Damals, in den Achtzigern, habe ich einen Kurzfilm gesehen: Ein Modefotograf überschreitet die Grenze, lichtet seine Freundin mit der professionellen Kamera ab. Etwas, das sie immer abgelehnt hat. Als wüsste sie, warum: Es wird der Horror; als der Fotograf auf den Auslöser drückt, verschwindet seine Freundin. Erst denkt er, sie erlaube sich einen schlechten Scherz, bis er schließlich erkennt, dass das Unglaubliche geschehen ist: Sie bleibt verschwunden. Ist nur noch ein Foto, ein Negativ, noch dazu eines, das langsam verblasst wie eine Erinnerung, die vielleicht auch nur eine Illusion war. Und er, der die Welt bis dahin nur durch den Sucher, nur in Bildausschnitten betrachtet hat, ändert sein Leben. Lebt.
Wo bin ich jetzt? Eben noch saß ich am Laptop. Jetzt bin ich hier. Aber wo ist hier? Was zum Teufel ist das hier? Weiterlesen
Internet
Influencerin
Die Ampel ist grün
Doch die Frau wartet
Hält ihr Handy hoch
Posiert und strahlt
Lässt es wieder sinken
Wie ihre Mundwinkel
Die Ampel ist rot
Bild um Bild
Jahr um Jahr
Haar um Haar
Falte um Falte
Was bleibt von ihr
Von all den Likes
Den kleinen Leben
Alltagssplitter: Nur einen Tag
Auf einer Literaturseite wische ich den Artikel Satz für Satz nach oben weg. Geübtes Smartphone-Handling, Routine. Der Artikel ist langweilig, fast verlasse ich die Seite, da erscheinen am unteren Bildrand diese drei magischen Worte: „Nur einen Tag…“ Ein Buchtitel? Klingt interessant. Weiterlesen
Assimiliert
Er ist wie der Kubus der Borg
Der neue Zeitgeist fängt uns alle
Verleibt sich unser Leben ein
Das einst so lebenswert war
Als wir noch wussten was falsch
Was sozial und menschlich war
Jetzt im Netz ist alles gleich groß
Ist alles allen ungleich wichtig
In Panik schreien wir nach Halt
Sehen nicht die wahre Gefahr
Dass wir erst unsere Vernunft
Dann unsere Freiheit verlieren