Solange ich mich im Wald bei meinem Selbstgespräch noch umdrehe, mich erschrocken meines Alleinseins vergewissere, solange bin ich noch nicht alt. Denke ich. Oder?
Alltag
Spot – 18/12/24
Nagelstudios, Barber-Shops, Döner-Grills, Backstationen, zuckende LEDs – plötzlich ein Schild im Wind: „Hüte“, der gut sortierte Laden, und es ist, als sehe ich schwarzweiß.
Spot – 14/12/24
Der Tropfen unter der Nase des Mannes, der aus dem Jeep steigt, nur eine leere Flasche in den Altglascontainer wirft, lange davor steht, in sein Handy tippt, während der Motor läuft.
Spot – 13/12/24
Der Mann, der seine Schritte behutsam setzt, sich mit hochgezogenen Schultern an die Fassaden drückt und immer wieder kurz nach oben blickt – am Freitag, dem dreizehnten.
©Martin Bensen
Spots – 12/12/24
Aus nebelnassem Gebüsch schält sich eine graue Frau, eine Tüte in der Hand, die sie schüttelt und so einen Schwarm kreischender Krähen anlockt – ein paar Minuten nicht einsam.
Spots – 11/12/24
Sie lacht mich an, kommt auf mich zu – und geht vorbei. Stöpsel im Ohr, passiert mich heiteres Geplauder, ebbt ab. Vor mir der einsame Park.
©Martin Bensen
Spots – 10/12/24
Die Frau, die mit versteinertem Gesicht an der Garderobe im Wartezimmer steht, wartend, ihre Jacke in der Hand.
©Martin Bensen
Nach dem Regen
Nach dem Regen
Kommt hoffentlich die Sonne
Der Traum verblasst
So gewaltig in der Nacht
Doch wie aus einer Zeit
Aus einem anderen Leben
Eine Spiegelung vielleicht
Ein Reflex von Pein in den
Hirnströmen des Schlafes
Ein Schrei, ein Echo Echo…
Tropfen trommeln noch
Hören auf am Morgen
Nach dem langen Regen
Zögert die Sonne zu scheinen
Dafür strahlt das Netz hinaus:
Töpfe glänzen, putzt man sie
Mit Zahncreme
Die über allem thronen (Gastein)
Reisesplitter IV
Über allem thronen die, denen es an nichts mangelt, nicht ganz auf dem Gipfel, dem nur kargen und schroffen, zu weit droben, den man gut im Rücken wissen kann, weil sie doch so hoch thronen, dass sie über die Baumwipfel hinweg ins Tal blicken können, auf die Spielzeughäuser, die Matchboxautos in einem schrägen Spinnennetz von Straßen, mittendrin eine kleine gelbe Kirche mit spitzem Turm, der sich hoch gen Himmel reckt und doch längst nicht die überragt, die über allem thronen, denen es an nichts mangelt, die auch eine Krise überstehen, was nicht ausgemacht ist für die da unten,
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Höret nimmer auf
Die Liebe höret nimmer auf
Jedoch die Weissagungen und
Sprachen und die Erkenntnis
So steht es geschrieben
Eher höret wohl die Liebe auf
Das Wahre Schöne und Gute
Als die Wiederkehr des Gleichen
Die Bügelwäsche in Ewigkeit
Timeout
Warum kann ich ihn nicht festhalten
Diesen Moment in dem ich alles weiß
In dem mein Geist die Welt umreißt
Wenn ich mitten in meinem Alltag
Aus der Zeit
Falle
Fasse
Ich dann zu
Verliere ich den magischen Moment
An einen schalen Hauch von Leere
Die mein Alltag restlos wieder füllt
Mit Trägheit und Vergessenheit
©Martin Bensen
Morgens
Auf dem Bahnsteig brandet
Das Meer der Masse Mensch
Schier endlos ist der Strom
Gesichter grau und matt
Harte Sohlen trommeln
Ihr Staccato auf Asphalt
In gleichem Takt marschiert
Das Koffer Rollkommando
So entleert sich dieses Heer
In die Stadt der Glasfassaden
Der Soldat auf Position
Für eine neue Datenschlacht