Nagelstudios, Barber-Shops, Döner-Grills, Backstationen, zuckende LEDs – plötzlich ein Schild im Wind: „Hüte“, der gut sortierte Laden, und es ist, als sehe ich schwarzweiß.
Spot – 14/12/24
Der Tropfen unter der Nase des Mannes, der aus dem Jeep steigt, nur eine leere Flasche in den Altglascontainer wirft, lange davor steht, in sein Handy tippt, während der Motor läuft.
Traumgesichte (IX)
Ich muss da durch. Es ist heiß in dem dämmrigen Raum, feucht und stickig. Meinem Vordermann rinnt der Schweiß in den Kragen, die halbe Rückenpartie seines Hemdes ist bereits durchnässt. Die Kontrolle wirkt dadurch bedrohlich: Mein Vordermann breitet die Arme aus, der uniformierte Mann vor ihm, tastet mit beiden Händen Arme und Oberkörper ab.
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De-
Moll ist dir lieber als Dur
Dein Singen geht nach innen
Dein Spiel aus dir heraus
Dann lachst du bist ganz da
Bis du dann wieder gehst
Hinab zu dir ganz bei dir bist
Wo nichts ist nur alles eng
Das macht der Tunnel
Zwischen dir und draußen
Das Licht der Sog von da
Kalte Vernunft greller Tag
Brechen ein in deine Nacht
Erhellen nichts blenden nur
Zu Tränen die nicht versiegen
Dir nichts leichter machen
So wenig wie Umarmungen
Die nicht tief genug rühren
Deine Seele kaum wärmen
Vielleicht diesen Schmerz
In deinem Kopf etwas lindern
Einmal gehst du raus in die Welt
Raus aus dir in weites Land
Dort breitest du die Arme aus
Spürst du wie die Welt dich hebt?
©Martin Bensen
Spot – 13/12/24
Der Mann, der seine Schritte behutsam setzt, sich mit hochgezogenen Schultern an die Fassaden drückt und immer wieder kurz nach oben blickt – am Freitag, dem dreizehnten.
©Martin Bensen
Spots – 12/12/24
Aus nebelnassem Gebüsch schält sich eine graue Frau, eine Tüte in der Hand, die sie schüttelt und so einen Schwarm kreischender Krähen anlockt – ein paar Minuten nicht einsam.
Spots – 11/12/24
Sie lacht mich an, kommt auf mich zu – und geht vorbei. Stöpsel im Ohr, passiert mich heiteres Geplauder, ebbt ab. Vor mir der einsame Park.
©Martin Bensen
Spots – 10/12/24
Die Frau, die mit versteinertem Gesicht an der Garderobe im Wartezimmer steht, wartend, ihre Jacke in der Hand.
©Martin Bensen
leeres land [namibia]
long not winding road windy sandy dusty
busch geduckt im sonnenbrand
wind wirbelt säulen aus staub
verbohrt sich in gedorn verdorrt
versiegtes nass gewittert von wild
akazien grünen über nacht
blattwerk an stachelgiftgesträuch
pap im pott ungepoppter weißmaisbrei
stalagmiten ragen sandverbacken
äste benestert von weberwesen
wanderdünen wellendeko rotverweht
gelbgefels schwarzweißstein rosa braun
sand sand sand geröll geröll gebirge
autoreifen wie kadaver halbvergraben
game not gambling chasing one will die
©Martin Bensen
Steinsoldaten
Gesichter schälen sich grimmig
Aus dem schwarzen Felsgeröll
Dem Gräberfeld im Wüstenstaub
Steingebilde erheben sich daraus
Formen sich zu Panzerkörpern
Erst stolpern sie noch ungelenk
Marschieren bald in Reih und Glied
Ein düsterer Trupp im Tod vereint
Ein kalter Lavastrom im Nirgendwo
Zum Kraterrand strebt die Armee
Soldaten fallen, Menschen sterben
Sinnlos jeder – wie in jedem Krieg
Die weiße Lady
An jenem Abend, als ihr Mann auf den Berg stieg, blickte sie ihm vom Dorfplatz aus lange nach. Aber erst als über seinem Pfad ein blutroter Mond aufging, wusste sie, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor.
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Nirgendwomensch
»Wer hat dir das befohlen? Rede endlich, du Ratte!«
Er weiß es nicht. Er weiß nichts mehr. Er sieht. Immer wieder sieht er dieses Gesicht, sieht die Angst in den Augen des Mannes, sieht ihn fallen und unter der S-Bahn verschwinden. Ein Schrei und der Film reißt. Nein, er reißt nicht, nur etwas in ihm, nichts wird hell, es ist kein Film. Es beginnt von vorne. In seinem Kopf pfeift es wieder. Und damit fängt alles an. Nichts wird sich ändern. Es endet, wie es endet. Am Ende ist nichts.
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