Requiem „Im Dorfe“

Zusammengesunken sitzen sie
Und bestatten wieder einen
Aus ihren Reihen

Zwei Kirchenbänke reichen aus
Es sind nicht mehr so viele
Zum Trauern da

In der Luft ein Hauch von Leben
Im Stoff der Nachklang süßen Dufts
Aus besseren Zeiten

Aus dem Holz der alten Bänke
Weicht Muff von schwerem Balsam
Wie manche Flatulenz

Zum Himmel stinken tiefe Seufzer
Von halb verwestem Bratenfleisch
In fauligen Gebissen

Asche zu Asche Staub zu Staub
Sehet nur ihr alle seid des Todes
Wie der im Sarg

Blutleer aber voll von Ehrfurcht
Stehen sie schwankend vor dem Grab
Dem schwarzen Loch des Lebens

©Martin Bensen

Das Leben endet beim Discounter

Bleiche Gestalten im Novembergrau
Freudlose Gesichter im Neonlicht
Der fahle Morgen gehört ihnen
Den Nutzlosen und Aussortierten
Manche wollen nur etwas Wärme
Andere kaufen gerade das Nötigste
Was sie zum Leben noch brauchen
Das so trostlos wie die Ladenregale
So unüberlebenswichtig
So sterbenslangweilig ist

©Martin Bensen

Hölle

Mit ihrem Körper ist sie
Ihm zugewandt
Doch schaut sie auch
Was sich sonst noch bietet

Ihm scheint sehr wichtig
Was er sagt
Doch ihr Glas ist leer
Sie leckt sich ihre Lippen

Da holt der Kellner das Paar
Ab an seinen Tisch
Sie ist schon unterwegs
Als der Mann sich erst erhebt

Aus den Lautsprechern quält
Sich Jazzgesang
I’m on the highway to hell
Seicht entbeint von Carla Bruni

Hölle Hölle Hölle gröhlt es
Aus dem Club
Dorthin zieht es sie sobald
Er von ihrer Hand ermattet schläft

©Martin Bensen

Timeout

Warum kann ich ihn nicht festhalten
Diesen Moment in dem ich alles weiß
In dem mein Geist die Welt umreißt
Wenn ich mitten in meinem Alltag
Aus der Zeit
Falle

Fasse
Ich dann zu
Verliere ich den magischen Moment
An einen schalen Hauch von Leere
Die mein Alltag restlos wieder füllt
Mit Trägheit und Vergessenheit

©Martin Bensen

Endstation Bäckertheke

Die Tasse längst geleert
Auf dem Teller noch
Ein Bissen zum Bleiben
Bis die Theke schließt

So sitzen drei Gestalten
Je an einem Bistrotisch
In der dunklen Nische
Gleich an der Besenkammer

Vorn im hellen Licht
Regt sich noch Broterwerb
Das Leben hier macht
Dort den Winkel tot

Macht sie zu Zombies
Die nichts mehr erwarten
Oder bestenfalls noch das
Was vom Tage übrigbleibt

©Martin Bensen

Zur Nacht

Hätte ich nicht dieses Licht
In das ich diese Zeilen
Wie filigrane Schatten
Wie Fliegenbeinchen setze
Es wäre dunkel um mich

Würde ich nicht diese Worte
Auf den Tasten tippen
Sie mal vorwärts treiben
Mal mutlos wieder löschen
Es wäre still um mich

Wäre ich nur endlich ruhig
So hörte ich die Grillen zirpen
Und sähe in der Ferne Licht
Spürte wie die Welt zur Nacht
Wie ich sich schlafen legt

©Martin Bensen

Party-Aal

Nein kein Partylöwe
Bist du
Ein leiser Gast
Bist du
Ein feiner Mensch
Bist du
Auf jedem Fest
Bist du
Stets im Hintergrund
Bist du
Ein stiller Zuhörer
Bist du
Ein Vertrauter
Bist du
Ein lieber Gast
Bist du
Ein wahrer Party-Aal

©Martin Bensen