Von gegenüber auf dem Hügel, aus dem nächsten Dorf erklingen Trauerglocken. Eine Beerdigung, ein Gedenkgottesdienst? Heute ist der 11. September 2021, ein spätsommerlich-warmer Samstagmorgen. Nach den verregneten Hundstagen hat der September noch einmal aufgedreht und das Thermometer auf fast 30 Grad gejagt. Jetzt hat es wieder geregnet und leicht abgekühlt, es ist aber immer noch zwanzig Grad warm.
Ich sitze draußen beim Frühstück, blicke auf den sattgrünen Rasen, höre die Kirchenglocken, das Brummen von Rasenmähern, eine Motorsäge aus dem nahen Wald. Die Singvögel sind schon lange verstummt, nur noch einzelnes Gekecker und Gezirpe, das Krächzen von Rabenvögeln sind zu hören. Die Sonne drückt durch Regenwolken – ähnlich wie vor zwanzig Jahren, nur dass es damals schon zehn Grad kühler war, herbstlicher. Wir brauchen wohl eine Jacke, vielleicht eine Regenjacke, habe ich zu meinem Sechsjährigen gesagt. So sind wir los. Probelauf für den künftigen Schulweg. Es ist Dienstag, der 11. September 2001, morgen ist der große Tag – der erste Schultag meines Sohnes.