Als Levin Müller erwachte, sah er über sich acht Augenpaare, eines kannte er nicht.
»Endlich«, sagte seine Frau. »Wir mussten den Notarzt rufen. Was ist mit dir?«
»Eine sehr tiefe Ohnmacht«, brummte der Arzt – das fremde Augenpaar.
Levin stöhnte, alles drehte sich, er fühlte sich matt, als wäre er einen Marathon gelaufen. Wie vor fünf Jahren, das erste und das letzte Mal, ihm war hundeelend gewesen. Eine Woche tat ihm alles weh, selbst der Kopf. Jetzt auch, aber anders, eine Art Nervenschmerz, wie nach einem Elektroschock. Und wie ein Schlag die Erkenntnis: »Ich war eine Fliege.«
»Was ist mit Papa?«, fragte seine zehnjährige Tochter ängstlich.
»Muss er jetzt sterben?«, flüsterte sein Sechsjähriger und sah seine Mutter und diese den Notarzt an.
Der konzentrierte sich, was wohl beruhigend wirken sollte, auf das Verstauen seiner Notausrüstung. Er hatte Levin eine Spritze gegeben, das Knittern der Verpackung erinnerte Levin an etwas. Einen Erdnuss-Schoko-Riegel – Levin schmeckte ihn förmlich, jetzt was Süßes! Der Arzt schien seine Gedanken zu lesen.
»Die Glukose sollte schnell wirken, die Werte sind, soweit ich es messen kann, wieder halbwegs normal. Ihre Unterzuckerung war äußerst kritisch, Herr … äh … Müller, das war keine einfache Synkope, das muss man abklären. Der Rettungswagen ist angefordert.«
Auf dem Weg in die Klinik lag Levin allein im Rettungswagen, hörte das Lachen der beiden Sanitäter vorne, junge Stimmen, der ganze Wagen schaukelte ihn recht unsanft auf der Trage, immerhin war er angeschnallt. Seine Frau wollte nachkommen, ihm Sachen bringen. Was gibt das?, dachte er. Und was war das? Es war paradox: So klar wie nach dem Aufwachen war er inzwischen nicht mehr, vielleicht ein Beruhigungsmittel? Hatte er nur schlecht geträumt? Eine Ohnmacht ist kein Schlaf, wer weiß, was das Gehirn einem vorgaukelt. Sein Gefühl sagte ihm jedoch, dass es mehr war als ein Traum, dass er wirklich diese Fliege war.
Er war aus dem Garten gekommen, das Rasenmähen hatte ihn kaum angestrengt, er liebte es, im Grünen zu sein, sich dem gleichförmigen Brummen des Motors hinzugeben, dem Duft nach frischgeschnittenem Gras, er genoss es, diese gleichförmigen Bahnen zu schieben, sich halb von der Maschine ziehen zu lassen, sie halb zu schieben und dabei seinen Gedanken nachzuhängen. Es hatte eine Zeit gegeben, als diese Gedanken schwermütig waren, damals wäre er fast entlassen worden, sein Vorgesetzter hatte ihn auf dem Kieker und üble Spielchen gespielt, die erst durch ein Machtwort des Personalchefs beendet wurden, mit dem konnte Levin, und er war seine Rettung. Damals war er nah an einem Burnout gewesen, er hatte zu laufen begonnen, einen Marathon geschafft, aber eben nur den einen. Das Training hatte ihm immerhin den Arsch gerettet, ihn nicht in ein Loch fallen lassen, dafür konnte er dankbar sein. Wie dem Personalchef. Der hatte ihm einen Rat gegeben, nämlich härter zu werden. Du bist zu lieb, hatte er gesagt, willst es allen recht machen, empathisch bis zur Selbstaufgabe, das nutzen andere aus, da draußen sind Raubtiere, weißt du. Aber was sollte er machen, so war er nunmal. Viele dankten es ihm, sagten, er sei ein guter Teamleiter. Es tröstete wenig, das Grundvertrauen war dahin, er wusste nicht mehr, wer es ehrlich meinte.
Und jetzt diese seltsame Sache mit der Fliege. Was war das? Er erinnerte sich noch, dass er im Haus gewesen war, um sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen, alkoholfrei natürlich, er achtete jetzt auf sich. Achtsamkeit, auch so ein abgenudeltes Wort wie Empathie, dachte er kopfschüttelnd. Es hatte am Fenster geklopft, immer wieder, ganz leise, dann das Brummen, eine ungewöhnlich große Fliege hatte ihn überholt, war in einem Zickzackkurs vor ihm her geflogen, plötzlich langsamer – oder war er nur schneller? Er war ihren Bewegungen gefolgt, hatte sie mit seinen Blicken fixiert, ganz scharf war sie ihm erschienen, trotz der unruhigen, schnellen Bewegungen hatte er sie in allen Facetten gesehen, die Schläge der Flügel mitzählen können, sich ihr seltsam nah gefühlt, sich noch gefragt, wie so ein Fliegenleben wohl wäre, als er es plötzlich gewusst hatte, intuitiv, ohne Verstand, ohne Boden unter den Füßen, welche Füße? Ein Schweben, hoch hinaus wollte er und das konnte er, der Raum, größer nun, viel größer alles, die Möbel, der Kühlschrank ein Monument, allein der Griff, niemals würde er daran ziehen können, wie auch ohne Hände? Warum auch? Dort drüben das Licht, das saftige Grün, die ganze Weite, dorthin trieb es ihn. Er genoss sein Tempo, das pure Gefühl, alle Sinne, noch nie hatte er eine solche Lebensfreude gespürt, eine Energie, er war zum Bersten voll davon, wusste nicht, wohin mit all dem Überschwang, sah nur das Licht – und prallte gegen eine unsichtbare Wand.
Dann war Levin aufgewacht, hatte in die besorgten Gesichter geschaut, einen Kater gespürt wie nach keiner Sauferei zuvor, hatte sich zugleich jünger gefühlt, auch jetzt noch, hier im Krankenhaus, als sei er nicht Ende dreißig, sondern wieder Anfang zwanzig, als er nichts hatte anbrennen lassen. Das war kein Traum, dachte er, er war doch schon in der Küche gewesen und doch unterhalb des Wohnzimmerfensters aufgewacht. Das war jetzt wichtig, er hätte es am liebsten dem Pfleger gesagt, der ihn im Rollstuhl zur Untersuchung schob, aber der hätte ihn nur für verrückt erklärt, ihn noch lästiger gefunden, Levin spürte dessen Widerwillen, selbst in seinem Rücken, er konnte sich ja gut in andere Menschen hineinversetzen, jetzt offenbar auch in Tiere, Insekten, Fliegen – sie waren ihm nie lästig gewesen, leben und leben lassen. Etwas am Rollstuhl schabte, es zerrte an seinen Nerven, seine Sinne waren auf das Äußerste geschärft, gereizt, alles stieß ihn ab: die kalten Flure, das grellweiße Kunstlicht, der allgegenwärtige Geruch nach Desinfektionsmitteln. Nein, das war kein Traum gewesen, keine Einbildung, sondern ein reales Erlebnis, es war in ihm, wirkte nach, ein Traum wäre längst verblasst, aber das hier war ungleich stärker, seit der Ohnmacht war er übersensibel, voller Lust, ein Drang aus jeder Pore seine Haut. Und als er die junge Assistentin im CT erblickte, entlud er sich auf einen Schlag, Levin wurde durchgeschüttelt, verkrampfte und entspannte sich, spürte dabei keinen Schmerz, nur grenzenlose Wollust. Jemand schrie.
»Herr Müller, Sie hatten einen epileptischen Anfall«, sagte der behandelnde Arzt später auf der Station, seine Pupillen pendelten zwischen den angeschlossenen Geräten hin und her. Jemand hielt seine Hand, Levins Frau saß an seinem Bett, ganz in blau und mit Mundschutz. Schade um ihren schönen Mund, er spürte, wie sich sein Glied versteifte, wie gern wäre er jetzt mit ihr allein, nicht hier natürlich, draußen auf einer Wiese, im hohen Gras, wie beim ersten Mal, sie hatten überall Pusteln gehabt, aber so ist sie, die Natur, hatte er gesagt und sie überall geküsst, den Duft ihre Haut genossen, den der Blüten, des Chlorophylls, fast betörender als der Nektar, all das wollte er, sofort. Doch hier war alles steril, gab es einen sinnenfeindlicheren Ort?
»Das Mittel müsste gleich wirken.« Wie in Levins Lieblingsserie drehte der Arzt an der Rollklemme des Infusionsschlauchs, sachlich, er murmelte etwas und verließ den Raum.
Levin hatte kein Bedürfnis zu sprechen. Seine Gedanken kreisten nur um das eine: Flucht – nur raus hier. Noch nie hatte er einen solchen Freiheitsdrang verspürt, doch etwas hielt ihn fest, drückte ihn nieder, es war, als liefe er aus, ein Zerfließen, jeder Muskel entspannte sich, seine Lider wurden schwer.
»Schlaf, mein Schatz«, hörte er nur noch.
»Alles wird gut« schon nicht mehr.
Die weiteren Untersuchungen ließ er gleichmütig über sich ergehen, man fand nichts, wunderte sich nur über seinen großen Appetit, begrenzte die Menge aber, so sehr er auch bettelte, vor allem nach dem Kompott. Dann konnte er sich kaum beherrschen, sein ganzer Körper war in Bewegung. Zu viel Zucker, das muss ja irgendwohin, sagte der Arzt, und gab ihm weiter Beruhigungsmittel. Die Toilettengänge mit männlicher Begleitung, begleitet auch von Schwindel, die helfenden Hände beim Waschen, Pflichtübungen. Doch immer wieder lichtete sich sein Nebel, das Lächeln der hübschen Pflegerin war wie die Sonne, der viel zu lange Blick in seine Augen, denen sie offenbar verfiel, und er, hypersensibel, registrierte das genau, hellwach in solchen Momenten, überdreht, hungrig. Was blieb ihm mehr als die Flucht nach innen, dort immer wieder derselbe Traum, die Blumenwiese, ein Summen, das in seinen Ohren bald klang wie Gesang, verlockend, noch mehr die entblätterten Blüten, nein es waren wohlgeformte Körper, gebettet auf riesigen Blumenkelchen und er darüber schwebend, konnte sich nicht entscheiden.
Zum Erstaunen der Ärzte und für sie unerklärlich entwickelten sich seine Werte ausgezeichnet, sein Körper stabilisierte sich nicht nur, seine Vitalwerte entsprachen tatsächlich denen eines viel jüngeren Menschen, und auch äußerlich lag dort ein um Jahre verjüngter Mann. Erst hatte seine Frau herumgedruckst, ihren Mann immer wieder erstaunt gemustert, um schließlich herauszuplatzen, mit viel zu schriller Stimme. Mein Gott, Levin, was passiert mit dir? Deine Haut, deine Haare, dein ganzer Körper! Ich weiß es nicht, hatte er gesagt, ich weiß nur, dass ich hier raus will. Hol mich hier raus! Pschhh, hatte sie gesagt, ihn auf den Mund geküsst, ihn gestreichelt, schon die Berührung ihrer Hand und er war gekommen. Das war …, hatte er gesagt. Das wird schön, seine Frau. Nur anders, als sie dachte. Als sie gerade gegangen war, schon spät am Abend, müde von ihrer Arbeit und dem täglichen Krankenbesuch, schlüpfte die junge Pflegerin durch die Tür, in Arbeitskleidung, als hätte sie Nachtdienst, vielleicht hatte sie, doch er wusste, sie kam für ihn, legte den Zeigerfinger auf ihre Lippen, dann auf seine, gleich einem ersten zarten Kuss im stillen Halbdunkel. Sie beugte sich erst über ihn, ihre Augen schienen von selbst zu leuchten, während sie, ohne ihren Blick von seinem zu wenden, sich zu ihm legte, in einer einzigen geschmeidigen Bewegung ihrer Hose entledigte und auf ihn setzte, da war er schon bereit, beim ersten warmen Kontakt schon fertig, was sie erst recht anstachelte, sie beide, und sie kamen zusammen, nicht nur einmal in dieser Nacht.
Seine Frau ließ die Pflegerin nicht aus den Augen, stopfte Levins Sachen wahllos in die Reisetasche, während die junge Frau Levins Ellbogen befreite, ein Pflaster aufklebte, seinen Arm noch hielt, als er »Danke« sagte, eine Spur zu zärtlich, was seine Frau aufmerken ließ, und so setzte er schnell nach: »Bin ich froh, endlich hier rauszukommen. Nach Hause.«
»Wirklich?« Energisch zog seine Frau den Reißverschluss zu.
»Obwohl ich die Ruhe hier genossen habe. Erst recht das freundliche Personal.« Sein schmeichelndes Lächeln, das aufgesetzte der Pflegerin, ihr Kopfschütteln über die hundert Euro aus den Händen seiner Frau, deren triumphierendes Lächeln, als sie den Schein nahm, ihn hastig in die Kitteltasche stopfte und das Zimmer verließ.
»Hübsch. Müssen wir noch auf den Arzt warten?«
Levin stand mit einem Ruck auf.
»Nein, wir können.«
Man hatte ihm eine Therapie nahegelegt, von der er gerade einmal zwei Sitzungen absolvierte. Die Psychologin attestierte ihm mangelnde Kooperationsbereitschaft, das Wenige, das sie ihm entlockte, in den Momenten, in denen er ins Schwärmen geriet, sprach für eine massive Persönlichkeitsstörung, eine stationäre Behandlung sei dringend erforderlich, an Levins Frau die Frage, ob er immer schon so von sich weg auf andere Wesen, selbst auf die kleinsten in der Natur, womöglich besonders auf diese, bezogen war, eine übersteigerte Empathie, gar nicht mal überfordernd wie bei einer Hyperempathie, eher euphorisch, wofür man erst einen Begriff finden müsse, vielleicht Eupathie. Sie könne nichts raten, Levin gehöre zwar in Behandlung, aber die müsse er selbst wollen, was nicht der Fall sei. Liebe, viel Zuwendung, gab die Psychologin dem Ehepaar auf den Weg, sei vielleicht am Ende womöglich das einzige, das helfe – beide nickten, sie wussten, wie sehr ihr Alltag alles dominierte, die Routine ihrer langjährigen Ehe. Der zweite Frühling war nur von kurzer Dauer gewesen, was weniger an Levin lag als an seiner Frau, sie hielt ihn auf Abstand, die ihm attestierte Empathie konnte sie nicht nachvollziehen, jedenfalls nicht beim Sex, seine Zärtlichkeit war einer fast animalischen Wollust gewichen, die sie anfangs noch genossen, dann aber zunehmend abgestoßen hatte, sie machte ihr Angst. Sollte er andere Frauen beglücken, was er offenbar tat, und so wich ihre Bitterkeit einer erleichterten Gleichgültigkeit – und Mitleid, nicht ihm gegenüber, sondern seinen Opfern, aber auch das verging, was kümmerte es sie, so lange Levin im Alltag ein guter Ehemann blieb. Und das war er. Ein guter Vater auch, und doch übertrieb er es manchmal, etwa beim Fußballspielen mit seinem Sohn, der angesichts der neuen Schnelligkeit und Gewandtheit des Vaters rasch die Lust verlor oder beim Kochen, das die Kinder erst begeistert verfolgten, seine Akrobatik beim Pfannkuchen wenden, das sichere Jonglieren von gleich vier Eiern – am Ende wollten sie nur in Ruhe essen, müde von der Hyperaktivität ihres Vaters, den es schon nach weiteren Taten drängte..
Der Sommer nahm Fahrt auf, die Menschen stöhnten unter einer Hitzewelle, und während seine Frau in die klimatisierten Räume ihrer Firma flüchtete, die Kinder fast ihre gesamten Ferien abwechselnd bei beiden Großeltern verbrachten, blieb Levin nur allzu gern im Homeoffice. Vor allem, weil er so viel Zeit im Garten zubringen konnte, bevorzugt in der prallen Sonne, ihm konnte es nicht heiß genug sein. Tief zog er die vielfältigen Aromen in die Nase, die der Blumen und Blüten, des Pflanzengrüns, den würzigen Geruch nach Heu, wenn er den Rasen gemäht hatte, was ihm noch leichter von der Hand ging als jemals zuvor, selbst dem Komposthaufen konnte er Wohlgerüche abgewinnen. Stundenlang blieb er dem Homeoffice fern, er hatte wieder zu laufen begonnen, sein Knie machte ihm keinerlei Probleme mehr, und so unternahm er ausgedehnte Touren, kam in Gegenden, die er sonst nur mit dem Auto erreichen konnte. Die Energie und Empathie, die er für alles in der Natur entwickelt hatte, fehlte ihm für seinen Beruf, und so dauerte es nicht lange, bis man ihn zum Gespräch in die Firma bat.
Sein Chef hatte sich Verstärkung geholt, eine Betriebsrätin und der Personalleiter saßen mit am Konferenztisch im zehnten Stock, Levin beeindruckte das wenig, auch nicht die kaum verhohlenen Blicke, die von Sorge über Abneigung bis Ekel reichten. Er hatte sich keine Mühe gegeben, war in kurzer Hose, T-Shirt und Badeschlappen erschienen, fror jetzt im klimatisierten Büro. Man stellte ihm Fragen, der Personalchef noch die einfühlsamsten, bemüht, seinem Kollegen auch jetzt zu helfen, aber Levin blieb stumm. Stattdessen blickte er an seinen Befragern vorbei zum Fenster, zum Horizont, über die Baumwipfel hinweg, und zurück auf die fleckige Glasscheibe, äußerlich gelassen, doch insgeheim erschrak er darüber, wieviele Insekten auf die durchsichtige Wand prallten, das Blut der anderen nicht sahen, er konnte sie trotz der Entfernung in allen Einzelheiten erkennen, sah wie in Zeitlupe, wie sich Hornhaut, Flügel und Fühler eindrückten, hoffte, dass möglichst viele der kleinen Wesen mit dem Schrecken davon kamen – wie gern wäre er jetzt da draußen, er würde sie alle warnen, die Vögel nicht, sollten sie doch verrecken, seit dem Vorfall mochte er ihren Gesang nicht mehr, er schmerzte in seinen Ohren, er ahnte, warum.
»So kommen wir nicht weiter.« Sein Chef zog ein Blatt Papier aus der Personalakte hervor, legte es Levin vor. Doch der war bereits im Tunnel. Da war sie! Sie meinte ihn. Lief draußen auf und ab, die Scheibe rauf und runter.
»Herr Müller?«
Levin sprang auf, hastete zum Fenster, öffnete den Seitenflügel, nur ein Sprung hoch und er war bei ihr. Die Fliege hob ab.
»Warte!«, rief Levin und stieß sich ab, lustvoll stürzte er sich in die heiße Luft, kurz trudelte er, dann bekam er Auftrieb, schaffte es vorwärtszukommen, er musste ihr nach, dem Brachland zu, der wilden Natur entgegen, dorthin flog sie, wie wundervoll war all das, was vor ihm lag, nie war er glücklicher gewesen als in diesem Augenblick. Und so hörte Levin zwar noch die Sirenen, doch als er die wilde Wiese erreichte, hatte er alles vergessen, was war, wer er war, selbst woher er kam, es war nicht mehr wichtig. Alles, was zählte, war sie, dort auf der gelben Blüte, wartete sie auf ihn, ihr schöner Körper reckte sich ihm entgegen, bereit zur Verschmelzung. Er platzte vor Erregung, betört von Düften voller Verheißung. Nektar und Ambrosia – er war im Paradies.