Nein, gerecht ist das Leben nicht. Suche also nicht nach einem Sinn oder auch nur nach Fairness. Das ist kein ehrlicher Wettkampf, kein Spiel – die Regeln kennt niemand. Doch alle, die leben – wer sonst? -, suchen trotzdem. Und wenn sie eine Ahnung bekommen, was für sie gilt, welcher Weg der ihre ist, biegt es plötzlich ab.
Berüchtigt sind Einbahnstraßen und Sackgassen, das Leben hält beides zugleich bereit – keine Rückkehr, keine Erinnerung. Für Überraschung sorgen die Abkürzungen, die es wählt, manche nur wenige Meter bis zum Aufprall, wenige Sekunden im freien Fall. Wann du sie gehst, entscheidest nicht du. Ob jung oder alt, du siehst sie nicht kommen – immerhin sind sie so viel gnadenvoller als quälendes Ertrinken, Ersticken oder ein längerer Leidensweg.
Armut? Gewalt? Krieg? Da lacht das Leben: Wo ein Wille, ist ein Weg. Die Unvernunft und der tödliche Umweg. Aus Schaden wirst du nicht klug. Welcher Sinn liegt darin?
Wir gehen noch ein Stück, gemeinsam, solange es geht, bangend auf jeden Abzweig zu, die Gabelung könnte uns trennen. Dann schauen wir lieber hoch zum Himmel, der so weit und ewig ist. Der Schmetterling fliegt frei, gaukelt nach Laune. Bis ein Vogel ihn schnappt, Nahrung für neues Leben. Wenn es nicht ein Raubtier holt, das Nest zu Boden fällt. Oder der Vogel selbst, weil auch die Lüfte endlich sind. Ja, so ist das Leben eben.
Martin Bensen