An der Bushaltestelle stehen zwei junge Frauen schon Minuten in inniger Umarmung – eine Insel im Meer der Großstadt. Wenige Meter entfernt sitzt ein Bettler vor einem Laden und reckt den Kopf zu dem Paar. In seinen Augen kein Armutsblick mehr, nichts Mitleid Erregendes, etwas Waches, etwas wie Verlangen. Ist es das, was er braucht, was die beiden Frauen haben und noch bewahren über den Abschied hinaus?
Die eine, die bleibt, winkt dem Bus hinterher, wendet sich dem Laden zu. Gedankenverloren kramt sie in ihrer Manteltasche, findet etwas Kleingeld, wirft es dem Bettler in den Korb. Wie gebannt sieht er sie an, ihr Lächeln, das ihn verzaubert, ihre glitzernden Augen. Ist es das, was er will? Eine Träne, wertvoller als Gold, wenn auch nicht für ihn …
Mitmenschlichkeit
Andockmanöver
Gut, dass er drüben nicht wohnen muss. Dieser Verhau von einem Balkon! Als wäre er eine Müllhalde. Nur leider muss er täglich draufgucken, kommt kaum daran vorbei, weil die Häuser so dicht stehen, gerade mal eine schmale Schneise lassen für einen seitlichen Blick auf etwas Grün, den alten Baum, der schon im August braun wird. Er gehört zum nahen Park, den er das letzte Mal vor einem Jahr besucht hatte – damals schon kurzatmig und in Begleitung eines Betreuers. Weiterlesen
Traum in der Tram
War was? Irritiert löste ich meinen Blick vom Display meines Smartphones und ließ ihn durch das Abteil wandern. Hatte zwei Sitze vor mir nicht eben noch ein Mann gesessen? Ausgestiegen sein konnte er nicht, die Straßenbahn hatte gar nicht angehalten. Weiterlesen