Wenn der Wind
In Blättern rauscht
Mein Haar zerzaust
Wehst Du hindurch
Durch meine Seele
Vielleicht nicht Du
Vielmehr das Bild
Von Dir in mir
Schweres Herz
Sie haben sich alle zurückgezogen. Seit Tagen – oder sind es Wochen? Eine gefühlte Ewigkeit hat der Besitzer des Herzens keinen Gast mehr zu sehen bekommen. Nur noch seine Frau ist an seiner Seite. Oder auch nicht. Sie hat sich verändert. Schleichend. Erst wich sie seinen Küssen aus, dann selbst kleinsten Berührungen, am Ende auch seiner puren Anwesenheit. Er zog es irgendwann vor, in der Lobby zu übernachten. Auf diese Weise ist er eigentlich nur noch im Dienst. Einen Portier hat er ja nicht mehr und auch das restliche Personal hat er irgendwann wegschicken müssen. Es gab ja nichts mehr zu tun. Auch nicht für ihn. Was machte er also hier? Weiterlesen
Erinnerung
Sie kommt meist
Von ganz allein
Nackt und prall
Überfällt sie mich
Wenn ich sie
Gar nicht brauche
Sucht sie mich
Heim mit Gewalt
Dann tobt sie
Zehrt an mir
Lässt mich leer
Und schlaff zurück
Wenn aber ich
Ihr was entlocken
Was entreißen will
Bleibt sie verhüllt
Ausgehen
Als Kind habe ich die Dinge wohl naiver gesehen als schon wenig später und erst recht heute, nach einem halben Jahrhundert. Mein Gott… Immer wenn meine Mutter sich zum Ausgehen „fein machte“, kam es mir so vor, als wäre es ihr im Grunde unangenehm. So wie mir.
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Zwischenreich
Es ist als glitte meine Wirklichkeit
In einen Traum von einem Traum
Wo von Zwischenmenschlichkeit
Nichts mehr bleibt als Zwischenraum
In meiner eben noch vertrauten Welt
Verdünnt sich Zeit zur Zwischenzeit
Was wahr und schön und gut zerfällt
Wie das Licht zu neuer Dunkelheit
Hindernislauf
Was für Zeiten wo
Menschen wirken
Wie Gefahren
Wie Hindernisse
Denen man besser
Aus dem Weg geht
Nur der Mai
Ich muss raus. Raus aus dem Mief. Dem Netz. Aus meinem Netz von klebrigen Gedanken. Raus. An die frische Luft. Auslüften. Dann fahre ich doch ein Stück mit dem Auto, weiter weg von Zuhause. Das Draußen vor der Haustür gehört inzwischen fast zum erweiterten Drinnen.
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Normal-Null
„Es ist wie es ist. Nicht zu ändern. Trotzdem…“ Mein Vater sieht an mir vorbei ins Licht. Die Gardine vor dem festverriegelten Fenster ist beiseite gezogen, doch viel gibt der Blick nicht her: eine belebte Straße, dessen Geräusche aber nur ganz leise zu vernehmen sind, dahinter Bäume mit frischen, aber schon angegrauten Blättern. Ich habe mich mit dem Rücken zum Fenster gesetzt, in den „Ausguck“-Sessel, den ich in Richtung meines Vaters gedreht habe.
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Minne
So fliehe ich vor Menschen
Bleibe achtsam nur bei mir
Doch wo bleibt der Trost
Wenn nicht du wie sonst
Mich kannst berühren
Wenn statt Deiner Hand
Tentakeln nach mir greifen
So singe ich von Minne
Wie einst das hohe Lied
Doch wo bleibt die Liebe
Wenn nicht unsere Lippen
Sich im Kuss vereinen
Wenn sie nur von Ferne
Mit Masken sich verhüllen
So schreibe ich Dir Postings
Winke Dir auf Displays zu
Doch wo ist die Wärme
Wenn wir uns nicht nähern
Noch in die Arme nehmen
Wenn nicht ein süßer Kuss
Vergiftet könnte sein
Ein Lächeln
Manchmal braucht es nicht viel
Kein Wort keine Berührung
Manchmal reicht ein
Lächeln
Leuchtturm
Eine Art Idylle (III)
Mein Leuchtturm ist nicht hoch. Er steht auf einer Klippe über dem Strand, dem einzigen auf meiner einsamen Insel ganz im Norden. Danach ist nur noch Meer. An den meisten Tagen ist nicht auszumachen, wo das Wasser endet und die Luft beginnt, dort am Horizont, der unendlich scheint und doch irgendwo in der Ferne zu Eis erstarrt. Weiterlesen
Zur Unzeit
Armer Frühlingsvogel
Du kommst zu früh
Nicht weil es noch kalt
Noch wenig gastlich ist
Nicht weil Blüten zwar
Doch Grün nicht sprießt
Armer Frühlingsvogel
Du kommst zu früh
Weil wir andere Sorgen
Haben als dich und ob
Von dir genügend seien
Ob du singst oder nicht