Frost in Westfalen

Wie lange er im Morast gelegen hat, kann er nur vermuten, und selbst das liegt ihm fern, er erwacht wieder, starr vor Kälte, es muss noch Wärme in ihm sein, auch wenn es sich nicht so anfühlt und immerhin hat sie den eisigen Boden unter ihm aufgeweicht. Um Mattes herum ist die Wiese gefroren, durch einen Schleier erkennt er Grasbüschel, eine in der Abendsonne schimmernde Eisfläche unweit von ihm, er kann sich nicht bewegen, alles ist taub, aber er spürt die Nässe unter sich, riecht die feuchte Erde, modrig, moorig und immer mit diesem Hauch Gülle, während ihm die Augen zufallen, ohne dass er das Bild dieser Landschaft verliert.
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Münsterland Blues

In trüben Schlieren fällt der Himmel
Auf die schwere schwarze Erde
Legt den Schleier des Vergessens
Über ausgelaugtes Sommergrün

Da vorne auf dem Stoppelacker
Krakeelen Krähen um das letzte Korn
Von Westen her weht herber Wind
Erfüllt die Luft mit Gülle-Pest

Bleiern legt sich der November
Über umgepflügtes müdes Land
Löscht das Licht der leichten Zeit
Und macht die Welt westfalengrau

©Martin Bensen