Es dämmert, die Stadt ist voller Leute und er steht da, die besten Jahre hinter sich, die Jacke über dem rechten Arm, er hat sich leicht eingedreht, vornübergebeugt, ist eingerastet, starr wie eine Wachsfigur und betrachtet so drei junge Frauen, weit genug entfernt von ihm, dass sein Blick leicht abschweifen kann, nicht aufdringlich wirkt, voyeuristisch gar, während ich ihn, den von mir Abgewandten, ruhig betrachte, mich frage, ob er nur starrt, sinnlich, sehnend, oder ob er schon betrachtet, vergleicht, mit seinen Erinnerungen abgleicht, als er noch jünger war, als junge Frauen zurückgeblickt haben, als ein Lächeln ein anderes ergab, als die Wellenlängen noch stimmten und keine Funkstille herrschte wie jetzt, da die ganze Betrachtung einseitig, die Betrachtung der Betrachtung wehmütig ist, Mitleid aber fehl am Platz, wie auch mein Impuls – eine Umarmung -, weil Trost so alt macht. Und so schal das Bier.
Loslassen
Traumgesichte (VI)
Endlich klappt es mit dem Laden. Lange hat eine Freundin von uns gesucht, gefeilscht und sich mit den Behörden herumgeschlagen. Heute sitzen wir zum ersten Mal in ihrer „Waffles Bakery“. Nein, nicht in dem neuen Lokal, sondern draußen. Es ist eine laue Nacht hier in Manhattan, die Außenbeleuchtung ist noch nicht installiert. Nur eine nackte Glühbirne hängt da, aber New York hat immer genügend Licht für alle. Weiterlesen
Loslassen (II)
Wir waren uns auf den Spuren
Waren mehr als uns zu spüren
Darauf bedacht sie zu verwischen
Wir können uns nur in Ruhe lassen
Oder uns in die Arme fallen
Doch dazwischen ist nichts
So verlieren wir uns aus den Augen
Verlieren uns ganz
Werden uns wieder fremd
Loslassen
Das Band zwischen uns das uns hält
Nie können wir es lösen
Dass nicht der eine fällt
Der andere mit leeren Händen dasteht
Unser letzter gemeinsamer Blick
Sieht es schon wieder davonfliegen
Auf dem Weg zu zwei Menschen
Die sich gerade beginnen zu lieben