Brief

Meine Liebe,
Briefe sind keine Zeitkapseln
Sie retten nicht Vergangenes
Nur weil sie selbst überdauern
Wofür dann noch, für wen?
Manch ein Wort verblasst
Wie Papier einmal zerfällt
Manche stechen noch hervor
Doch nicht mehr ins Herz
Das Umweltpapier hält stand
Nur nicht die Tinte darauf
Das haben wir nicht gewusst
Geheimschrift des Vergessens
Verschwunden wie Gefühl
Nicht Liebe ist es noch
Als wenig wehe Wehmut
Nicht dein Geruch, dein Bild
Nur die Erinnerung daran
Leere folgt aus Großem
Das meine Seele einst erfüllte
Mehr als Worte sagen konnten
Jetzt bleiben nur die Worte
Leere Hüllen ohne Sinn
Am Anfang war kein Wort

Es bleibt auch nicht am Ende

In Liebe

Im Abfluss

Dieses Buch riecht muffig
Seine Seiten sind vergilbt
Sein Autor längst verblichen
Sein Inhalt ohne Nutzen

Wie Haargeflecht im Abfluss
Ein krauses in der Lakenfalte
Spült die Nachwelt Überreste
Und jegliches Erinnern fort

©Martin Bensen

Vergessen

Du lieber Mensch dein Lächeln
Ist nicht von dieser Welt
Zuletzt ist dieser Blick
Nur das des Kindes das du warst

Du lieber Mensch dein Geist
Ist lang nicht mehr in dir
Zuletzt hat dein Gefühl
Wie auch die Liebe dich verlassen

Du lieber Mensch dein Leben
Ist am Ende wie am Anfang
Zuletzt wird alles nichts
Doch vorher lächelt das Vergessen

©Martin Bensen

Widerhall

Er musste sich zwingen wegzusehen, doch er konnte seinen Blick einfach nicht von ihr wenden. Sie sah ihr so ähnlich, jener Frau, die er sich immer erträumt hatte, die er geträumt hatte, fast war es, als würde ein Traum wahr, mehr noch: als hätte er diese Frau selbst erschaffen. Nur, warum erwiderte sie seine Blicke nicht, spürte sie denn nicht dieses Band zwischen ihnen – ein Band, das vielleicht schon immer da war? Weiterlesen