Den letzten Kontakt mit einer Betreuerin unseres Reiseanbieters, eines angeblich führenden Touristikkonzerns, haben wir bei der Ankunft unseres kleinen Transferbusses am Flughafen Heraklion. Ein schöner Urlaub gehe zu Ende, sagt sie routiniert, jetzt wünsche sie allen noch eine angenehme Rückreise nach Stuttgart. Die Schalter der Fluggesellschaft seien zwar noch nicht besetzt, dennoch solle man gleich ins Terminal gehen, denn dort sei es klimatisiert und nicht so heiß wie draußen, so die junge Frau in Blau. Zwei Dinge, die nicht ganz stimmen, weitere sollten folgen, eine wahre Odyssee erst beginnen …
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Autor: seitenreiterblog
Homunkulus
Ich weiß nicht, warum ich mir das antue. Erst dieser grässliche, knallgelbe Tee. Dann dieses lächerliche Namasté, die servile Verbeugung, die »betenden« Hände vor der Brust. Warum? Die Vibration der Klangschale durchströmt meinen Körper, da liege ich schon. Wird eh nicht klappen, denke ich. Hypnose nicht, Meditation erst recht nicht. Meine Frau liegt neben mir, ist schon ganz bei sich. Wo ist das: bei mir? Alles, was ich sehe, ist ein dunkler Raum, eine Art Verlies – und dieses kleine Wesen. Wo bin ich? Weiterlesen
Nach dem Regen
Nach dem Regen
Kommt hoffentlich die Sonne
Der Traum verblasst
So gewaltig in der Nacht
Doch wie aus einer Zeit
Aus einem anderen Leben
Eine Spiegelung vielleicht
Ein Reflex von Pein in den
Hirnströmen des Schlafes
Ein Schrei, ein Echo Echo…
Tropfen trommeln noch
Hören auf am Morgen
Nach dem langen Regen
Zögert die Sonne zu scheinen
Dafür strahlt das Netz hinaus:
Töpfe glänzen, putzt man sie
Mit Zahncreme
Song
Ein schöner Augenblick, ein letzter Blick zurück
Du hast mich angeschaut, mir den Verstand geraubt
All die Jahre, die vielen Tage, sind so voll von dir
Es erleben, das volle Leben, nur mit dir – nur wir
Mit dir zu sein, heißt frei zu sein
Deine Zeit in meiner Zeit
Die Zeit zu zweit
Unsere Ewigkeit
Auf dem Weg ins Glück bleibt ein Stück von mir zurück
Es ist nicht für dich, ein Rest vom Ich, das anders war
All die Jahre, die neuen Tage, brauch ich nur noch dich
Es erleben, das volle Leben, nur mit dir – nur wir
Mit dir zu sein, heißt frei zu sein
Deine Zeit in meiner Zeit
Die Zeit zu zweit
Unsere Ewigkeit
– Solo auf Strophe –
Mit dir zu sein, heißt frei zu sein
Deine Zeit in meiner Zeit
Die Zeit zu zweit
Unsere Ewigkeit
Ein Text von 2017 – die Melodie habe ich auch irgendwo. Wenn ich sie finde, könnte ein Song daraus werden.
Das Ding
Hier etwas „Kafkaeskes“ – was man nicht alles so nennt … Eine Geschichte, inspiriert von der großartigen Kafka-Serie in der ARD von Daniel Kehlmann und David Schalko. Viel Deutung, viel Suche – durchaus vage Spuren zum Ausnahmedichter Franz Kafka. Und eine mögliche Erklärung: „Die Verwandlung“ als albtrauminspirierte Umsetzung realer väterlicher Aversion gegen den jiddisch sprechenden Schauspieler Jizchak Löwy, den der alte Kafka als „Ungeziefer“ bezeichnet. So weit geht diese Geschichte hier nicht, und doch kann schon eine Abweichung vom Normalen, ein Ding an einem Menschen monströs erscheinen, ihn in Gänze entstellen – und unmöglich machen …
Als Herr Beh eines Morgens aus traumlosem Schlaf erwachte, fand er sich schwitzend in seinem Bett vor. Nichts bedeckte seinen vollständig nackten Körper, die Bettdecke lag am Boden, und dennoch fühlte sich seine Haut heiß und feucht an, ein abgestandener, säuerlicher Geruch erfüllte den Raum, und Herr Beh entstieg dem nassen Laken seines Bettes, überwand einen kurzen Schwindel und stellte sich im Bad gleich unter die kalte Dusche.
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Wo sonst (Island)
Wenn nicht hier wo sonst
Klafft die Hölle auf Erden
Erbricht sie stinkend Glut
Erstarrt zu Stein zu Staub
Nicht einfach schwarz ist er
Glitzernd wie ein Sternenmeer
Schimmert blau im Gletscher
Moos beklebt die Berge grün
Kleine Pferde in der Weite
Goldgelb das Wintergras
Der Himmel auf Erden ist
Wo sonst wenn nicht hier
Winterküste
Grün sprießt nach dem Regen
Honiggelb ergießt sich Sonne
Und der Himmel wirft sein Blau
In jede kleine Pfütze
Doch allzu bald schiebt Wind
Wolken Regen Schnee herein
Schon biegt sich wieder alles
Wie erstarrt gen Osten
L wie Loser
Was für eine Schnapsidee! Alles. Er ist komplett nass. Das Handy! Es war auch unter Wasser. Verdammt! Er hat extra nur das Smartphone mitgenommen, die Hotelkarte in die Schutzhülle gesteckt. Falls er einen Herzinfarkt bekommt, weiß man schnell, wer er ist, kann man … Nein, Anhörige verständigen, fällt aus. Seit Freitag hat er keine mehr. Nicht mal mehr die eine. Sie hat ihn verlassen. Als er es endlich begriffen hatte, ist er geflohen, erst wollte er zum Flughafen, in die Wärme fliegen. Dann tat er sich so leid, dass er sich lieber an einem einsamen, grauen Strand sehen wollte. Jetzt ist er da – und klitschnass.
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Das Schnitzel kann nichts dafür
Sie hackt, sticht zu, reißt die Gabel hoch, lässt das Stück Schnitzel überaus schnell in ihrem Mund verschwinden, die Bewegung akkurat, entschieden. Jetzt nimmt sie das Messer hoch und richtet es auf die Frau gegenüber, das Gesicht verzerrt, die Lippen schmal, glänzend, von Fett, nicht von ihrem Lippenstift.
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Kreislauf des Lebens
Jahrein, jahraus das gleiche Spiel: Immer zum Ende blickt alles zurück, erinnert sich, stößt uns mit der Nase drauf – es gibt kein Entkommen, außer vielleicht am Nordpol, in der Wüste oder – mit viel Willenskraft – im digitalen Entzug, im Kloster oder an einem Ort, zu einer Zeit, in der man ganz bei sich sein kann. Denn wenn ich mich gar nicht erinnern will? Einfach nur leer sein, einfach auslaufen will?
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Hässliche Menschen
Kaum ein anderes als dieses Land
Hat so viele hässliche Menschen
So schön sei die Heimat, sagen sie
So lecker das Essen, so rein das Bier
Und doch schweifen sie in die Ferne
Trampeln mit ihren Bratwurstkörpern
Laut durch eine zauberhafte Welt
Saufen und lachen jede Demut weg
Dämmerung
Irgendwo bellt immer ein Hund
Fällt eine letzte Tür ins Schloss
Hallt Abgesang aus Dohlenkehlen
Killt Langeweile Lebenssinn