Limbus

Was wäre, wenn alle Seelen
Der Gequälten und Getöteten
Einen Weg zurückfänden,
Gegen Täter ihr Leid stellten,
Das auch dann nicht aufhört
Weil Menschen wohl so sind?

Wo sind die Seelen derer
Die andere quälten, töteten?
Träfen sie aufeinander,
Ist dann alles vergessen?
Oder gibt es einen Ort,
An dem alles neu beginnt?

Oder kommen Seelen zurück,
Jedwede nach welchem Plan?
Nur hierher oder irgendwo,
In diesem oder allen möglichen
Welten, Universen, Galaxien?
Ist überall gut gut, böse böse?

©Martin Bensen

Nach dem Regen

Nach dem Regen
Kommt hoffentlich die Sonne

Der Traum verblasst
So gewaltig in der Nacht
Doch wie aus einer Zeit
Aus einem anderen Leben
Eine Spiegelung vielleicht
Ein Reflex von Pein in den
Hirnströmen des Schlafes
Ein Schrei, ein Echo Echo…

Tropfen trommeln noch
Hören auf am Morgen

Nach dem langen Regen
Zögert die Sonne zu scheinen
Dafür strahlt das Netz hinaus:
Töpfe glänzen, putzt man sie
Mit Zahncreme

©Martin Bensen

Song

Ein schöner Augenblick, ein letzter Blick zurück
Du hast mich angeschaut, mir den Verstand geraubt
All die Jahre, die vielen Tage, sind so voll von dir
Es erleben, das volle Leben, nur mit dir – nur wir

Mit dir zu sein, heißt frei zu sein
Deine Zeit in meiner Zeit
Die Zeit zu zweit
Unsere Ewigkeit

Auf dem Weg ins Glück bleibt ein Stück von mir zurück
Es ist nicht für dich, ein Rest vom Ich, das anders war
All die Jahre, die neuen Tage, brauch ich nur noch dich
Es erleben, das volle Leben, nur mit dir – nur wir

Mit dir zu sein, heißt frei zu sein
Deine Zeit in meiner Zeit
Die Zeit zu zweit
Unsere Ewigkeit

–  Solo auf Strophe –

Mit dir zu sein, heißt frei zu sein
Deine Zeit in meiner Zeit
Die Zeit zu zweit
Unsere Ewigkeit

Ein Text von 2017 – die Melodie habe ich auch irgendwo. Wenn ich sie finde, könnte ein Song daraus werden.

©Martin Bensen

Wo sonst (Island)

Wenn nicht hier wo sonst
Klafft die Hölle auf Erden
Erbricht sie stinkend Glut
Erstarrt zu Stein zu Staub

Nicht einfach schwarz ist er
Glitzernd wie ein Sternenmeer
Schimmert blau im Gletscher
Moos beklebt die Berge grün

Kleine Pferde in der Weite
Goldgelb das Wintergras
Der Himmel auf Erden ist
Wo sonst wenn nicht hier

©Martin Bensen

Ah geh (Herbst)

Am grauen Himmel rasen
Düstere Wolkenfetzen
Wie Rauch von einem Brand
Wie Pulverdampf im Krieg

Noch leuchtet Herbstlaub
Gelb, rot – wie frisches Blut
Bald stehen kahle Birken
Gerippen gleich – bleich, tot

Letzte Blüten wie Tränen
Rinnen erschöpft zu Boden
Werden Erde, Humus, Dreck
Was mal war, ist ewig weg

Deine Währung, mein Freund,
Sind Sommer, warmes Mittendrin
Herbste nicht, Winter, Frühlinge
Nur eine steht für Tod? Ah geh …

©Martin Bensen

Irrlichtern

Heißa welch ein Summen
Ein mannigfaltig Brummen
Hassgelenkter Wörterstampf
Rechtsgedrehte Haberei
Zum Schein nur Trübgefunzel
Ein Fackellauf von Fakes
Im Schlafe wandeln Schafe
Lichtern irr und wirr umher
Und Nacht umdunkelt wieder
Was ans Licht gezerrt gehört

©Martin Bensen

Champs de bataille

Nicht im TGV nach Paris
Doch auf der Autoroute
Erfährt jeder Reisende:
Felder und Wälder waren
Einst die Champs de bataille

Wenig zeugt noch von
Den Schlachten
Den Stellungskriegen
Der sinnlosesten Sinnlosigkeit
Menschlichen Verbrechens

Ein paar Schilder nur
Wer hier stoppt, sieht eine
Armee von weißen Kreuzen
Bald passé beim Shoppen
Auf der Champs-Élysées

©Martin Bensen

Westfalen

Wie seltsam friedlich der Horizont
Nicht weit, nirgendwo ein Silberstreif
Bloß ein dünner Streifen hoher Bäume
Schützt ausgedehntes Land vor Ferne

Kronen übersät von Tintenklecksen
Krähen keckern ihr karges Winterlied
In den Nebel, die frühe Dämmerung
Ja, auch dieser öde Sonntag endet bald

Wie seltsam friedlich mein Westfalen
Nichts und niemand stirbt hier laut
Unter jedem Grün ist schwarze Erde
Blatternfleckig verwölkt der Himmel

©Martin Bensen