Kennt ihr das? Ein Sportwagen beschleunigt, kommt schnell voran, aber beim Blick auf die Alufelgen scheinen sich die Räder rückwärts zu drehen. Eine ähnliche optische Täuschung hatte ich ausgerechnet im Wald, beim Walken.
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Sophics
Betrachtungen, Glossen, Auffälligkeiten
Eigenartig
Eigenartig. Ein Begriff wie seltsam, halbwegs neutral betrachtet und nicht genauer interpretierend. Beide eigentlich nicht negativ, aber vom Gefühl und der häufigsten Verwendung her auch nicht positiv. Also doch eher negativ. Objektiv ist etwas eigenartig, wenn es von seiner Art her etwas Eigenes hat – so kann Vieles sein, es sei denn, es ist eher selten, dann passt besser das Pendant seltsam.
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Betrachtungen
Es dämmert, die Stadt ist voller Leute und er steht da, die besten Jahre hinter sich, die Jacke über dem rechten Arm, er hat sich leicht eingedreht, vornübergebeugt, ist eingerastet, starr wie eine Wachsfigur und betrachtet so drei junge Frauen, weit genug entfernt von ihm, dass sein Blick leicht abschweifen kann, nicht aufdringlich wirkt, voyeuristisch gar, während ich ihn, den von mir Abgewandten, ruhig betrachte, mich frage, ob er nur starrt, sinnlich, sehnend, oder ob er schon betrachtet, vergleicht, mit seinen Erinnerungen abgleicht, als er noch jünger war, als junge Frauen zurückgeblickt haben, als ein Lächeln ein anderes ergab, als die Wellenlängen noch stimmten und keine Funkstille herrschte wie jetzt, da die ganze Betrachtung einseitig, die Betrachtung der Betrachtung wehmütig ist, Mitleid aber fehl am Platz, wie auch mein Impuls – eine Umarmung -, weil Trost so alt macht. Und so schal das Bier.
We build this city
… on barriers. Kein Rock’n’Roll. Diese Stadt ist weit entfernt davon. Nicht aber vom Wahnsinn. Wie keine zweite scheint sie die Farben weiß und rot zu lieben, Schrankenfarben, die Farben der Absperrgitter. Überall stehen die Barrieren aus Kunststoff, vermehren sich auf gar wundersame Weise, besonders im Sommer. In diesem Wettlauf haben Autofahrer keine Chance. Sie treffen auf sie wie der Hase auf den Igel. Wie im Märchen der Brüder Grimm ist sie immer schon da: die Absperrung. No way.
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Willkommen im Wartesaal
Sie ist eine notorische Zeitdiebin, eine Wiederholungstäterin, unverbesserlich. Ihre Beute ist Zeit. Lebenszeit, in Summe ganze Menschenleben – jeden Tag. Sie drangsaliert ihre Opfer mit dem Schlimmsten aller Foltern, sie zermürbt sie, durch Anlocken und Zuückweisen, ein manchmal stundenlanges Ringen und Vexieren; die Unberechenbarkeit ist ihr schärfster Dolch, tiefe Stiche in zarte Hoffnungen, das Brennen in den Wunden der Enttäuschung. Kollektives Leiden in zugigem Milieu, Viren haben leichtes Spiel. Wer ist diese Geißel der Menschheit oder besser: der Deutschen?
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Lächeln – zu spät
In meinem Alter jenseits der Sechzig rechne ich nicht mehr damit, dass mich eine Frau anlächelt. Die wenig jüngeren oder gleichaltrigen beschwert ihr eigener Alltag, sie rechnen sich auch nicht aus, einem Lächeln zu begegnen, und wenn überhaupt, einem milden, nachsichtigen, mitleidigen. Ganz anders das Lächeln, das mir an einem Abend im August auf dem Schillerplatz begegnete.
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Autonomes Denken
Denken auf Autopilot – autonomes Gedankenfliegen über Abgründe. Daraus purzelt durchaus Sinnvolles, wenngleich nichts Geniales. Wie geht das? Wovor beschützt mich autonomes Denken? Weiterlesen
Tucht
Mit dem Dreißigjährigen Krieg starb in deutschen Landen nicht nur ein gutes Drittel der Bevölkerung, direkt oder an Hungersnot und Seuchen – es starb auch ein deutsches Wort, zumindest als Nomen. Das Adjektiv hat sich dagegen gehalten und noch drei Jahrhunderte später zwei verheerende Weltkriege per Rhetorik befeuert. Das Wort, von dem es stammt, hätte die strammen Deutschen indes eher zum Lachen gebracht. Denn wer kommt heute noch darauf, dass tüchtig von Tucht kommt? Ja, tatsächlich, ein solches Wort gab es! Auch wenn die Tucht selbst Google offenbar kein rechter Begriff ist und ChatGPT allzu schnell bei der Zucht ist: Die Begriffe mögen verwandt sein, aber Tucht war mehr als Zucht, vielleicht sogar früher da. Eine Spurensuche.
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Alleinbeteiligt
In einer Polizeimeldung lese ich wieder diesen merkwürdigen Begriff:
„Autofahrer kommt alleinbeteiligt von der Fahrbahn ab und überschlägt sich“.
Alleinbeteiligt. Ich verstehe natürlich, was gemeint ist, ahne, dass es bei dem seltsamen Adverb um eine juristische Kategorie geht: kein Fremdverschulden, keine weitere Person ist beteiligt. Aber wieso spricht man bei einem allein verursachten oder dem Einzelnen widerfahrenen Unfall überhaupt von beteiligt? Weiterlesen