Eigenartig. Ein Begriff wie seltsam, halbwegs neutral betrachtet und nicht genauer interpretierend. Beide eigentlich nicht negativ, aber vom Gefühl und der häufigsten Verwendung her auch nicht positiv. Also doch eher negativ. Objektiv ist etwas eigenartig, wenn es von seiner Art her etwas Eigenes hat – so kann Vieles sein, es sei denn, es ist eher selten, dann passt besser das Pendant seltsam.
Es gibt im Deutschen viele Synonyme für beide Begriffe, und viele passen weit besser für einen konkreteren Zusammenhang, etwa wenn ein Mensch als sonderbar, kauzig oder gar skurril beschrieben wird. Hier bleiben die Attribute eigenartig oder seltsam oberflächlich und generalisierend. Und sind nicht zu empfehlen für eine gute Erzählung.
Doch warum werden die beiden Begriffe fast immer negativ konnotiert? Ein eigenartiger Geschmack etwa klingt wie das neudeutsch gebräuchliche Wort interessant, das früher einem aufrichtigen Interesse gemäß, heute aber gerne abwertend verwendet wird, zum Beispiel bei der Bewertung eines Essens (ähnlich wie nett – „nett ist die kleine Schwester von scheiße„). Wenn etwas seltsam schmeckt, ist hingegen Vorsicht angesagt, es könnte schlecht oder giftig sein, auf jeden Fall nicht gut.
Zu guter Letzt: Wie kam ich eigentlich drauf? Über eine Bierwerbung im Bordrestaurant der Bahn. Ich war müde von der Reise und das Bier ist nicht mein Favorit, jedenfalls als Flaschenbier, und so las ich: „eigenartig im Geschmack“.
So schlecht schmeckt es gar nicht, dachte ich, es war auch längst nicht abgelaufen, dann nämlich kann Bier eine seltsame Note bekommen. Kurzum: Ich musste ein drittes Mal hinsehen, damit ich die Werbung richtig las: „einzigartig im Geschmack“. So funktioniert Sprache eben auch, man liest ein der Wortgestalt und der eigenen Erfahrung nach ähnliches, von der Bedeutung aber gänzlich anderes Wort, stutzt jedoch schnell, denn welche Werbung will derart irritieren?
Wenn dahinter eine perfide Absicht stecken sollte, wäre das ein eigenartiger, geradezu seltsamer Scherz, denn wie heißt es so schön: You never get a second chance to make a first impression. Und dieser erste Eindruck könnte eigenartig sein.