Hallo du Schöne
Sitzt du draußen
Vor der Cocktailbar
Wo Männer dich
In ihren Autos
Umkurven wie jene
Einst auf Schiffen
Nur schön sein
Musst du dort
Und sie locken
Nicht ins Verderben
Nur zur Bar
©Martin Bensen
Snippets
Lyrik, Gedichte
Feedback
Um es gleich zu sagen:
Du warst richtig gut!
Richtig, richtig gut.
Gut, vielleicht nicht…
Okay, das jetzt nicht…
Jetzt, wo du es sagst…
Findest du das auch?
Stimmt, das hätte man…
Man hätte es besser…
Besser anders, genau…
Genau besehen nein…
Nein, das ist nicht gut…
Naja, aber schlecht…
Ach, das war falsch?
Ja, das ist scheiße!
Aha, na dann…
Mach du’s auch gut.
©Martin Bensen
Man sollte nicht die Ohren spitzen, wenn jemand telefoniert. Aber komisch war das Gehörte schon. Hab es zugegebenermaßen zugespitzt…
Ausgetrieben
Du bist getrieben
Treibst dich selber
Immer vorwärts
Immer schneller
Du merkst zu spät
Dass es vorwärts
Nicht mehr schneller
Dass es gar nicht geht
So rast du vorwärts
Siehst zu spät
Dass all die anderen
Schon stehen
©Martin Bensen
Weird
Ein weißer alter Mann
Fragt seinen Sohn
Warum er weird
Statt seltsam sagt
Du sprichst das falsch
Sagt er und fleht ihn an
Bitte mach mir meine
Wörter nicht kaputt
©Martin Bensen
Im Abgang leicht bitter
— Wünschen Sie die Speisekarte?
Er: Bitte.
Sie: Eine bemerkenswerte Ausstellung.
Er: Ja, seine Werke sind sattsam bekannt. Und doch hat diese Kompilation ihren ganz besonderen Reiz.
Sie: Das Konzept ist ganz ausgezeichnet. Hab ich Roland auch gesagt.
— Bittesehr, die Herrschaften, was darf es denn zum Trinken sein?
Er: Für meine Gattin einen Prosecco, für mich einen leichten Sommerwein. Was haben Sie denn da? Ah, der offene Pinot Grigio ist sicher eine gute Wahl. Ach, und ein stilles Wasser bitte.
Sie: Neulich in Mailand war ich enttäuscht. Die Stadt scheint ihre besten Zeiten auch hinter sich zu haben.
Er: Ja, an vielen Ecken Verfall und Schmutz. Direkt an den Kulturstätten. Das war vor einem Jahr noch anders.
Sie: Du sagst es! Das ist geschmacklos. Ich habe kein gutes Gefühl, was die Zukunft Italiens angeht…
— Bitteschön!
Sie: Danke. Auf das schöne Leben!
Er: Cin cin, meine Liebe! … Hm, im Abgang leicht bitter. Da hätte ich ja gleich ein Tonic Water nehmen können.
Sie: Mein Prosecco ist fein.
Er: Das ist natürlich auch ein Sargnagel für ein Restaurant, wenn die Karte nie wechselt.
Sie: Wirkt leider sehr vertraut.
Er: Für Leute wie Wolfram ist so etwas skandalös.
Sie: Ach ja, Wolfram…
Er: Andererseits ist das hier ein Hotel, da kommen die Gäste selten ein zweites Mal.
Sie: Wolfram ging zwei Jahre lang immer in dasselbe Restaurant, aß immer dasselbe beschissene Fleisch. Es war meist furchtbar zäh!
Er: Wolfram ist aber auch ein Arschloch.
— Was darf es denn zu Essen sein?
Er: Danke, wir essen nichts.
Sie: Die Rechnung bitte!
©Martin Bensen
Kompiliert (und fiktiv ergänzt) aus einem nicht zu überhörenden Gespräch am Nebentisch – im Restaurant eines ganz hervorragenden Hotels. Der deftige Teil des Dialogs ist der authentische…
Beziehungsspion
Lange starrt er nur
Auf sein Handy
Oder in die Luft
Auf jeden Fall an ihr vorbei
Auch sie starrt nur
An ihm vorbei
Irgendwo hin
Auf keinen Fall jedoch ihn an
Dann stehen sie auf
Und gehen stumm
Hand in Hand
Lassen den Beziehungsspion ratlos zurück
©Martin Bensen
Das dicke Ende
Fassungslos starrt sie auf ihn
Die Massen die er frisst
Agil und schlank ist sie
Wird ihn um Jahre überleben
Das weiß der Dicke auch
Doch es ist ihm wurscht
Sein fettes Herz schlägt eh
Schon lang nicht mehr für sie
©Martin Bensen
Selbstfindung
Irgendwann hast du aufgegeben
Einer Schönheit zu folgen
Die es für dich nicht gibt
Irgendwann hast du losgelassen
Deinen Frieden gemacht
Mit dem Ich das du bist
Irgendwann hast du gefunden
Was deinen Typ ausmacht
Auch wenn es Pumuckl ist
©Martin Bensen
Altes Leben
Wenn das Tischgespräch verstummt
Wie nach Jahren immer öfter
Sitzen sie krumm und starren
Mehr ins Leere als aufs Leben
Pulen dann in Backenzähnen
Mit der Zunge ihren Speisen nach
Spucken unwillkürlich Bröckchen
Wenn das Tischgespräch erneut beginnt
Von der Kette
Die Leidenschaft
Die räuberische
Knurrt schon
In der Höhle
Die Liebe
Die anmutige
Lässt sie
Von der Kette
Morgens
Auf dem Bahnsteig brandet
Das Meer der Masse Mensch
Schier endlos ist der Strom
Gesichter grau und matt
Harte Sohlen trommeln
Ihr Staccato auf Asphalt
In gleichem Takt marschiert
Das Koffer Rollkommando
So entleert sich dieses Heer
In die Stadt der Glasfassaden
Der Soldat auf Position
Für eine neue Datenschlacht
Ähmgenau
Wann genau wurde denn
Aus Reden eine Diaschau
Und aus freiem Referat
Ein Wettlauf gegen Zeit
Alles muss gefüllt sein
Ohne Pause ohne Halt
Im Fluss des Vortrags
Scheint Stille wie Verlust
Doch was gewinnst du
Durch ein Ähm
Durch ein Genau
Durch ein Ähmgenau?