Traumgesichte (IX)

Ich muss da durch. Es ist heiß in dem dämmrigen Raum, feucht und stickig. Meinem Vordermann rinnt der Schweiß in den Kragen, die halbe Rückenpartie seines Hemdes ist bereits durchnässt. Die Kontrolle wirkt dadurch bedrohlich: Mein Vordermann breitet die Arme aus, der uniformierte Mann vor ihm, tastet mit beiden Händen Arme und Oberkörper ab.
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De-

Moll ist dir lieber als Dur
Dein Singen geht nach innen
Dein Spiel aus dir heraus
Dann lachst du bist ganz da

Bis du dann wieder gehst
Hinab zu dir ganz bei dir bist
Wo nichts ist nur alles eng
Das macht der Tunnel
Zwischen dir und draußen

Das Licht der Sog von da
Kalte Vernunft greller Tag
Brechen ein in deine Nacht
Erhellen nichts blenden nur
Zu Tränen die nicht versiegen
Dir nichts leichter machen

So wenig wie Umarmungen
Die nicht tief genug rühren
Deine Seele kaum wärmen
Vielleicht diesen Schmerz
In deinem Kopf etwas lindern

Einmal gehst du raus in die Welt
Raus aus dir in weites Land
Dort breitest du die Arme aus
Spürst du wie die Welt dich hebt?

©Martin Bensen





leeres land [namibia]

long not winding road windy sandy dusty
busch geduckt im sonnenbrand
wind wirbelt säulen aus staub
verbohrt sich in gedorn verdorrt
versiegtes nass gewittert von wild
akazien grünen über nacht
blattwerk an stachelgiftgesträuch
pap im pott ungepoppter weißmaisbrei
stalagmiten ragen sandverbacken
äste benestert von weberwesen
wanderdünen wellendeko rotverweht
gelbgefels schwarzweißstein rosa braun
sand sand sand geröll geröll gebirge
autoreifen wie kadaver halbvergraben
game not gambling chasing one will die

©Martin Bensen

Steinsoldaten

Gesichter schälen sich grimmig
Aus dem schwarzen Felsgeröll
Dem Gräberfeld im Wüstenstaub
Steingebilde erheben sich daraus
Formen sich zu Panzerkörpern
Erst stolpern sie noch ungelenk
Marschieren bald in Reih und Glied
Ein düsterer Trupp im Tod vereint
Ein kalter Lavastrom im Nirgendwo
Zum Kraterrand strebt die Armee
Soldaten fallen, Menschen sterben
Sinnlos jeder – wie in jedem Krieg

©Martin Bensen

Nirgendwomensch

»Wer hat dir das befohlen? Rede endlich, du Ratte!«
Er weiß es nicht. Er weiß nichts mehr. Er sieht. Immer wieder sieht er dieses Gesicht, sieht die Angst in den Augen des Mannes, sieht ihn fallen und unter der S-Bahn verschwinden. Ein Schrei und der Film reißt. Nein, er reißt nicht, nur etwas in ihm, nichts wird hell, es ist kein Film. Es beginnt von vorne. In seinem Kopf pfeift es wieder. Und damit fängt alles an. Nichts wird sich ändern. Es endet, wie es endet. Am Ende ist nichts.
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