Winterfest

Als der Sommer sich zum Herbst verfärbte
Der mit bunten Düften für sich warb
Mich trügerisch in goldener Wärme wiegte
Um mich doch dem Winter auszuliefern

Packte ich meine verrückte unmögliche Liebe
In eine luftdichte Hülle aus Klarsichtfolie
Aus der ich doch nur weiter sehnend sah
Wie aus meinen Tränen Eisblumen wuchsen

©Martin Bensen

Herbst ist laut (Luxusvariante)

Durch Laub fährt raschelnd mein Rad
An Villen und Gärten vorbei
Wo Aufsitzmäher, Sägen und Gebläse
Unter herrschaftlicher Aufsicht
Hinter schalldichten Fenstern
Lautstark den Herbst abwehren

Leiser surren die Reifen jetzt
Dem Kampfeslärm davon
Auf einen Herrn im Smoking zu
Der charmant im Wiegeschritt
Champus und Rosen im Arm
Singend den Herbst begrüßt

©Martin Bensen

Herbst ist laut

Während bunte Blätter leise zu Boden schweben
Röhren Motorsägen lustvoll in saftigen Stämmen
Dröhnen Laubbläser tumb gegen moosige Zäune
Wühlen Traktoren träge auf staubigen Feldern
Scheppern Anhänger tanzend auf löchrigen Straßen

Während müde Bauern träge das Heu einholen
Hängen Häupter lustlos über den Lenkern
Stehen Pferde still im Stall
Schnauft ein Hund leise im Hof
Fällt das letzte Laub rasch zu Boden

©Martin Bensen

 

Wenn du gehst

Wie oft wird es mich an diesen Platz ziehen, genau dahin, wo wir gerade sind? Jetzt hältst du mich noch, streichst mit deinem Daumen zärtlich, fast unmerklich über meine Hand im Sand. Obwohl ich den Blick abgewendet habe, spüre ich deinen weiter auf mir ruhen. Das letzte Mal, als ich dich angesehen habe, war die Farbe deiner Augen genau die des Sees, an dem wir gerade sitzen – sie sind eins geworden. Jetzt schaue ich auf das Wasser, versuche mich einzuschwören auf die Zeit ohne dich, mir einzureden, dass die tanzenden Lichtreflexe auf der blau-grünen Oberfläche deine zauberhaften, mal träumenden, mal lustvollen Augen sein werden. Dass die Ufergrashalme, die meine entblößten Waden umschmeicheln, deine zärtlichen Finger seien, die mich heute ein letztes Mal und dann auf diese Weise immer streicheln werden. Dein Haar, das wie ein anmutig wogendes Kornfeld die milden Sonnenstrahlen auffängt, es wird auch dann noch nach Sommer riechen, wenn du fort bist, wenn nur noch das fruchtbare Hinterland seine feinen Düfte bis hierher schickt, die ich dann wohl unersättlich tief in mich einsaugen werde, so wie jetzt ein letztes Mal den unverwechselbaren, betörenden Geruch deiner Haut. Deine Lippen, die meine noch einmal berühren, ganz behutsam, nichts mehr fordern, sich langsam lösen, den Abschied besiegeln, es werden nur noch meine sein, die den Hauch des Windes spüren, seine sanfte Brise schmecken, als wäre es dein Atem, der sich immer noch mit meinem vereint. Jetzt spüre ich das Gras an meinen Beinen, den Sand auf meiner Hand, den Duft von Heu in meiner Nase, den warmen Sommerwind auf meiner Haut, auf meinen Lippen den letzten Kuss, sehe das Blau des Sees – in meinen Augen verschwimmen. Jetzt bist du weg.

©Martin Bensen

Abschied

Ihr seid die Unbändigen
Die Hochfliegenden
Die nach Süden reisen

Ihr seid die Unverzagten
Die Ausschwärmenden
Die einfach von hier abhauen

Ihr seid die Unruhigen
Die Getriebenen
Die der Kälte entfliehen

Ihr seid die Untrüglichen
Die Himmelszeichen
Die den Sommer beenden

©Martin Bensen

Wenn die Welt

Wenn die Welt sich mal schneller dreht
Als du das Gleichgewicht halten kannst
Dann brauchst du einen neuen Standpunkt
Sagt dir die Vernunft

Wenn die Welt sich mal schneller dreht
Als du auf den Beinen bleiben kannst
Hat nicht sie – hast du ein Problem
Sagt dir der Verstand

Wenn die Welt sich mal schneller dreht
Als Du ihr widerstehen kannst
Lass dich fallen und fliege mit
Sagt dir die Liebe

MB, August 2017 – und immer wieder die Liebe… 😉

©Martin Bensen

Sagst du mir dann

Wenn ich traurig bin und meine Tränen nicht versiegen
Sagst du mir dann, es wird alles wieder gut?
Wenn mein Herz rast und Angst die Kehle zuschnürt
Sagst du mir dann, du bist sicher bei mir?
Wenn ich verzagt bin und meine Knie weich werden
Sagst du mir dann, wir werden das schaffen?
Wenn ich zornig bin und meine Hände zittern
Sagst du mir dann, es ist anders als du denkst?
Wenn ich vor Sehnsucht vergehe und deine Liebe vermisse
Sagst du mir dann, warum es aus ist?

©Martin Bensen, August 2017 – Es ist ein seltsames Gefühl, wenn dir jemand sagt, er liebe dich nicht mehr. Es ist, als falle man aus der Welt. (1983)

Das Meer verschwinden lassen

Wenn Sehnsucht wie das Meer
Mit Wucht aufbrandet
Uns machtvoll mitreißt
Gierig verschlingt
Uns wieder ausspuckt
Sich endlich beruhigt
Mit flacheren Wellen
Uns zart umschmeichelt
In Sanftmut wiegt
Um nur kräftiger krachend
Uns jäh wieder einzuholen
Noch tiefer aufzuwühlen
Bis zum Krieg der Gefühle
Dann schützt uns wohl ein Hafen
Doch friedvoll wäre einzig
Das Meer verschwinden zu lassen

©Martin Bensen, 17. Juni 2017 – Kaum zu glauben, die Sehnsucht wahrer Liebe begann für mich genau heute vor 37 Jahren, unter einem Vordach bei heftigem Gewitter. Sie geriet drei Jahre später in ihre schmerzvolle Phase, die erste und nicht die letzte…  

 

Alleinzeit

Mit der Zeit
Wird aus der Zeit
Die Du allein sein willst
Nicht nur eine Zeit des Alleinseins
Sondern schleichend eine Zeit der Einsamkeit
So lässt die einmal gewollte Alleinzeit
Allein Dich und Deine Zeit
Schließlich allein Zeit
Dir Übrig

©Martin Bensen, 14. Juni 2017 / Dießen, Ammersee