In der Ferne bellt immer
Irgendwo ein Hund
Schlägt eine Turmuhr im
Viertelstundentakt
Rauscht Verkehr wie ein
Ständiger Strom
Nur die Amsel singt
Wann immer sie will
Snippets
Lyrik, Gedichte
Lockdown-Krieger
Noch halten sie still
Die jungen Männer
Noch stehen sie nur
Hinter den Fenstern
Starren schweigend
Lauern auf etwas
Irgendwo da draußen
Ein Signal zum Aufbruch
Wie im Spiegel
Was werden wir noch sehen
Wenn wir unsere beiden Leben
Aneinander halten
Anders als unsere Körper
Die sich nicht berühren dürfen
Voreinander schützen
Uns nur von Ferne sehen
Den anderen wie mich selbst
In einem Spiegel
Würdelos
Es stirbt sich nicht schön
In so unwürdigen Zeiten
In denen lebendig zu sein
Allein schon trist erscheint
Und nicht einmal Trost
Und Trauer den Lebenden
Vergönnt ist wie den Toten
Die Ehre des letzten Geleits
Heimlicht
Ist vielleicht ganz gut sagt sie
Das Licht draußen anzulassen
Auch wenn Straßenlaternen
Von vorn bis hinten leuchten
Ist doch diese eine Lampe
An ihrer Hauswand etwas
Wie ein Heimlicht für alle
Die vielleicht umherirren
Überdruss
Wenn das alles irgendwann vorbei ist
Müssen wir dann wieder lernen
Uns in die Augen zu schauen
Unseren Ton zu mäßigen
Anderen zu vertrauen
Nähe auszuhalten
Oder nicht mehr
Weil du meiner
Überdrüssig
Von mir
Gehst
Was bleibt
Was bleibt ist immer noch viel
Ich esse, trinke, schlafe
Trinke, esse, schlafe
Schlafe trinke esse
Sehe die Welt
Meine
Kleine
Die große
Nur per Bild
In Erinnerungen
Ich denke also bin ich
Was bleibt ist immer noch viel
Fenster
Vor meinem Fenster steht ein Baum
Gelbe Blätter zittern im Wind
Noch nicht bereit loszulassen
Mich in Ruhe zu lassen
Hinter meinem Fenster sitze ich
Kann den Blick nicht lösen
Von diesem Blattgewimmel
Das Blatt Papier ist leer
Gegen mein Fenster weht Schnee
Klebt daran und macht es blind
Meine Gedanken wimmeln
Aber finden nicht hinaus
Diktatur
(1981)
Es wollen Worte über deine Lippen
Erscheinen Schatten am Himmel
Lärm schluckt deine Stimme
Du zuckst mit den Achseln
Versuchst es mit Blicken
Doch es verfinstert sich
Dein Gesicht
Kreta
Ode von 1987
Im Sonnen-Glanze liebst du das Meer um dich
Ruhst still im Spiel der Wellen mit Kiesperlen
In Felsenbuchten zwischen Spalten
Sammeln sich Schaumrosen an den Steinen
Wenn dann der Nordwind dir du Verbrennende
Durch Schluchten treibend tief in die Täler dringt
Berührt er Blüten doch an Dornen
Reißend verschlingen ihn lautlos Höhlen
Allein steh ich
Allein steh ich an eurem Grab
Gedenke eurer, unserer Leben
Dessen, was nicht mehr kommt
Wenn überhaupt noch etwas
Es ist als frören wir uns ein
In Agonie und Einsamkeit
Und in stiller Angst erstarrt
Als wär’n wir jetzt schon tot
Doch so überdauern wir nicht
Sterben mehr als dass wir leben
Nur jene Welt liegt mir zu Füßen
Allein steh ich an meinem Grab
Rabe und ich
Ich weiß nicht ob du mir
Aus Märchen oder Sagen
Oder weil du rabenschwarz
So diabolisch stets erschienst
Wie erscheine ich nun dir
Bist du meiner dir bewusst
Und ist auch mein Erleben
Ein Gegenstand des deinen
Tübinger Forscher haben erstmals Bewusstseinsprozesse im Gehirn von Vögeln nachgewiesen – eine Fähigkeit, die man bisher nur bei Menschen und anderen Primaten belegen konnte. Durch eine Messung von Hirnsignalen sei einer Forschungsgruppe der Universität Tübingen erstmals der neurowissenschaftliche Nachweis gelungen, dass Rabenvögel über subjektives Erleben verfügen.