Das Personal in meinen Träumen
Ist unfreundlich, nicht menschlich
Kein Wunder, es sind Träume
Sagst du dort, wo du sonst nie bist
Nicht bist wie du – nicht du bist
Wie all das geträumte Personal
Unfassbar, unnahbar, unwirklich
Anders als in jeder Erzählung
Vielleicht, weil jeder Traum
Auch den Träumenden erzählt
Schon Gedanke, stößt er mich
In die wache Welt
Snippets
Lyrik, Gedichte
Herbstlaub
Ein Stückchen
Beim Altenheim kommt der Herbst früher.
»Das ist die Natur«, sagt der Gärtner. »Die jungen Bäume kriegen ihr Laub schneller, dafür verfärbt es sich früher wie bei den alten.«
»Als! Hm, aber ja«, sagt der Passant. »Sehr früh, würde ich sagen. Der September ist ja kaum rum. Zum Glück ist das bei uns Menschen anders.« Er deutet auf seine blonde Fönfrisur und auf das schüttere graue Haar des Gärtners.
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Winziger Tod
Regen rauscht ein fernes Grummeln
Aus der nassen Sommernacht hat sich
Ein winziges Insekt ins Licht verirrt
Es setzt sich auf das R von Richter
Mein aufgeschlagenes Buch Seite 149
Kindeswohl von Ian McEwan
Ich wische sanft und doch zu fest
Hätte ich doch nur gepustet
So stirbt es, das kleine Insekt
Zerrieben auf dem R von Richter
Ich schließe das Buch, die Todesseite
Sterben ist immer absolut
An der Förde
An der Förde liegen Leichen
Einfach so am Strand herum
Wie sie starren und verbleichen
Wie sie vergehen, still und stumm
Da hilft kein Klagen und kein Klammern
An der Förde weht ein anderer Wind
Lass man gut sein und nicht jammern
An der Förde weht ein anderer Wind
An der Förde brechen Bäume
Aus dem Wald ins Bodenlose
Dem Hang entrutschte Träume
Ausgelaugte Ahnungslose
An der Förde thront der Wald
Über seinem bleichen Abgesang
Ein Raunen im Wind, warte nur bald
Ragt das, was noch krallt, ins Nichts
(Musikalische Umsetzung in der Art eines Schunkel-Seemannsliedes …)
Stella mortis
Kalter Nebel verschleiert alles
Verrat dringt durch jede Ritze
Du strahlst, eine falsche Sonne
Ohne Wärme, ein Bannstrahl
Natürlich ist Liebe auch in dir
Wer weiß, in einer anderen Welt
Hier ist dein Kuss ein Judaskuss
Süßes Marzipan Bittermandeltod
Der Stern, der dein Name sei,
Brandmarkt Millionen zu Tode
Auch jene, die dich so hießen
Ihr Ende nicht in deiner Macht
Eine Kerze im Fenster
Sie stellt eine Kerze ins Fenster
Gegen die Kälte da draußen
Mehr noch gegen das Dunkel
Der Erinnerungen
Sie stellt eine Kerze ins Fenster
Am Jahrestag des Feuersturms
Auch gegen den neuen Sturm
Der Entrüstungen
Im Fenster brennt eine Kerze
Zum Gedenken ihrer selbst
Mehr bleibt nicht übrig als
Das Vergessen
Gleichrichter
Es gibt Menschen
Die Horizonte erweitern
Und es gibt Menschen
Die in einen Tunnel führen
Jene sind solche
Die denken lassen
Diese sind die
Die eintrichtern
Erstere sind zu wenige
Letztere immer die Vielen
So sehen zwar alle die Sonne
Und gehen doch ins schwarze Loch
Tag 1, D
Räson
Die Räson ist ein schleichendes Gift
Sie ist nicht Vernunft, die Verstand
Und Gefühl aufhebt als höchstes Prinzip
Unverrückbar, unbestechlich, menschlich
Die Räson ist ein schleichendes Gift
Sie tut so wichtig wie die Vernunft
Doch ist sie nur ihr blutleeres Abbild
Unnahbar, unfrei, unmenschlich
Tag X, Dreikönig, Österreich
Brief
Es bleibt auch nicht am Ende
In Liebe
De-
Moll ist dir lieber als Dur
Dein Singen geht nach innen
Dein Spiel aus dir heraus
Dann lachst du bist ganz da
Bis du dann wieder gehst
Hinab zu dir ganz bei dir bist
Wo nichts ist nur alles eng
Das macht der Tunnel
Zwischen dir und draußen
Das Licht der Sog von da
Kalte Vernunft greller Tag
Brechen ein in deine Nacht
Erhellen nichts blenden nur
Zu Tränen die nicht versiegen
Dir nichts leichter machen
So wenig wie Umarmungen
Die nicht tief genug rühren
Deine Seele kaum wärmen
Vielleicht diesen Schmerz
In deinem Kopf etwas lindern
Einmal gehst du raus in die Welt
Raus aus dir in weites Land
Dort breitest du die Arme aus
Spürst du wie die Welt dich hebt?
©Martin Bensen
leeres land [namibia]
long not winding road windy sandy dusty
busch geduckt im sonnenbrand
wind wirbelt säulen aus staub
verbohrt sich in gedorn verdorrt
versiegtes nass gewittert von wild
akazien grünen über nacht
blattwerk an stachelgiftgesträuch
pap im pott ungepoppter weißmaisbrei
stalagmiten ragen sandverbacken
äste benestert von weberwesen
wanderdünen wellendeko rotverweht
gelbgefels schwarzweißstein rosa braun
sand sand sand geröll geröll gebirge
autoreifen wie kadaver halbvergraben
game not gambling chasing one will die
©Martin Bensen
Steinsoldaten
Gesichter schälen sich grimmig
Aus dem schwarzen Felsgeröll
Dem Gräberfeld im Wüstenstaub
Steingebilde erheben sich daraus
Formen sich zu Panzerkörpern
Erst stolpern sie noch ungelenk
Marschieren bald in Reih und Glied
Ein düsterer Trupp im Tod vereint
Ein kalter Lavastrom im Nirgendwo
Zum Kraterrand strebt die Armee
Soldaten fallen, Menschen sterben
Sinnlos jeder – wie in jedem Krieg