Tropfen tropfen nicht nur so
Hier trommeln sie auf Blech
Dort prasseln sie durch Blätter
Zerplatzen auf der Straße
Zerstieben in alle Richtungen
Zerfließen zu langen Strömen
Klatschen weiter dahinein
Peitschen meine nackte Haut
Autor: seitenreiterblog
Schonung
In Reih und Glied
Wie auf dem Feld
Einem Gräberfeld
Stehen sie im Wald
Nicht Steine noch Kreuze
Gleich einem Kerzenheer
Umschirmen diese Stelen
Noch zartes neues Leben
Traumgesichte (VI)
Endlich klappt es mit dem Laden. Lange hat eine Freundin von uns gesucht, gefeilscht und sich mit den Behörden herumgeschlagen. Heute sitzen wir zum ersten Mal in ihrer „Waffles Bakery“. Nein, nicht in dem neuen Lokal, sondern draußen. Es ist eine laue Nacht hier in Manhattan, die Außenbeleuchtung ist noch nicht installiert. Nur eine nackte Glühbirne hängt da, aber New York hat immer genügend Licht für alle. Weiterlesen
Gerüche
Die Werbung hat nicht zu viel versprochen. Ich habe es mir gekauft, den Flakon aufgeschraubt, auf den Zerstäuber gedrückt, den Duft direkt auf die Brust gegeben, wie früher, als meine Haut noch jünger, noch ganz glatt und ohne Behaarung war, appetitlicher, und als mein Schweiß noch anders gerochen hat, strenger vielleicht, nach Testosteron, weshalb ich mir jetzt über die Wirkung nicht sicher sein konnte. Weiterlesen
Letzte Dinge
So passt denn doch
Was im Leben Hab
Und jetzt noch Gut ist
In einen Pappkarton
Für den letzten Umzug
In die Gruft auf Abruf
Oben auf dem Speicher
Steht der Sarg der Dinge
On demand
„Darf ich fragen, ob es noch lange dauert?“ Peer erschrickt selbst über den ungehaltenen Ton in seiner Stimme. Weshalb regt er sich auf? Hat er nicht alle Zeit der Welt?
„Darf ich Sie noch einen Moment um Geduld bitten? Frau von Langenbach hat noch zu tun.“ Die Hausdienerin scheint Übung im Umgang mit Gästen wie ihm zu haben, so kühl und distanziert, wie sie ihn abfertigt. Berufserfahrung, denkt Peer und ist zugleich befremdet davon, dass es diesen Beruf noch gibt, sogar jene Uniform, die er eigentlich nur aus alten Filmen kennt oder vielleicht noch von Kellnerinnen in altmodischen Cafés. Überhaupt kommt ihm die Situation unwirklich vor, aber er hat es so gewollt. Wer kann schon behaupten, je in diesem Haus gewesen zu sein? Weiterlesen
Heine et al.
Was bleibt von all den Büchern
Was mehr als Papier das vergilbt
Wie Haar auf einem alten Kopf
Ein Barthaar in der Totenmaske
Honigbrust (Frühling)
Es fiel der Kirsche über Nacht
Bei sternenkaltem Himmel ein
Ob sie wohl früher als gedacht
Sich schmücken kann ganz fein
So treibt sie nach dem Morgenrot
Aus allen Knospen Blütenweiß
Und strahlt mit ihrem Aufgebot
Dem Frühlingsanfang zum Geheiß
Verzieh dich endlich graue Zeit
Sieh doch wie der Duft die Lust
Die Geilheit aus dem Eis befreit
Das Schwärmen um die Honigbrust
Verlassen
Was ich dir gab gibst du
Zurück wie eine alte Haut
Als wäre nur noch Last
Was uns einst fliegen ließ
Was du mal Liebe nanntest
Ist doch nicht raus aus mir
Prallt jetzt nur ab läuft leer
So wie alles und noch mehr
Wer lädt mich wieder auf
Die Welt die nur mit dir
Die beste aller möglichen
Nun jedoch unmöglich ist
Am Abgrund
Wenn er je einen Freund hatte, dann ihn. Ein Lichtblick unter den grauen Gestalten der Nachtschicht. Dabei war ein Job bei der Post nicht das schlechteste, zumal für einen Studenten wie Gabriel. Zehn Stunden die Woche reichten ihm für sein Budget. Allein sechs davon arbeitete er zwischen Mitternacht und Montagfrüh. Richtig zur Sache ging es nur in der ersten und in der letzten Stunde: erst Pakete in die Rollwägen mit den Postleitzahlen, später im Betriebshof alles in die gelben Transporter. Zwischen Hektik und Hektik lagen fast vier Stunden Leerlauf, die die Männer im kargen, neonhellen und überheizten Pausenraum verbrachten. Zeit, die sich endlos dehnte – bis Daniel auftauchte. Daniel, sein einziger Freund in diesen leeren Nächten. Damals ahnte Gabriel nicht, was mit ihm geschehen, was Daniels Geschenk auslösen würde – Jahrzehnte später, als ihm dieses seltsame Buch wieder in die Hände fiel. Weiterlesen
Eros an Aphrodite
Ich will dich nicht
Lieben wie mich selbst
Ich mag dich nicht
Vertraut in jeder Faser
Du sollst mir fremd
Und ein Geheimnis
Darfst mir Fährnis
Und Verderbnis sein
Sie singt
Aus dem Garten gegenüber
Dringt eine helle Stimme
Lieder die in diesem Moment
In dem die Kleine singt entstehen
Worte aus lauter Augenblicken
Verströmt und bald vergessen
Morgen wird sie wieder singen
Wie ein Vogel im Frühling