (oder Jungbleiben).

So macht es keinen Spaß. Botte ist nicht bei der Sache, spielt mal ein Stück mit mir und knutscht dann wieder mit Anne rum. Ich hasse diese Nachmittage im Schlossgarten. Wir kriegen das nicht unter einen Hut, auch wenn wir uns beide bemühen. Anne stört. Sie steht zwischen uns und unserer Leidenschaft: die Musik. Aber ohne Anne ist Botte gerade nur ein halber Mensch, das weiß ich, auch wenn er es nicht ausspricht. Weiterlesen