Zuwendung, schließlich

Nachts, wenn er ihre Nähe, die gleichzeitige Ferne nicht erträgt, wendet er sich immer wieder ab, spürt dann, wenn auch schwach, einen Anflug von Verlassenheit, fürchtet aber schon die Ahnung, wirklich verlassen zu sein, weswegen er sich doch wieder zu ihr, seiner Liebe, hinwendet, seine Hand flach unter ihren Po gleiten lässt, behutsam, nichts fordernd, um sie nicht zu wecken, denn wie kann er sicher sein, dass sie ihn noch liebt, weniger als am Anfang, gewiss, das fühlt auch er, und doch so, dass sie noch verbunden sind, ein Paar, aneinander gewöhnt, vereint nach außen, einander gewiss nach innen, und doch schon eine Weile ohne Leidenschaft, ersetzt durch ein Gefühl der Leere, das am Tag weniger bedrückend, jedoch nachts umso beängstigender Raum nimmt, sodass ihm das Atmen schwerfällt und er sich also rasch wieder abwendet, dann daran denkt, wie ihn früher Tränen fast erstickten, wenn ihm ganz bange wurde vor der Zukunft, die nun hinter ihnen liegt, nicht mehr schmerzt, wie sein abgestorbener Zahn, wegen dem er morgen unter gleißendem Licht sitzen wird, einsam, ohne Trost, anders als jetzt, mit ihrer schläfrigen Wärme, die wohl Träume befeuern, welche fragt er sich, wo sie doch so reglos daliegt, sich der Schemen ihres Körpers vor dem schwachen Licht der Nacht abzeichnet, so fein und zart, als schwebte er über dem Bett, so leicht wie ihre regelmäßigen Atemzüge, die ihn trösten, ihm Sicherheit geben, ihn animieren, sich ihr wieder zuzuwenden, um nun endlich in den Schlaf des Vergessens zu fallen.

©Martin Bensen