Sonntagsluft

Erinnerst du dich an diese Luft
Die nur sonntags am Morgen
So frisch ins Zimmer zog
Durch jede Ritze der Jalousien

Anders als an andern Tagen
Wenn sie mit Rauch aus Koks
Aus Schwefel, Öl und Sprit
Selbst ein schwerer Vorhang war

Auch am Sonntag mischte sich bald
Dunst von Weihrauch derb hinein
Von Pomade, Bier und Zigaretten
Dann der Duft von Sonntagsbraten

©Martin Bensen

Erwachen

Der Gedanke vor dem kurzen Schlaf
In was für einer Welt erwachen wir?
In was für einen Tag fällt die Nacht?
Kommt noch ein Tag – welche Welt?

Der Gedanke nach dem wirren Traum
Nichts ist von selbst was so gewohnt
Frühling erwacht inmitten von Tod
Die frühen Vögel künden – von was?

©Martin Bensen

Abendspaziergang

Im letzten Licht des Februartages
Tiriliert es noch in kahlen Bäumen
Bis sich Winterkälte wieder senkt
Sich alles duckt vor der Dunkelheit

Im Tal ein Lichtern der Heimkehr
Ein stetes Rauschen gegen Berge
Fenster spiegeln blaue Stunde
Glaspastell verbrennt im Licht

Friedlich leuchtet es aus Häusern
Fassaden wahren schönen Schein
Bald ruht die Welt im Kleinen
Im Großen ist sie immer wach

©Martin Bensen

Laken

Weiße Laken wehen im Wind
Wolkenfahnen, Himmelsblau
Das Fenster hat drei Ecken
Das Dach ist spitz vom Hospiz

Sein Laken bauscht sich nicht
Noch liegt er schwer darauf
Doch als die Nacht sich senkt
Weht sein Laken mit ihm fort

©Martin Bensen

Trost, beizeiten

Wenn Traurigkeit und Sorgen
Klamm dein Herz umfangen
Weite deinen Blick ins Grün
Spüre warmen weichen Wind
Lausche seinem Rauschen

Genieße frischen Frühlingsduft
Den saftigprallen Sommer
Eh der Herbst Vergängnis
Der Winter wieder Wehmut
Und trostlos tote Kälte bringt

©Martin Bensen

Manchmal und immer

Manchmal bist du
Meine Biene
So emsig
Honigsüß

Manchmal bist du
Meine Maus
So putzig
Niedlich

Manchmal bist du
Meine Katze
So geschmeidig
Gefährlich

Manchmal bist du
Meine Venus
So anziehend
Abgrundtief

Immer bist du
Meine Liebste
So bezaubernd
Vertraut

©Martin Bensen

Leichter

Auf dem Boden eine Flocke
Etwas vom Müsli denke ich
Als ich mich nach ihr bücke
Weicht sie aus – fliegt davon

Ein winziger Falter flirrt
Mit feinen Flügeln filigran
Hinaus aus meiner Welt
Ob er leichter lebt als ich?

©Martin Bensen