Grün sprießt nach dem Regen
Honiggelb ergießt sich Sonne
Und der Himmel wirft sein Blau
In jede kleine Pfütze
Doch allzu bald schiebt Wind
Wolken Regen Schnee herein
Schon biegt sich wieder alles
Wie erstarrt gen Osten
Grün sprießt nach dem Regen
Honiggelb ergießt sich Sonne
Und der Himmel wirft sein Blau
In jede kleine Pfütze
Doch allzu bald schiebt Wind
Wolken Regen Schnee herein
Schon biegt sich wieder alles
Wie erstarrt gen Osten
Was für eine Schnapsidee! Alles. Er ist komplett nass. Das Handy! Es war auch unter Wasser. Verdammt! Er hat extra nur das Smartphone mitgenommen, die Hotelkarte in die Schutzhülle gesteckt. Falls er einen Herzinfarkt bekommt, weiß man schnell, wer er ist, kann man … Nein, Anhörige verständigen, fällt aus. Seit Freitag hat er keine mehr. Nicht mal mehr die eine. Sie hat ihn verlassen. Als er es endlich begriffen hatte, ist er geflohen, erst wollte er zum Flughafen, in die Wärme fliegen. Dann tat er sich so leid, dass er sich lieber an einem einsamen, grauen Strand sehen wollte. Jetzt ist er da – und klitschnass.
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Sie hackt, sticht zu, reißt die Gabel hoch, lässt das Stück Schnitzel überaus schnell in ihrem Mund verschwinden, die Bewegung akkurat, entschieden. Jetzt nimmt sie das Messer hoch und richtet es auf die Frau gegenüber, das Gesicht verzerrt, die Lippen schmal, glänzend, von Fett, nicht von ihrem Lippenstift.
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Jahrein, jahraus das gleiche Spiel: Immer zum Ende blickt alles zurück, erinnert sich, stößt uns mit der Nase drauf – es gibt kein Entkommen, außer vielleicht am Nordpol, in der Wüste oder – mit viel Willenskraft – im digitalen Entzug, im Kloster oder an einem Ort, zu einer Zeit, in der man ganz bei sich sein kann. Denn wenn ich mich gar nicht erinnern will? Einfach nur leer sein, einfach auslaufen will?
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Kaum ein anderes als dieses Land
Hat so viele hässliche Menschen
So schön sei die Heimat, sagen sie
So lecker das Essen, so rein das Bier
Und doch schweifen sie in die Ferne
Trampeln mit ihren Bratwurstkörpern
Laut durch eine zauberhafte Welt
Saufen und lachen jede Demut weg
Irgendwo bellt immer ein Hund
Fällt eine letzte Tür ins Schloss
Hallt Abgesang aus Dohlenkehlen
Killt Langeweile Lebenssinn
Am grauen Himmel rasen
Düstere Wolkenfetzen
Wie Rauch von einem Brand
Wie Pulverdampf im Krieg
Noch leuchtet Herbstlaub
Gelb, rot – wie frisches Blut
Bald stehen kahle Birken
Gerippen gleich – bleich, tot
Letzte Blüten wie Tränen
Rinnen erschöpft zu Boden
Werden Erde, Humus, Dreck
Was mal war, ist ewig weg
Deine Währung, mein Freund,
Sind Sommer, warmes Mittendrin
Herbste nicht, Winter, Frühlinge
Nur eine steht für Tod? Ah geh …
Heißa welch ein Summen
Ein mannigfaltig Brummen
Hassgelenkter Wörterstampf
Rechtsgedrehte Haberei
Zum Schein nur Trübgefunzel
Ein Fackellauf von Fakes
Im Schlafe wandeln Schafe
Lichtern irr und wirr umher
Und Nacht umdunkelt wieder
Was ans Licht gezerrt gehört
Heiß, viel zu heiß. Das war so nicht ausgemacht. Bretagne geht anders. Dachte er. Ist den langen Weg gefahren, weil er genau ihr entfliehen wollte: der sengenden Hitze, die seit Wochen über dem Süden Deutschlands hängt. Der allem zusetzenden Trockenheit. Der lähmenden Trostlosigkeit. Hier an der Nordküste wollte er die bretonische Brandung spüren, rau und ungestüm. Frisch. Er hat auf das Tosen des Meeres gehofft, auf Gischt an Felsen, das Heulen des Windes, darauf, dass sich die Zunge endlich vom Gaumen löst, sei auch Salz auf den Lippen, dass das Wetter bretonisch ist – ruppig und kalt. Solcher Art scheint aber nur die Katze zu sein, die ihn unvermittelt anfaucht.
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Er war schon einige hundert Mal in der Galerie gewesen, doch heute starrten die Bilder zurück, so sehr, dass er sie nach dem ersten Schock fragte, was sie von ihm wollten, woraufhin er natürlich keine Antwort bekam, stattdessen starrten sie nur weiter, was sie zunehmend dümmlich aussehen und ihn zugleich ratlos werden ließ, sodass er beschloss, die Galerie auf schnellstem Wege und für immer zu verlassen.
Das Meer ist weit draußen, der Strand unendlich. Zwei Freundinnen kommen Arm in Arm aus den bretonischen Mauern. Die eine schlank in weißer Hose, weiß-blauem Ringelpulli, an den Füßen taubenblaue Slipper. Die andere übergewichtig in rot-grün-weißem, luftigem Rock, rotem T-Shirt und Pumps. Sie trägt einen Strohhut. Sie humpelt. Die schlanke Freundin stützt sie, geht trotzdem aufrecht, leichtfüßig, vielleicht war sie früher einmal Model. Jetzt betritt sie den gelben Sand, löst sich von ihrer Freundin, die auf die seitliche Mauer zusteuert, sich mit einer Hand abstützt. Dort, wo der Strand beginnt, tänzelt die Schlanke auf der Stelle, murmelt etwas von »feinem Sand«, bückt sich, nimmt mit drei Fingern eine Probe, zerreibt sie und nickt – und schaut doch etwas angeekelt. Feiner Sand. Krauses Näschen.
Sie geht auf ihre Freundin zu, die gebückt an der Mauer steht und an ihren Schuhen nestelt, die Riemchen endlich gelöst und sie von ihrer Freundin gereicht bekommt. Mit ihren Pumps in der Hand steuert sie auf den Sand zu, die Schlanke folgt ihr, lässt ihre Schuhe aber an. Sie muss ihre Freundin nicht mehr stützen. Die lacht jetzt, krallt sich mit ihren Zehen in den feinen Sand, reißt sich den Hut vom Kopf, langes blondes Haar wird gleich vom Wind erfasst. Jetzt tänzelt sie voran, immer schneller, sie wendet ihr Gesicht zur Sonne, lässt ihr Haar im Wind flattern, breitet die Arme aus, in der linken Hand die Schuhe, in der rechten den Hut. Sie will nicht fliegen, sie will nur den Sand spüren, die Sonne, den Wind.
Ihre Freundin folgt ihr. Steif. Beherrscht.
Nicht im TGV nach Paris
Doch auf der Autoroute
Erfährt jeder Reisende:
Felder und Wälder waren
Einst die Champs de bataille
Wenig zeugt noch von
Den Schlachten
Den Stellungskriegen
Der sinnlosesten Sinnlosigkeit
Menschlichen Verbrechens
Ein paar Schilder nur
Wer hier stoppt, sieht eine
Armee von weißen Kreuzen
Bald passé beim Shoppen
Auf der Champs-Élysées