long not winding road windy sandy dusty
busch geduckt im sonnenbrand
wind wirbelt säulen aus staub
verbohrt sich in gedorn verdorrt
versiegtes nass gewittert von wild
akazien grünen über nacht
blattwerk an stachelgiftgesträuch
pap im pott ungepoppter weißmaisbrei
stalagmiten ragen sandverbacken
äste benestert von weberwesen
wanderdünen wellendeko rotverweht
gelbgefels schwarzweißstein rosa braun
sand sand sand geröll geröll gebirge
autoreifen wie kadaver halbvergraben
game not gambling chasing one will die
©Martin Bensen
Autor: seitenreiterblog
Steinsoldaten
Gesichter schälen sich grimmig
Aus dem schwarzen Felsgeröll
Dem Gräberfeld im Wüstenstaub
Steingebilde erheben sich daraus
Formen sich zu Panzerkörpern
Erst stolpern sie noch ungelenk
Marschieren bald in Reih und Glied
Ein düsterer Trupp im Tod vereint
Ein kalter Lavastrom im Nirgendwo
Zum Kraterrand strebt die Armee
Soldaten fallen, Menschen sterben
Sinnlos jeder – wie in jedem Krieg
Die weiße Lady
Ein Afrika-Märchen
An jenem Abend, als ihr Mann auf den Berg stieg, blickte sie ihm vom Dorfplatz aus lange nach. Über seinem Pfad ging ein blutroter Mond auf, da wusste sie, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor.
Nirgendwomensch
»Wer hat dir das befohlen? Rede endlich, du Ratte!«
Er weiß es nicht. Er weiß nichts mehr. Er sieht. Immer wieder sieht er dieses Gesicht, sieht die Angst in den Augen des Mannes, sieht ihn fallen und unter der S-Bahn verschwinden. Ein Schrei und der Film reißt. Nein, er reißt nicht, nur etwas in ihm, nichts wird hell, es ist kein Film. Es beginnt von vorne. In seinem Kopf pfeift es wieder. Und damit fängt alles an. Nichts wird sich ändern. Es endet, wie es endet. Am Ende ist nichts.
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Schatten
Das Personal in meinen Träumen
Ist mir fremd, ist voll Bosheit
Im Schatten liegt diese Welt
Ohne Liebe ohne Worte
Ohne Licht
Das Aufwachen am Morgen
Trüber Nebel über allem
Sonne wird ihn lichten
Keinen dieser Blicke
Keine Seele
Zwischenwelt
Vom Wachen hinüber zum Schlaf
Kippt meine Welt in eine andere
Schwingt aus ihr zurück in jene
Die aus dem Schlaf neu erwacht
Tucht
Mit dem Dreißigjährigen Krieg starb in deutschen Landen nicht nur ein gutes Drittel der Bevölkerung, direkt oder an Hungersnot und Seuchen – es starb auch ein deutsches Wort, zumindest als Nomen. Das Adjektiv hat sich dagegen gehalten und noch drei Jahrhunderte später zwei verheerende Weltkriege per Rhetorik befeuert. Das Wort, von dem es stammt, hätte die strammen Deutschen indes eher zum Lachen gebracht. Denn wer kommt heute noch darauf, dass tüchtig von Tucht kommt? Ja, tatsächlich, ein solches Wort gab es! Auch wenn die Tucht selbst Google offenbar kein rechter Begriff ist und ChatGPT allzu schnell bei der Zucht ist: Die Begriffe mögen verwandt sein, aber Tucht war mehr als Zucht, vielleicht sogar früher da. Eine Spurensuche.
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Propellerbaum
Während wir schweigen
Einander nichts vergeben
Landet auf unserem Tisch
Ein winziger Propeller
Lächelnd sehen wir hinauf
Zum Baum unserer Kindheit
Dem erwachsenen Ahorn
Und erzählen uns davon
Zuwendung, schließlich
Nachts, wenn er ihre Nähe, die gleichzeitige Ferne nicht erträgt, wendet er sich immer wieder ab, spürt dann, wenn auch schwach, einen Anflug von Verlassenheit, fürchtet aber schon die Ahnung, wirklich verlassen zu sein, weswegen er sich doch wieder zu ihr, seiner Liebe, hinwendet, seine Hand flach unter ihren Po gleiten lässt, behutsam, nichts fordernd, um sie nicht zu wecken, denn wie kann er sicher sein, dass sie ihn noch liebt, weniger als am Anfang, gewiss, das fühlt auch er, und doch so, dass sie noch verbunden sind, ein Paar, aneinander gewöhnt, vereint nach außen, einander gewiss nach innen, und doch schon eine Weile ohne Leidenschaft, ersetzt durch ein Gefühl der Leere, das am Tag weniger bedrückend, jedoch nachts umso beängstigender Raum nimmt, sodass ihm das Atmen schwerfällt und er sich also rasch wieder abwendet, dann daran denkt, wie ihn früher Tränen fast erstickten, wenn ihm ganz bange wurde vor der Zukunft, die nun hinter ihnen liegt, nicht mehr schmerzt, wie sein abgestorbener Zahn, wegen dem er morgen unter gleißendem Licht sitzen wird, einsam, ohne Trost, anders als jetzt, mit ihrer schläfrigen Wärme, die wohl Träume befeuern, welche fragt er sich, wo sie doch so reglos daliegt, sich der Schemen ihres Körpers vor dem schwachen Licht der Nacht abzeichnet, so fein und zart, als schwebte er über dem Bett, so leicht wie ihre regelmäßigen Atemzüge, die ihn trösten, ihm Sicherheit geben, ihn animieren, sich ihr wieder zuzuwenden, um nun endlich in den Schlaf des Vergessens zu fallen.
Limbus
Odyssee – oder: Die lange Heimkehr aus Kreta
Den letzten Kontakt mit einer Betreuerin unseres Reiseanbieters, eines angeblich führenden Touristikkonzerns, haben wir bei der Ankunft unseres kleinen Transferbusses am Flughafen Heraklion. Ein schöner Urlaub gehe zu Ende, sagt sie routiniert, jetzt wünsche sie allen noch eine angenehme Rückreise nach Stuttgart. Die Schalter der Fluggesellschaft seien zwar noch nicht besetzt, dennoch solle man gleich ins Terminal gehen, denn dort sei es klimatisiert und nicht so heiß wie draußen, so die junge Frau in Blau. Zwei Dinge, die nicht ganz stimmen, weitere sollten folgen, eine wahre Odyssee erst beginnen …
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Homunkulus
Ich weiß nicht, warum ich mir das antue. Erst dieser grässliche, knallgelbe Tee. Dann dieses lächerliche Namasté, die servile Verbeugung, die »betenden« Hände vor der Brust. Warum? Die Vibration der Klangschale durchströmt meinen Körper, da liege ich schon. Wird eh nicht klappen, denke ich. Hypnose nicht, Meditation erst recht nicht. Meine Frau liegt neben mir, ist schon ganz bei sich. Wo ist das: bei mir? Alles, was ich sehe, ist ein dunkler Raum, eine Art Verlies – und dieses kleine Wesen. Wo bin ich? Weiterlesen