Leichter

Auf dem Boden eine Flocke
Etwas vom Müsli denke ich
Als ich mich nach ihr bücke
Weicht sie aus – fliegt davon

Ein winziger Falter flirrt
Mit feinen Flügeln filigran
Hinaus aus meiner Welt
Ob er leichter lebt als ich?

©Martin Bensen

Zeitlos

Mensch du bist getaktet
Das Ticken deiner Uhr
Zerhackt dir deine Zeit
Jetzt und jetzt und jetzt

Meer du kommst in Wellen
Nach ewigem Naturgesetz
Rhythmisch aber ohne Takt
Lässt du mich zeitlos sein

©Martin Bensen

Andockmanöver

Gut, dass er drüben nicht wohnen muss. Dieser Verhau von einem Balkon! Als wäre er eine Müllhalde. Nur leider muss er täglich draufgucken, kommt kaum daran vorbei, weil die Häuser so dicht stehen, gerade mal eine schmale Schneise lassen für einen seitlichen Blick auf etwas Grün, den alten Baum, der schon im August braun wird. Er gehört zum nahen Park, den er das letzte Mal vor einem Jahr besucht hatte – damals schon kurzatmig und in Begleitung eines Betreuers. Weiterlesen

Timeout

Warum kann ich ihn nicht festhalten
Diesen Moment in dem ich alles weiß
In dem mein Geist die Welt umreißt
Wenn ich mitten in meinem Alltag
Aus der Zeit
Falle

Fasse
Ich dann zu
Verliere ich den magischen Moment
An einen schalen Hauch von Leere
Die mein Alltag restlos wieder füllt
Mit Trägheit und Vergessenheit

©Martin Bensen

Schwindzeit

Viel zu spät hatte er erkannt, was mit ihm passierte. Doch selbst wenn er früher Gewissheit gehabt hätte, so wäre er doch nicht imstande gewesen, die Entwicklung aufzuhalten. Die Zeit half ihm nicht, denn die Schwindzeit war schneller. Aber warum passierte das ausgerechnet ihm? Einem, den die Menschheit nicht brauchte…
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Parkbank-Reigen

Schauspiel in fünf Begegnungen

von ©Martin Bensen

„Die ganze Sache ist die, dass die Menschen glauben, es gebe Situationen, in denen man mit den Menschen ohne Liebe umgehen dürfe; solche Situationen gibt es aber nicht!“

Leo Tolstoi

Begegnung 1

Licht an

Eine einsame Parkbank an einem Sommermorgen, auf ihr liegt ein schlafender junger Mann – modische Frisur, kurzgeschnittener Bart, fleckiges weißes Hemd, Designerjeans, Sneakers – seine Knie sind angewinkelt, dazwischen seine Hände. Vor ihm steht eine leere Wodkaflasche auf dem Boden, überall verstreut liegen Zigarettenstummel. Ein älterer Mann mit silbergrauer Künstlerfrisur, in schwarzem Leinenanzug, schlurft ins Bild, betrachtet den Jungen eine Weile, setzt sich dann auf den schmalen Platz zu seinen Füßen. Er klemmt seine Hände zwischen seine Knie, reibt sie unruhig gegeneinander, beugt seinen Körper vor und schaut ins Leere. Eine ganze Weile. Die Vögel zwitschern, sonst ist noch alles ruhig.

Der Alte:
Ach ja…

Der Junge bewegt sich etwas, grunzt, atmet hörbar aus und versucht sich vergeblich umzudrehen.

Der Alte:
Das habe ich nie gemacht.  Weiterlesen

Traumgesichte (II): Heimkehr

Was freute ich mich auf Zuhause! Die Fahrt war lang gewesen, zweimal war ich nur knapp am Sekundenschlaf vorbeigeschrammt. Das Adrenalin des Erschreckens hatte am Ende gereicht, um die Strecke ohne Pause durchzustehen. Jetzt befuhr ich den Zubringer in die Stadt, in meine Heimatstadt. Nur noch den Weg hoch, dann war ich endlich Zuhause. Dachte ich. Weiterlesen