Gleichrichter

Es gibt Menschen
Die Horizonte erweitern
Und es gibt Menschen
Die in einen Tunnel führen

Jene sind solche
Die denken lassen
Diese sind die
Die eintrichtern

Erstere sind zu wenige
Letztere immer die Vielen
So sehen zwar alle die Sonne
Und gehen doch ins schwarze Loch

©Martin Bensen

Tag 1, D

Räson

Die Räson ist ein schleichendes Gift
Sie ist nicht Vernunft, die Verstand
Und Gefühl aufhebt als höchstes Prinzip
Unverrückbar, unbestechlich, menschlich

Die Räson ist ein schleichendes Gift
Sie tut so wichtig wie die Vernunft
Doch ist sie nur ihr blutleeres Abbild
Unnahbar, unfrei, unmenschlich

©Martin Bensen

Tag X, Dreikönig, Österreich

Brief

Meine Liebe,
Briefe sind keine Zeitkapseln
Sie retten nicht Vergangenes
Nur weil sie selbst überdauern
Wofür dann noch, für wen?
Manch ein Wort verblasst
Wie Papier einmal zerfällt
Manche stechen noch hervor
Doch nicht mehr ins Herz
Das Umweltpapier hält stand
Nur nicht die Tinte darauf
Das haben wir nicht gewusst
Geheimschrift des Vergessens
Verschwunden wie Gefühl
Nicht Liebe ist es noch
Als wenig wehe Wehmut
Nicht dein Geruch, dein Bild
Nur die Erinnerung daran
Leere folgt aus Großem
Das meine Seele einst erfüllte
Mehr als Worte sagen konnten
Jetzt bleiben nur die Worte
Leere Hüllen ohne Sinn
Am Anfang war kein Wort

Es bleibt auch nicht am Ende

In Liebe

Traumgesichte (IX)

Ich muss da durch. Es ist heiß in dem dämmrigen Raum, feucht und stickig. Meinem Vordermann rinnt der Schweiß in den Kragen, die halbe Rückenpartie seines Hemdes ist bereits durchnässt. Die Kontrolle wirkt dadurch bedrohlich: Mein Vordermann breitet die Arme aus, der uniformierte Mann vor ihm, tastet mit beiden Händen Arme und Oberkörper ab.
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De-

Moll ist dir lieber als Dur
Dein Singen geht nach innen
Dein Spiel aus dir heraus
Dann lachst du bist ganz da

Bis du dann wieder gehst
Hinab zu dir ganz bei dir bist
Wo nichts ist nur alles eng
Das macht der Tunnel
Zwischen dir und draußen

Das Licht der Sog von da
Kalte Vernunft greller Tag
Brechen ein in deine Nacht
Erhellen nichts blenden nur
Zu Tränen die nicht versiegen
Dir nichts leichter machen

So wenig wie Umarmungen
Die nicht tief genug rühren
Deine Seele kaum wärmen
Vielleicht diesen Schmerz
In deinem Kopf etwas lindern

Einmal gehst du raus in die Welt
Raus aus dir in weites Land
Dort breitest du die Arme aus
Spürst du wie die Welt dich hebt?

©Martin Bensen