Kaltmamsell

Frühmorgens steht die Kaltmamsell
Hochlöblich an der Heißmangel
Dann eilt sie flugs in Kittelschürze
Hernach erst heim in aller Kürze
Spornstreichs sodann zur Speis’wirtschaft
Zur flotten Lotte voller Mus und Saft
Schlankerhand die dreht und windet sie
Enträt gewisslich gern der Bain Marie
Wo holdselig steht die Mademoiselle
Wie weiland nie die Kaltmamsell

©Martin Bensen

Ratlos

Mit hilflos winkenden Armen
Steht der junge Mann vor ihm
Dem weisen Vater der ihm stets
Ein wertvoller Ratgeber war

Ängstlich schier verzweifelt
Fleht der Junge den Alten an
Doch der steht starr und ratlos>
Schaut schweigend in ein Nichts

So verstummt der Junge auch
Lässt seine Arme mutlos sinken
Hört in dieser totenstillen Nacht
All das Gute wie Blut verrinnen

©Martin Bensen

(Kein) Herbstlied

Herbst du Zeit der Neige
Du fades Zwischenspiel
Lass nur alles fallen was
Uns lieb und teuer war

Herbst du Zeit der Fäulnis
Du schaler Rest vom Fest
Lass nur das verwesen was
Uns Genuss und Leben war

Herbst du Zeit des Abschieds
Du blasser Abgesang
Lass nur das verklingen was
Dir nie ein Lied sein wird

©Martin Bensen

Signalstörung

Das klingt nur lästig
Und auch eher harmlos
Dringt nicht allzu schnell
In mein Bewusstsein vor
Signalstörung

Eine Störung halt naja
Ist sicher gleich behoben
Doch dann dauert das
Lange sehr sehr lange
S i g n a l s t ö r u n g

Auch nach einer Stunde
Immer noch kein Zug
Als die Anzeige erlischt
Ist die Ankunft unbestimmt
S I G N A L S T Ö R U N G

©Martin Bensen

So ein Augenblick

Das ist so ein Augenblick
Für den ich mich schäme
Weitere Worte sind nach
Dem Gesagten sinnlos

Nach so einem Augenblick
Steh ich fassungslos vor dir
Und dem was du mir und
Nur mir da anvertrautest

So ein Augenblick vergeht
Doch deine tiefe Trauer nicht
Und mein Bedauern diesen
Augenblick verpasst zu haben

©Martin Bensen

In Träumen

In Träumen kann ich fliegen
Ist mir weder warm noch kalt
Schmecke ich und rieche nichts

In Träumen bin ich dumm
Ich sehe aber denke nicht
Weiß nicht dass ich träume

In Träumen treib ich willenlos
Alles geschieht von ganz allein
Nichts was ich selbst erschaffe

In Träumen sehe ich Menschen
Doch ihre Körper erkenn ich nicht
So müssen es wohl ihre Seelen sein

©Martin Bensen

Rosarot

Doch doch lässt sich der alte Mann vernehmen
Zwischen all den dunklen Jahren habe es schon
Etwas Licht gegeben und Hoffnungsschimmer
Schließlich habe man ja trotz allem überlebt

O wie sie rannten erst langsam dann schneller
Ein ums andere dieser nur noch blassen Jahre
Bis auf eines das sich einschlich in sein Leben
Und das er bis zuletzt sein rosarotes nannte

©Martin Bensen

Im Leben

Es passiert nicht allzu oft im Leben
Dass zwei Menschen sich begegnen
Die am Anfang noch meinen zu müssen
Was sie am Ende wünschen zu dürfen

Es passiert noch seltener im Leben
Dass zwei Menschen sich begegnen
Deren Seelen umso mehr bekommen
Je weniger sie voneinander verlangen

Es passiert in einem anderen Leben
Dass zwei Menschen sich begegnen
Und mit ihrem Leben dort beginnen
Wo ihr Traum im letzten endete

@N.

©Martin Bensen

 

Heimat

Heimat was bist du nur so hässlich
Stehst mit Bier und Bauch am Grill
Schwitzt gewichtig Missgunstdunst
Sorgst dich um Kratzer im Autolack
Aber mehr als das und deine Haut
Kratzt dich sonst nicht allzu viel

Heimat was bist du nur so hässlich
Gehst storchenbeinig durch dein Beet
Spritzt eifrig giftig Unkraut raus
Baust Mauern um dein kleines Reich
Aber anders als du immer fürchtest
Strebt niemand Fremdes zu dir rein

Heimat was bist du nur so hässlich
Stehst am Tresen lachst dich stark
Gröhlst bitterbösen Schlachtgesang
Schreist dir die Seele aus dem Leib
Aber gar nicht weit von deiner Welt
Sind Redensarten Wirklichkeit

Heimat wieviel schöner
Könntest du
Sein

©Martin Bensen