Dieses Buch riecht muffig
Seine Seiten sind vergilbt
Sein Autor längst verblichen
Sein Inhalt ohne Nutzen
Wie Haargeflecht im Abfluss
Ein krauses in der Lakenfalte
Spült die Nachwelt Überreste
Und jegliches Erinnern fort
Lyrik, Gedichte
Dieses Buch riecht muffig
Seine Seiten sind vergilbt
Sein Autor längst verblichen
Sein Inhalt ohne Nutzen
Wie Haargeflecht im Abfluss
Ein krauses in der Lakenfalte
Spült die Nachwelt Überreste
Und jegliches Erinnern fort
Mit jedem Fall von jähem Tod
Stirbt leise auch ein Stück in mir
In meiner selbstvergessenen Welt
Von sorglos-steter Wiederkehr
Doch mein Leben hält nicht still
Ich bin ja noch und brenne fort
Wie Sonne, Mond und Sterne
Nur bei weitem nicht so ewig
So wenig wie der klare Himmel
Sich blau auf Meeren spiegelt
So steht für sich das Farbenmeer
Von wilden Blumen auf dem Feld
Es ist das Licht mit allen Farben
Das ein Fang der Netzhaut wird
So viel das Auge kann erblicken
So selten ist der Himmel bunt
Mensch du bist getaktet
Das Ticken deiner Uhr
Zerhackt dir deine Zeit
Jetzt und jetzt und jetzt
Meer du kommst in Wellen
Nach ewigem Naturgesetz
Rhythmisch aber ohne Takt
Lässt du mich zeitlos sein
Das Junigras des Wiesenlands
Durchströmen Wasserarme
Zwischen Säumen von Schilf
Bis ganz hinaus zum Horizont
Es gibt den einen Winkel
Aus dem es einem scheint
Als spiegele sich nicht darin
Als falle der Himmel hinein
Schleimig schmierig aalt er sich
Schmachtend noch, sie schmollend
Ab er schwillt und schwächt sich
Schmeckt er nicht die Schmach?
Überall der eitle Chauvinismus
Wie er aufpoppt, spammt, bedrängt
In Junkmails Kunden ständig fragt
Liebling, sag, wie war ich?
nichts an allem ist mehr btw
nichts mehr zwanglos
nichts mehr leicht
#partyverbot
nicht mehr belanglos sein
wie mein freund der mir verrät
dass er mit seiner bürstenhaarwäsche
die fingernägel reinigt
#maskenpflicht
nicht mehr sicher sein
ob die frau im zug gegenüber lächelt
und wenn sie lächelt
wie sie lächelt
#ausgangssperre
nicht mehr spüren
wie sich stille über den weinberg senkt
die erhabene des sternenweiten alls
nicht die der gruft daheim
#reisewarnung
nicht mehr kerosin riechen
ohne die sorge dass dies nur ein traum
nur der rauch des grillanzünders
nebenan sein könnte
nichts ist mehr geil oder cool
nichts mehr krass nur krass
alles ist lame
Nichts anderes ist Glück
Als dich
Wenn du freudestrahlend
Dem Regen trotzend
Ihn auch genießend
Auf mich zurennst
Bedingungslos
Zu lieben
Tropfen tropfen nicht nur so
Hier trommeln sie auf Blech
Dort prasseln sie durch Blätter
Zerplatzen auf der Straße
Zerstieben in alle Richtungen
Zerfließen zu langen Strömen
Klatschen weiter dahinein
Peitschen meine nackte Haut
In Reih und Glied
Wie auf dem Feld
Einem Gräberfeld
Stehen sie im Wald
Nicht Steine noch Kreuze
Gleich einem Kerzenheer
Umschirmen diese Stelen
Noch zartes neues Leben
So passt denn doch
Was im Leben Hab
Und jetzt noch Gut ist
In einen Pappkarton
Für den letzten Umzug
In die Gruft auf Abruf
Oben auf dem Speicher
Steht der Sarg der Dinge
Was bleibt von all den Büchern
Was mehr als Papier das vergilbt
Wie Haar auf einem alten Kopf
Ein Barthaar in der Totenmaske