Was für Zeiten wo
Menschen wirken
Wie Gefahren
Wie Hindernisse
Denen man besser
Aus dem Weg geht
Snippets
Lyrik, Gedichte
Minne
So fliehe ich vor Menschen
Bleibe achtsam nur bei mir
Doch wo bleibt der Trost
Wenn nicht du wie sonst
Mich kannst berühren
Wenn statt Deiner Hand
Tentakeln nach mir greifen
So singe ich von Minne
Wie einst das hohe Lied
Doch wo bleibt die Liebe
Wenn nicht unsere Lippen
Sich im Kuss vereinen
Wenn sie nur von Ferne
Mit Masken sich verhüllen
So schreibe ich Dir Postings
Winke Dir auf Displays zu
Doch wo ist die Wärme
Wenn wir uns nicht nähern
Noch in die Arme nehmen
Wenn nicht ein süßer Kuss
Vergiftet könnte sein
Zur Unzeit
Armer Frühlingsvogel
Du kommst zu früh
Nicht weil es noch kalt
Noch wenig gastlich ist
Nicht weil Blüten zwar
Doch Grün nicht sprießt
Armer Frühlingsvogel
Du kommst zu früh
Weil wir andere Sorgen
Haben als dich und ob
Von dir genügend seien
Ob du singst oder nicht
Assimiliert
Er ist wie der Kubus der Borg
Der neue Zeitgeist fängt uns alle
Verleibt sich unser Leben ein
Das einst so lebenswert war
Als wir noch wussten was falsch
Was sozial und menschlich war
Jetzt im Netz ist alles gleich groß
Ist alles allen ungleich wichtig
In Panik schreien wir nach Halt
Sehen nicht die wahre Gefahr
Dass wir erst unsere Vernunft
Dann unsere Freiheit verlieren
Krone
Krone der Schöpfung hast du Angst
Weiß du denn wovor du bangst
Ein Husten raubt dir die Vernunft
Der Irrsinn feiert Wiederkunft
Vor Corona bist du auf der Hut
Mit ner Grippe bist du allen gut
So ist der Dummheit Weltenlauf
Du verreckst – ich atme auf
Schattenriss
Draußen aus dem Schatten
Der vom Raum erhellten Tür
Löst sich wie ein Schemen
Die schwarz verhüllte Frau
Schon halb im Licht
Noch halb im Dunkeln
Zieht aus letztem Glimmen
Der Rauch erst weiß
Zum Schein hin schwarz
Ihm folgt die Nachtgestalt
Wie der Schatten ihrer selbst
Löst sich drinnen auf im Licht
Jammertal
Eine Art Moritat
O Neckartal du Jammertal
Es ging dir schon zu lange gut
O Neckartal du Jammertal
Erkalten wird die Eisenglut
Doch wer da denkt es geht den Bossen
In ihren flieh’nden Stahlkarossen
An ihre fein gestärkten Kragen
Der hört noch nicht die Schwaben klagen
Die saufen wieder eig’nen Wein
Der fremde ist nun viel zu fein
Den Geiern schmeckt er allemal
O Neckartal du Jammertal
Nachthimmel
Über mondscheinhellen Wipfeln
Schweben geisterhafte Schleier
Sie fliehen mit der Finsternis
Sobald du ihr entgegengehst
Vor dem Winter
Vor dem Winter ragen kahle Äste
In den grauen Himmel
Der Wind reißt letzte Blätter mit
Auf den nassen Boden
Das heiße Blut der Leidenschaft
Ist endlich abgekühlt
Die Kraft des Lebens weicht zurück
Es fällt in tiefen Schlaf
Was haderst du mit diesem Lauf
Treibst weiter Blüten aus
Zur Unzeit kommt dein Widerstand
Im Eis wird er erstarren
Requiem „Im Dorfe“
Zusammengesunken sitzen sie
Und bestatten wieder einen
Aus ihren Reihen
Zwei Kirchenbänke reichen aus
Es sind nicht mehr so viele
Zum Trauern da
In der Luft ein Hauch von Leben
Im Stoff der Nachklang süßen Dufts
Aus besseren Zeiten
Aus dem Holz der alten Bänke
Weicht Muff von schwerem Balsam
Wie manche Flatulenz
Zum Himmel stinken tiefe Seufzer
Von halb verwestem Bratenfleisch
In fauligen Gebissen
Asche zu Asche Staub zu Staub
Sehet nur ihr alle seid des Todes
Wie der im Sarg
Blutleer aber voll von Ehrfurcht
Stehen sie schwankend vor dem Grab
Dem schwarzen Loch des Lebens
Das Leben endet beim Discounter
Bleiche Gestalten im Novembergrau
Freudlose Gesichter im Neonlicht
Der fahle Morgen gehört ihnen
Den Nutzlosen und Aussortierten
Manche wollen nur etwas Wärme
Andere kaufen gerade das Nötigste
Was sie zum Leben noch brauchen
Das so trostlos wie die Ladenregale
So unüberlebenswichtig
So sterbenslangweilig ist
Ergrauen
Siehst du die Gartenmöbel
Wie sie draußen verwittern
Einsam ergrauen
Hässlich werden
Alt und spröde
Nicht mehr gemocht
Schließlich ausgemustert
Aus dem Leben verbannt