Jahrein, jahraus das gleiche Spiel: Immer zum Ende blickt alles zurück, erinnert sich, stößt uns mit der Nase drauf – es gibt kein Entkommen, außer vielleicht am Nordpol, in der Wüste oder – mit viel Willenskraft – im digitalen Entzug, im Kloster oder an einem Ort, zu einer Zeit, in der man ganz bei sich sein kann. Denn wenn ich mich gar nicht erinnern will? Einfach nur leer sein, einfach auslaufen will?
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Gedanken
Ein Flügelschlag
Da sitzen sie, stecken ihre Köpfe zusammen. Die Espressotassen auf dem Tisch sind längst ausgetrunken. Während der Kaffeesatz eintrocknet, sprudeln Worte aus den Männern. Eigentlich redet nur einer, ein junger, leicht untersetzter Typ, hemdsärmlig, gestikulierend. Er spricht italienisch. So schnell, dass ich nur Bruchstücke verstehe und fast nichts von jener schwärmerischen Melodik dieser schönen Sprache wiedererkenne, für die ich die mediterranen Europäer so beneide – neben vielem anderem. Ist es das ruppige Wetter in Deutschland, die immer noch steife Draußenkultur, überhaupt das ganze stocksteife Deutschtum? Oder warum ist er so in Aufregung, sind die Gesichter seiner beiden Zuhörer so ernst? Was um alles in der Welt ist denn so wichtig, so schlecht, dass alle drei Männer beinahe verschwörerisch dasitzen, vornübergebeugt, einander zugetan? Immerhin das. Weiterlesen
Nicht so ewig
Mit jedem Fall von jähem Tod
Stirbt leise auch ein Stück in mir
In meiner selbstvergessenen Welt
Von sorglos-steter Wiederkehr
Doch mein Leben hält nicht still
Ich bin ja noch und brenne fort
Wie Sonne, Mond und Sterne
Nur bei weitem nicht so ewig
Allein steh ich
Allein steh ich an eurem Grab
Gedenke eurer, unserer Leben
Dessen, was nicht mehr kommt
Wenn überhaupt noch etwas
Es ist als frören wir uns ein
In Agonie und Einsamkeit
Und in stiller Angst erstarrt
Als wär’n wir jetzt schon tot
Doch so überdauern wir nicht
Sterben mehr als dass wir leben
Nur jene Welt liegt mir zu Füßen
Allein steh ich an meinem Grab