Im Abfluss

Dieses Buch riecht muffig
Seine Seiten sind vergilbt
Sein Autor längst verblichen
Sein Inhalt ohne Nutzen

Wie Haargeflecht im Abfluss
Ein krauses in der Lakenfalte
Spült die Nachwelt Überreste
Und jegliches Erinnern fort

©Martin Bensen

Selten der Himmel

So wenig wie der klare Himmel
Sich blau auf Meeren spiegelt
So steht für sich das Farbenmeer
Von wilden Blumen auf dem Feld

Es ist das Licht mit allen Farben
Das ein Fang der Netzhaut wird
So viel das Auge kann erblicken
So selten ist der Himmel bunt

©Martin Bensen

Zeitlos

Mensch du bist getaktet
Das Ticken deiner Uhr
Zerhackt dir deine Zeit
Jetzt und jetzt und jetzt

Meer du kommst in Wellen
Nach ewigem Naturgesetz
Rhythmisch aber ohne Takt
Lässt du mich zeitlos sein

©Martin Bensen

Wie war ich?

Schleimig schmierig aalt er sich
Schmachtend noch, sie schmollend
Ab er schwillt und schwächt sich
Schmeckt er nicht die Schmach?

Überall der eitle Chauvinismus
Wie er aufpoppt, spammt, bedrängt
In Junkmails Kunden ständig fragt
Liebling, sag, wie war ich?

©Martin Bensen

missing btw

nichts an allem ist mehr btw
nichts mehr zwanglos
nichts mehr leicht

#partyverbot
nicht mehr belanglos sein
wie mein freund der mir verrät
dass er mit seiner bürstenhaarwäsche
die fingernägel reinigt

#maskenpflicht
nicht mehr sicher sein
ob die frau im zug gegenüber lächelt
und wenn sie lächelt
wie sie lächelt

#ausgangssperre
nicht mehr spüren
wie sich stille über den weinberg senkt
die erhabene des sternenweiten alls
nicht die der gruft daheim

#reisewarnung
nicht mehr kerosin riechen
ohne die sorge dass dies nur ein traum
nur der rauch des grillanzünders
nebenan sein könnte

nichts ist mehr geil oder cool
nichts mehr krass nur krass
alles ist lame

©Martin Bensen